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Jeschurun · 1883-05-17 · Heft 20 (17.5.1883) · p. 311

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 20 (17.5.1883)
Article
Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
Date
1883-05-17
Page
311 (sequence 2)
Language
German
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311 und erwirkten auch einen Gesetzcrlaß in ihrem Sinne. Aber sehr bald schickte der General׳Gouverneur Graf Lewaschow von dort seinen Bericht ein. daß er das Wohnen der Juden in Kiew im Interesse der 2 tato befinde, weil in ihren Händen die Möglichkeit liegt, alle Waaren billig zu verkaufen; würde man die Inden vertreiben, so würden nicht nur alle Waaren und alle industriellen Erzeugnisse zu einer unerträglichen Höhe im Preise steigen, sondern viele deren wurden gar nicht zu haben sein (wie in der zweiten Gesetzsammlung Thl. VIII, Nr. <3918 enthalten ist.) ' Fonä׳v::ng l'otgi. Aus der ersten Hälfte Miscres Iahrhimderls. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich Aott. I. •C-l'Jc :Uc£:c rcrb1ב::.ז:«. iu! Fortsetzung.) bleichen Wangen der Mutter stabt sich Thräne auf Thräne, und zuweilen entrang sich ein halbunterdrncktes Wimmern ihrer kranken Brun. Aengstlich blickten die Kinder einander an, ihre Freude war dahin, ibr Jubel vcrüumnti. Wäre 11111־ Mirjam dagewesen. — Aber ohne die Schwester, di: in den jüngst verflossenen zwei Jahren, seil die Muner leidend, weil mehr als diese für ihre Brüder gesorgt, fühlten sie sich unbehaglich und fremd in Gegenwart der Ellern: das sichtlich schwere Leiden der Mutter schüchterte sie vollends ein. Während der ganzen Fahrt war cs zu keiner Unterhaltung gekommen, doch als gegen Abend auf hohem Felsen zuerst die Zinnen der stolzen Burg Wollersdorf sichtbar wurden, und dann das Städtchen, das sich wie Schutz suchend an den Felsen zu lehnen schien, da wandte sich Ehrmann zum ersten Mal an die Kinder und bedeutete ihnen, daß sie von nun au dort wohnen würden. Nengieug schauten die Kleinen hinüber. ״In welchem Haus werden wir wohnen?" fragte der Jüngere. Aber die gewandte Tochter fehlte Ehrmann, sowohl zur Pflege seiner kranken Frau als auch zur Leitung des Hauswesens. Beides hatte Mirjam trotz ihrer Jugend bereits trefflich verstanden. Er entschloß sich daher im letzten Moment, eine alte bewährte Dienerin. die schon seil Jahren in seinem Hanse der -Küche Vorstand, aufzufordern, ihn nach Wollersdorf zu begleiten. Das treue Mädchen, das weder von Mirjam's Flucht noch von dem Glaubens- Wechsel ihres Herrn eine Ahnung hatte, ließ sich leicht bereit finden. Sorgsam hob Ehrmann sein krankes Weib in den Wagen, folgte dann selbst mir den beiden Knaben, die treue Lcah kam zuletzt. Die Kinder verlangten nach Mirjam, sie wollten ohne die/ Schwester nicht fort. Ehrmann erklärte jedoch, daß-.er Mirjam schon früh am Morgen vor Tagesanbruch zu einer Tante in das nächste Städtchen gebracht habe, wo sic einige Zeit verweilen werde. Verwundert schaute die Magd auf; seit länger als zehn Jahren war sie in Ehrmann's Hause bedieustet und hatte nie von dieser Vcrwandten gehört, die doch so nahe wohnen sollte. Es war eine stille, freudlose Fahrt. Anfangs hatten die Knaben zwar laut ausgejauchzt, als die prächtigen 'Pferde im Galopp dahin jagten, und sic in dem schönen weichgepolsterten Wagen, ihnen schien es, wie im Fluge 'durch das Städtchen rollten, und alle Nachbarcn die 'Köpfe aus den Fenstern steckten- und in allen Straßen, die der Wagen passirte, die Leute voll Staunen ihnen nachstarrten. Und als sie nun erst hinaus in's Freiekamen durch die schattige Kastauienall'ee, und die'Bäume und Alles an ihnen vorüber zu gleiten schien, da schlugen sie die kleinen Hände zusammen und jubelten laut. Doch der Vater schaute so siuster drein, und über die ״Das könnt Ihr von hier aus nicht sehen, das liegt an der anderen Seite, aber bald sind wir dort."- ״Die Stadt gefällt mir nicht," bemerkte der ältere Knabe, ״aber das Schloß dorr ist schön, und der Schloßgarten scheint es auch zu sein." ..Das ist ein wunderschöner Garten, und wenn Ihr brav sein wollet, konnten wir׳ hier ansstcigen, und ich gehe mit Euch durch den Sehloßgarren zu unserer Wohnung, während die Muner mit der Leah hinfährt." Die Kinder, des Fahrens bereits müde, waren freudig einverstanden, und Ehrmann rief dem Nosseleuker zu, daß er halten möge; seine Frau aber stieß ׳ einen Schrei aus und streckte die Arme nach den Kindern, ׳ als wollte sie sie zurückhalten ״Sei unbesorgt." bar Ehrmann, ״cs geschieht ihnen nichts, der Weg durch den Park ist kürzer, vielleicht sind wir noch vor Dir zu Hanse." Dann hob er die Knaben aus dem Wagen, die sich in heiterster Weise von der Mntte'r verabschiedeten, und während die Equivage auf dem eine bedeutende Krümmung bildenden Fahrwege dem Städtchen zurollte, schrill Ehrmann mit den Kindern an der Hand den geraden aber ziemlich steilen Fußpfad znm Schloßpark hinan. Die Kleinen, erregt durch die mannigfache Ab- Wechselung, die ihnen der heutige Tag geboten, plauderten i munter drauf los, und Ehrmann, im Gegensatz zu seiner sonstigen Worlkargheit den Kindern gegenüber, beant-- worrcte bereitwillig ihre mannigfachen Fragen. .Ziemlich ' I rasch schrillen sie die in den Felsen gehauenen '׳Stufen hinan, und während sie den Park seitwärts liegen ließen, hatten sie sehr bald den Schloßhof erreicht. Er' wolle-

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