Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1883)
- Article
- Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
- Date
- 1883-05-24
- Page
- 327 (sequence 2)
- Language
- German
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327 Mte Staatsbeamte, deren Wirksamkeit für die An- Gelegenheiten des Staates außerordentlich heilbringend gewesen, und deren ganzes Streben ans die Förderung d-׳r Wohlfahrt des russischen Reiches und ans die Vcrbesseruug der ökonomischen Zustände der Bevölkerung gerichtet war, wie diese die Juden günstig beurtheilten, weil sie fern von allen ')Nebenabsichten und jeder Unterscheidung zwischen den Bevölkernngsklassen waren. Oie Zeitung ״Nowaje Wremje", deren große Gehässigkeit gegen die Inden bekannt ist, bringt im vergaugenett Januar die Worte eines ihr gleichgesinnten Berichterstatters aus Mohilcw Podolsk, die also lauten׳. ..Die im Gouvernement Podolien wohnenden Juden siitd freilich im Berhältniß zu den andern Bewohnern des Landes nuv gering an Zahl, gleichwohl liegt Handel und Industrie nur in ihren Händen. Und dieses nur, »veil den Bauern dieses Landstriches Mittel und Fähigkeit fehlen. Denn die Russen nchnien sich sehr in Acht, viel Geld in Geschäften anzulcgen, das Detailgeschäst eignet sich nicht für Nttssen, denn diese zahlen weder, noch suchen sie einen Lohn für Mühe. Darum eignen sich die Bedingungen des Detailgcschäfls in diesen Gegenden nur für Juden, und sic haben auch alles dazu Erforderliche. 01)110 Juden würde vom Handel in diesen Gegenden gar keine Rede sein; kauft der Jude nichts, gicbt's keinen Käufer, und wenn sie vom Inden nichts kaufen können, so gicbt es gar keine Gelegenheit, Etwas zu kausen. Dies sind die allgemeinen Bediitgungen des Einzel-Geschäfts in den meisten Gegenden dieser Provinz." Wir sehen, wie selbst in dem Augenblick, wo cs dem Herzen dieses Judenfeindes schmerzlich ist, daß alle Handelsgeschäfte sich in Händen der Juden bc-- sindeit, er gleichwohl wider seinen Willen sich zu gestehen gezwungen sieht, daß dem Landmann dieser Gegend cs an Tauglichkeit gebricht, und daß die Reichen unter ihnen den Handel verachten und nicht für werth genug halten, sich damit zu beschäftigen, wenn sie dabei nur geringen Verdien st sehen, und nur der Hebräer sich viel anstreugt und sich mit geringem Verdienst begnügt. Alle die in diesem Kapitel bcigebrachten Beweise bezeugen und lassen die Einsicht gewinnen, daß, wenn gleich den Juden eine große Hülfe daraus erwachsen würde, wenn ihnen die Pforten des innern Rußlands geöffnet würden, weil sie dort im Schtveiße ihres AngesichtS und mit arbcitjamem Fleiß Verdienst für ihre Thätigkeit und damit selbstständige Nahrung finden würden, und nicht mehr der Nahrungsnothlage der Gesannntheit in den ihnen bis jetzt gestatteten Gegcnden zur Last zu liegen brauchen: so würde doch der noch bei weitem größere Nutzen daraus den Laudesstrecken, die sich ihnen öffnen, und den Einwohnern der Gouvernements erwachsen, die bis jetzt den Inden verschlossen sinh. Sic würden die Fesseln des dort jetzt herrschenden Monopols öffnen, würden den Handelsgeist beleben, würden das Geschäft und den Kredit erweitern, welcher die Achse des ganzen Umsatzes der Kapitalien und der großen Unternehmungen in der Geschäftswelt bildet. Mit fleißigen Händen würden sie industrielle Werkstätten und Fabriken ins Leben rufen und gründen, und durch diese dort von den Inden geübte Wirksamkeit würde sich die allgemeine ökonomische Lage in den östlichen Gouvernements heben und den ländlichen Bewohnern einen befriedigenden Wohlstand bringen, und ohne Zweifel würden sich dort die Juden durch Gesetzlichkeit und Sittlichkeit ihres Wandels auszcichnen und in Frieden und Eintracht mit ihren christlichen Brüdern in dem Lande leben, das ihnen zur allgemeinen Wohlfahrt des russischen Reiches geöffnet werden wird. Ans der ersten Hälfte nuferes Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Zlolt. .1. ('.,Ule Rechte Vorbehalten iJürtsevuiig.) Die Kräfte der Kranken schwanden von Tag zu Tag trotz der stärkenden Medikamente, die der Arzt verordnete und trotz der Pflege der treuen Dienerin. Leah that in Wirklichkeit ihr Möglichstes, allen au sie gegellten Anforderungen zu entsprechen; sie leitete das Hauswesen, sorgte für die Kinder und pflegte die Kraule mit einer geradezu opferfreudigen Hingebung. Frau Ehrmann hätte zwar am liebsten die Kinder beständig um sich gesehen, doch dem Verlangen ihres Mannes, die Knaben die Schule besuchen zu lassen, konnte sie nicht widersprechen, und daß dieselben nach der Schulzeit noch täglich eine Stunde beim Kaplan verbrachten, das war ihr wohlweislich Geheimniß geblieben. Leah jedoch hatte es längst errathen; sie wußte, daß die .Kinder das viereckige Gewand mit den Schausä den hatten ablegen müssen, daß sie am Sonntag ihre Sabbathlleider trugen und an der Hand des Vaters die Kirche besuchen mußten; nnd auch von dem Unterricht des Geistlichen hatte sie -Kenntniß. Die wackere Alte war außer sich gcrathen; trotz ihrer untergeordneten Stellung hatte sie sich nicht zurückhalten lassen, ihrem Herrn die lebhastesten Vorstellungen zu machen. Ehrmann halte sie nicht schroff znrnckgewiesen; um der Pflege, die sie der Kranken widmete, wollte er sie nicht noch mehr gegen sich erzürnen. Er hatte ihr daher in