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Jeschurun · 1883-05-17 · Heft 20 (17.5.1883) · p. 316

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 20 (17.5.1883)
Article
Deutschland : München [Nachricht]
Date
1883-05-17
Page
316 (sequence 2)
Language
German
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316 bei! Zweck haben, bei dem Vau einer;weiten Synagoge ' den Wünschen beider Richtungen gerecht werden;n : fömieii, da durch;wei Synagogen, je nach der Ansieht der Administration, beiden insofern entsprochen werden könnte, als die eine Synagoge für den ,,veformirten ftnltiio״ und die andere snr den hergebrachten;11 bc־ mmmeii sei. Damals uoiivteii sehr viele (Gemeindemilglieder snr den letzteren Kultus. Die Administration aber nahm gar leine Rücksicht ans dieses Votum und führte in die Synagoge Orgel 11. s. 1v. ein. Dal sie jetzt die Absicht, die neue Synagoge dem ״alten" (Gottesdienste zu widmen'?? Wir ׳möchten gern Aus- . schlug hierüber haben. Oesterreich-Ungarn, s. Wien, in. Mai. Am 3!. Dezember v. 3. . gaben die Geschwornen;11 Rzeszow in (Galizien ein Oerdill ab, durch welches die Eheleute Moses und , 6Mtcl Ni׳tt er ans Vütc;a im Bezirk Strzyzow schuldig erlanin wurden, in Gemeinschaft mit dem Knecht 2 l 0 di l i 11 s t i die Dienstmagd F r a n; i s fa Min di ermordet zu haben, und der (Gerichtshof sprach über die Schuldigbefundenen das Todesurtheil ans. Ein Schrei des Entsetzens ging durch ganz Oesterreich ob dieses unerwarteten 'Rechtsspruchs. Die (Gerichts- Verhandlung hatte nämlich in Betreff der beiden Erstgenannten fast kein einziges Belastnngsmoment ergeben, und hinsichtlich des Tritten war konstatiert worden, dag derselbe durch Mißhandlung seitens des ihn verhastenden Gensdarm zu einem.ihn selbst und seine Mitangeklaglen betastenden Gcständniß gcnöthigt worden war, ivetches er aber später nicht nur widerrief, sondern auch unzweifelhaft nachwies, das; er an dem vermeintliehen Tage'der angeblichen Mordthat gar nicht an dem bezeichneten Thal orte anwesend gewesen. Es hatte sich ferner ergeben, daß die nach mehrmonatlicher Lagerung im Walde ansgefnndene Reiche in höchst oberflächlicher Weise von nichts weniger als wissenschaftlich befähigter Teile obdnzirl ivorden war. Oer ge bl ich belhenenen die Eheleute stcitler. deren Ruf als rechtschaffene, unbescholtene Vcuic lonfiati 1־t ivorden war, ihre Unschuld, vergeblich verlangte die Verlheidigung die Einholung eines wirklich autoritativen LeichenbefnndnrtheilS — der Rzeszower (Lerichtshoß lehnte das letztere ab; die (Geschworenen gaben der Mahnung, , der durch kaum haltbare Gründe äußerst schwach motivinen Anklage keine Folge zu geben, nicht Gehör; der Staatsanwalt aposlrophine den Gerichtshof mit den'Worten: ״Was würde die Well dazu sagen, wenn eine Ehrisiin von Inden gemordet ist und die Inden freig'esprochen werden!" In widerlichster Weise wurde versucht, den vermeintlichen Mord als durch nnguakisizirbare talmudische-Gründe iüdizirt darzustcllen, Gründe, die ihre Widerlegung sofort fanden. Die Bernrt'heilten hatten das Mittel der Richtigkeitsbeschwerde gegen das Erkenmniß in Anwendung gebracht, und der oberste Gerichtshof beschäftigte sich demgemäß am 7. d. M. mit diesem Fall. Der Bernsnng wurde ans Antrag des.Generalanwalts Hofrath 2 i m o n o w i c z, welcher der Ausführung der glänzenden Verlheidigung im Wesentlichen sick) anschloß, Folge gegeben und das Unheil des Rzeszower Schwurgerichts aufgehoben und die Tuche vor die nächste 2ession des Gerichtshofs zu Krakau zur nochmaligen ,Verhandlung verwiesen. ES unterliegt fast keinem Ziveifel, daß die sicherlich unschuldig zum Tode verurlheilten Eheleme Ritter, ein Opfer des fanatischsten Vornrtheils und Hasses, nunmehr sreigesprochen werden. — Daß ein solches Geschworenenverdikt möglich), ist das Werk der unausgesetzten Jndeuhetzen, welche, von den Gebildeten ausgehend, das Urtheil des gewöhnlichen Mannes trüben. Es wird berichtet, daß -die Gesinnungsgenossen Ihres Herrn Hofpredigers Stöcker denselben zur Abhaltung einiger Vorträge in der bekannten Richtung über das bekannte Thema eiugeladeu hatten, der Berliner Vertretet* einer vorunheilsjreien Menschenliebe aber für jetzt diese Einladung abgelehnt habe, in der Hoffnung, daß er zu einer gelegeneren Zeit Wien mit seinem Besuche zu beglücken gedenke. — H Wreu, I 3. Mai. Herr Dr. Jacob Nappaport hat zum Andenken an seinen verstorbenen Vater, Herrn' Dr. mcd. Moritz Nappapon zu Vemberg, eine 2tiftnng ״zu Preisausschreibungen für in der Regel, in denischer Sprache abzufasseiide 2chrifteu und Abhandlungen, welche die Juden, betreffen, insbesonders historischem und sozial-politischen Inhalts" errichtet Als erste Preisfrage ist das Thema gestellt worden: ״Welchen Einfluß haben jüdische Aerzte auf das Indenihnm und auf das jüdische Volk geübt?" (Ein kulturhistorisches Bild». ״Es soll nachgewiesen werden, ivelchen Einfluß jüdische Aerztetheils durch ihren Verkehr mit allen Schichten der Gesellschaft, theils durch ihr persönliches' Ansehen bei Fürsten und 2raatswürdenlrägeru, - lheikS als Pfleger der Raturwisseuschaften und theils als Schriftsteller aus das jüdische Volk im Laufe der Jahrhunderte bis auf die moderne Zeit ausgeübl haben. Der Verfasse!׳ soll im Allgemeinen ein Bild von der Stellung des jüdischen ArzteS, besonders im Mittelalter, entwerfen, dann solche vorragende Aerzte hervorheben und in großen Zügen ihr Leben und Wirken darstellen, welche Zn den Nahmen der Preisfrage passen." — Die Abhandlung soll etwa ln Druckbogen umfassen. Als. Preis für die als die beste anerkannte Arbeit ist die 2umme von!׳uni Gulden öslerr. W. anSge'etzt. — Die Ab- Handlungen und bis spätestens den 1 r>. Octobcr 18<S4 B/ittags I '2 111)1׳ versiegelt 'und mit einem Mono versehen dem 2elrctnriat der Israel. Kultnsgemeinde in Wien '1. Seitenstetleng.- 4 einzuliefern. ׳

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