Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Sassin (Ungarn) [Nachricht]
- Date
- 1883-05-10
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
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303 gungskampfe von untiinbigcr Seite Behauptungen aufgestellt werden, denen von Seiten des gesetzcstrencn Jndcnthums mit aller Entschiedenheit cntgegengetreten werden muß. So hat schon Herr Professor 0!׳. M. Lazarns zn Berlin in seiner Diebe am lß. Dezember 1880, welche in der Brochnre ״Unser Standpunkt" gleichsam als das Programm der deutschen Judenheit eine weite Verbreitung gefunden hat, den Talmud förmlich desavouirt. Und das Gleiche ist in der Schrift des Herrn Joseph Ritter von Wert-- heimerznWien ״Jüdische Lehre und jüdisches Leben" geschehen. Wenn die Herren, deren Streben, das Indcnthum gegen die bekannten Angriffe zu vertheidigcn, gewiß volle Anerkennung verdient, doch bedenken wollten, daß sie durch Proklamirnng einer fälschlich als Stand- Punkt des Jndcnthums ausgegebenen Anschauung nicht nur mit stumpfer Waffe kämpfen, sondern auch die religiöse Ueberzengnng des überwiegend größten Theils der Juden, für welche sic in die Arena treten wollen, verleben und verleugnen und dadurch mehr Schaden als ׳Nutzen. stiften! — Herr von Wertheimer hat seine Schrift einer Anzahl Rabbiner mit dem Ersuchen zugesandt, ihre Zustimmung zn derselben durch Voll- Ziehung eines mitangcsngtcn Formulars zu ertheilen. Herr Bezirks-Rabbiner Engel hat hierauf folgendermaßen geantwortet: Herrn Ritter von Wcrlheimer, Hochwohlgeboren Wien. ׳ Auf Ihre geschätzte Zuschrift vorn vorigen Monat, mittelst welcher Sie Ihre verdienstvolle Schrift: ״Indische Lehre und jüdisches Leben" zur event. Zustimmnngsabgabe mir gütigst überreichten, beehre ich mich Nachfolgendes höflichst anzusührcn. Es gereicht dem Gcsammtjndcnthnme zur bcsondcrn Ehre, daß ein?Rann von der sozialen Stellung und Bedeutung eines I. Ritter von Wertheimer sich die Aufgabe stellt, die jüdische Lehre in ihrer Reinheit der Scsfentlichkeit darznlegcn und vor Bernnglimpfnng zu bewahren. Die Lösung dieser Ausgabe ist bem sorgfältigen Sinbitim der Frage und dem mühevollen Sammeln von statistischen-Daten, welchem der geehrte Herr Verfasser sich unterzogen, auch vollkominen gelungen, und könnte jeder gesetzestreue Rabbiner den ganz richtigen An:- Worten ans die Spezialfragen von 1—11 vollkommen zustimmen. Grade im Interesse der guten Sache, welche Ihre Schrift vertritt, muß cs aber tief bedauert!verdcn, daß dieselbe auf Seite 5, wie auch Seite 11 auf das Pariser Gutachten sich stützen zn müssen geglaubt hat. Der dort ertheilten Antwort auf Frage 3: ״Die Vermischung mit Christen ist nicht gesetzlich untersagt :c. wie bereits angeführt....-." kann kein gcsetzestrcuer Rabbiner zustimmen, da in dem jüdischen Gesetzbnche Eben Haüser Kap. 4 und Kap. 44 das diametrale Gcgcnthcil gelehrt wird. Ferner spricht Ihre Schrift auf Seite 9 vom Talmud, als von ״einem unverbindlichen Sammelwerke vcrschiedenartiger Lehrmeinnngen" ein Satz', welchem ebenfalls ein gesetzestreucr DCabbiner nicht zustimmen darf, da der Talmud eben, trotz seiner verschiedenartigen Lehr- Meinungen, zwischen welchen übrigens nach feststehenden talinndischen Regeln definitiv entschieden wird, die Grundlage und Hanptgnelle unserer jüdischen 4 Ge׳ setzbücher, genannt Schnlchan arnch ist. — Ich bin jedoch bereit, mit Vergnügen meine Zustimmung zu geben und möchte mir dies auch als ein Verdienst anrechnen, wenn in einer neuen Auflage Ihrer Schrift jene Stellen weggelasscn werden sollten. Hochachtungsvoll ergebenst Sassin, 1. Mai 1663. M. L. Engel, Bezirks - Rabbiner. Frankreich! * Paris, im April. Die ״Kreuzzeitung" läßt' sich ans Paris schreiben, daß daselbst in mehreren Stadtvierteln, namentlich aber im ß., 11. und lß. Arrondissement, kürzlich Plakate angeschlagen worden seien, welche die Inden, die Regierung und besonders die Justiz anklagten, Schuld an demElende der Franzosen zu sein, und zu einen großen Volksmeeting für Sonntag, den 22. April, 2 Uhr Nachmittags, auf dem Koukordicnplatze, behnfo Berathnng einer Abhnlfc, aufforderten. Die Polizei entfernte die Plakate sofort. Wir müssen die Bestätigung dieser Mittheil'ing abwarten. Rußland. ... x. Petersburg, 20. April. Die Frage, wer Vorsitzender der ״Judeii-Komission" an Makow's Stelle tverden wird, ist noch immer eine offene und beschäftigt die Gemüther. Es scheint noch nicht entschieden zu sein, ob Jgnaticw's oder Sch'.lwalow's Einflnß siegen soll, d. h. ob die für die jüdischen Verhaltnisse so gewichtige Kommission im judenseindlichen oder wohlwollenden Sinne arbeiten tvird. In dem einen Falle spricht man vom Senator Brunn, in dem andern vom Grasen Peter Schnwalow als znkünftigen Präsidenten. — In zwischen verlautet aufs Rene, daß sämmtliche jüdische Oestcrreicher, welche in Rußland, ohne einen regelmäßigen Geschäftsbetrieb zu halten, wohnen, innerhalb 3 Monaten ausgewicsen werden sollen. Dieses würde allerdings nicht anf eine freundliche Strömung in den maßgebenden Kreisen hindcuten. — Mit welchem Gefühle wir dem Pessachfeste entgegcngehen, kann man sich im Anstande kaum vorstcllen. Wir setzen unsere ganze Hoffnung auf den, der uns von der Hand Pharao's gerettet. Möge Er uns beschützen und die Anschläge unserer Widersacher zn Nichte machen!