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Jeschurun · 1883-05-17 · Heft 20 (17.5.1883) · p. 319

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 20 (17.5.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1883-05-17
Page
319 (sequence 2)
Language
German
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319 mit aller Umständlichkeit angeblich ab, daß er gesehen, wie die Ester Solynrossy unter Beihülfc seines Vaters, des Schächters Joseph Scharf und Anderer von den Schüchtern Schwarz, Bnxbanm' und Braun ״geschachtet" worden sei!! — Die VeNheidiger Spekelh undHcnmann tvaren zugegen, als der Anllagcbeschlus; den Gefangenen verkündet wurde. Heu mann behielt sich vor, eventuell gegen denselben die Berufung einzulegen. N ußland. ..../.— Petersburg, 10. Mai. Im ganzen russischen Reiche rüstet man sich für die Feierlichkeiten der Kaiserkrönnng. Auch die jüdische Bevölkerung, wahrlich nicht der illoyalste Theil der Staatsangehörigen, wird an diesem bedeutungsvollen Tage für das Wohl des Herrschers und das Glück des Vaterlands beten. Und wenn dieser so arg verkannte und so übel behandelte Volks stamm mit diesen! Gebete für Kaiser und Reich auch daS heiße inbrünstige Flehen gen Himmel richtet, daß ״Er, der die Herzen der Könige wie Wasserbäche lenkt," das Her; unseres Kaisers und seiner Rathgeber mit Wohlwollen gegen die armen Hebräer erfüllen möge, auf daß ein Ende werde ihrer Roth und ihrem Elende — wer wollte ihm solches verdenken? DaS Bewußtsein lebt in Aller Brust — wenn den! Zaren der wirkliche Sachverhalt in der ״Iudcnfrage" zur Kenntnis; gebracht werden möchte, dann würde diese Frage zu einer befriedigenden Lösung gebracht werde ׳. — In Betreff der Ernennung znm Vorsitzenden der ״Inden-Kommission" soll jetzt endlich eine kaiserliche Entschließung vorliegen. Das NeichSrath- Mitglied Graf Pah len, welcher ehedem Minister der Justiz gewesen, ist zu diesem Posten ernannt oder wird demnächst bestimmt hierzu ernannt werden. Potpourris aus dem ersten Jahre meiner ^ehrerpraz>5 von W.'Lch. ״Nur noch!venige Wochen, nur noch!venige Tage und die schwerfällige Seminarthür schließt sich hinter uns." Diese und ähnliche Worte hört man von vielen jungen Leuten, die als Jngendcrzieher ihre Ausbildung im Seminar zu S. erlangt haben und nun da angelangt sind, wo sie hinanStreten sollen, um ihre Kenntniste und Fertigkeiten, zum Nutzen der ErziehungS- und UnterrichtSbedürftigcn, der Kinder, zu verwcrthen. Ich war auch unter diesen, die in den heißen Augusttagen des JahrcS 187... im Prüfungssaal saßen, und heute noch dringt mir der Angstschweiß durch 'die Poren, wenn ich mir jenen ' griesgrämigen PrüsungS- Kommissär denke, der sich ein Vergnügen daraus machte, durch Querfragen den Examinanden in Verwirrung zu bringen. Doch auch die Zeit der Prüfung ging vorüber. Der Bündel ist gepackt; mit großartigen Zukunstsplänen inder Brust, mit schwärmerischen JünglingSphautasicen in! Gehirn, mit dem Wahne, alle Berge ebnen und alle Hügel im ersten Kraftanlanf nehmen zu können, in! Herzen und mit einer gerade nvlhdürftig für die Heimreise ausreichenden Baarschaft in der Tasche, saß ich, der angehende Lehrer-Aspirant, die nun zu rauchen erlaubte Eigarre im Munde im dahiusausenden Dampfwagen. Bald hatte ich׳ daS Ziel meiner Reise erreicht und Vater und Schwester erwarteten mich an! Bahnhofe. Von den Strapazen der letzten Tage war ich bald erholt. Meine Mußezeit, die ich ja jetzt nach Belieben anSdehnen konnte, brachte ich dainit zu, täglich!nehrcre Stunden zu ״lernen" und!nein Vater, er weilt nicht mehr unter den Lebenden, war ein למק, .gab• mir häufig ein ״Lcienen" auf, uin, wie er mit Recht zu sagen pflegte, Selbstständigkeit im Erfassen einer גמרא Stelle zu erlangen. Unter' seiner Leitung lernte ich auch מלאבת שד;'טה nach der theoretischen und praktischen Seite kennen und nachdcn! ich mehrmals שחיטה ובדיקה nach Vorschrift ansgeübt hatte, wanderte ich mit dem Schächtmesser und Schleifstein znm Rabbiner, einem echten und wackeren Kämpfer'für die jüdische Sache. Einige פגימוה, die ich herauSschlisf, und einige Fragen, die ich richtig beantwortete, und ich hatte von ihn! die Autorisation, selbstständig diese Handlung anSüben zu dürfen. In einer Dorfgenlcinde genügt cs nicht, nur Lehrer, oder nur חקי, oder nur שוחט zu sein, sondern der Lehrer besorgt auch die beiden andern Funktionen; והחוט המשלש לא במהרה יגהק. Nun konnte ich daran gehen, um eine pgssende Stelle zu werben. Eine solche war auch bald gefunden. Ich!vurde zur Ab- Haltung eines ProbevortrageS als הזן veranlaßt, erschien and) am festgesetzten שבה, und am Sonntag war ich schon von der Gemeinde engagirt; and) die Bestätigung der .König!. Regierung ließ nid)t lange auf sid) warten. Einige Wod)cn später hielt id) in dem Dorfe O. meinen Einzug. Die mir angewiesene Dienstwohnung ließ gar nichts zu ׳wünschen übrig. Das Haus stand auf dem hügeligen Theil des Ortes, große Trauben hingen nod! an den- Neben, und auch der daS Haus n!njd)ließende Garten war nod) nid)t ganz seines Blumenschmuckes beraubt, In meinem Wohnzimmer war freilich von einer Eleganz nichts zu sehen; ein Klavier, ein Bett, ein Tisch, einige Stühle und ein Büd)crsd)rank bildeten mein Mobiliar. (Zonsrtzung t'olgt.)

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