Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1883-05-10
- Page
- 302 (sequence 2)
- Language
- German
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302 zählen werden, wie ich auch nicht darüber im Zweifel | bin, daß anch die Ausschließung der Juden vom Lehramt! an nichtjüdischen Schulen überhaupt die Folge der! rcorganisirtcn Gesetzgebung sein wird. Es herrscht noch j bei den Rechtskundigen nnd Staatsmännern darüber! nicht volle Klarheit, ob die Annahme des § 48, welcher; in Bezug ans die Direktoren das eben Angeführte . statuirt, nicht durch eine Mehrheit von Ziveidriuein! der Abgeordneten hätte beschlossen werden müssen,; während die Majorität für denselben sich nur ans! wenigen Stimmen zusammensctztc. Es ist also noch immerj hin die Möglichkeit vorhanden, daß der Beschluß als; mit der Verfassung im Widerspruch stehend angcsochten! werden kann. Der Artikel 3 des Staatsgrnndgesetzes spricht nämlich allen Bürgern ausnahmslos die Fähig-! keil zu, öffentliche Aeinter zu bekleiden, und nach Artikel 15 j erheischt eine Berfassungsä n der nng eine Mehrheit von; Awcidrittel der Votanten. Ob nun der § 48 der; Schnlgesetz-'Rovelle eine Verfassungsänderung involvirt, j da er die Bekleidting des öffentlichen Amts eines Schul-! leiters von dem Religionsbekenntnisse abhängig ׳.nacht, : das ist die Frage, welche zu beantworten aber nicht j meines Amtes hier sein kann. — Der israelitische! Mädchen - Unterstütznngsverein, welcher den Zweck hat, ■ die gewerbliche Ausbildung jüdischer Mädchen zu pflegen, indem er sie für die verschiedenen, dem weiblichen Geschlechts zugänglichen nnd angemessenen Erwerbsthätigkciten zu befähigen sucht, hat kürzlich seinen Rechenschaflsbericht erstattet. Die Wohllbaten des Vereins wurden im vergangenen Jahre 220׳?Rädchen zu Theil. Die Einnahme betrug 0845 Gulden, die Ausgabe 7822 Gulden; das Vereinsvermögen beziffert sich auf etwa 20800 Gulden. — Als eine Seltenheit nlöge die Notiz angemerkt werden, daß zu Gaya in ׳Mähren kürzlich eine Greisin, Frau Sara Sommer, im Alter von 103 Jahren verstorben ist. .. f.. Wien, 8.?Rai. ׳Als eine erfreuliche Kundgebnng der in Negiernngskreisen herrschenden Gesinnung verdient mitgetheilt zu werden, daß der Kaiser den Rabbiner der israelitischen Knltusgemeinde Linz-llrfahr,?Roritz Fried mann, znm Mitgliede des Landesjchnlraths für Oberösterreich ernannt hat. * Prag, 5.?Rai Die ״R. fr. Pr." meldet: Bischof Hais von ttöniggrätz erließ eine Kurrende an seinen DiözescimKlerus, in der er nachdrücklich davor warnt, antisemitische Schriften und speziell die bekannte Brochürc des Prager Professors der Theologie 'Rohling, ״?Reine Antwort an die Rabbiner", unter dein Volke zu verbreiten oder auznpreisen; er sei zwar überzeugt, daß der Klerus den antisemitischen Hetzereien fernsteht, warne denselben aber dennoch, da Zuwiderhandelnde Unannchlnlichkciten haben könnten, aus denen er sie nicht zu befreien vermöchte Als Gegensatz zu dieser erfreulichen Kundgebung schreibt man dem ״W. Fdnbl.", daß in Kolinctz bei Klattan der Pöbel mehreren jüdischen Bürgern die Fenster eingcworfen habe. R. Pres;bürg, 6.?.Rai. Unsere Gemeinde betrauert mit ihrem verehrten Herrn Obcrrabbiner S. B. Schreiber das Hinschcideu eines hoffnungsvollen Jünglings, des 17 jährigen Sohnes desselben, welcher am 2. d.?.R. einem Leiden, das ihn seit einigen Monaten an ein schmerzvolles Krankenlager fesselte, erlag. Trotz der hingehendsten Pflege und Wartung Seitens der besten Acrztc unserer Stadt und Seitens der tief bekümmerten Eltern und trotzdem, daß fast in allen bedeutenden Gemeinden'Ungarns für das Genesen des Kranken Gebete ungeordnet waren, gelang es nicht, das junge Leben $11 erhalten. Der Verstorbene, der für sein Alter erstaunliche Fortschritte im Studium, und eine, einem gereiften?Ranncscharakter zur Ehre gereichende, unerschütterliche יראה bethätigt hatte, bcrechtigte zu den schönsten Erwartungen. Am 8. d.?R. wurde er, unter einer so zahlreich selten erlebten Betheiligung, zu Grabe geleitet. Ein Jeder, der den herrlichen, liebenswürdigen Jüngling persönlich gekannt, folgte dem Drange des Herzens, um ihm die letzte Ehre zu erweisen Beim Traucrzuge richteten sich alle Blicke auf das blasse?lutlitz des der Bahre folgenden Vaters, und Alles athmete sichtlich erleichtert auf, als darin wohl die untrüglichen Spuren des tiefsten Seelenleides, aber anch die demüthige Fassung und Ergebung in die Fügung Gottes zu lesen war. Der mühsam verhaltene Schmerz des Baterherzens gelangte aber in seiner ganzen Größe znm Ansbruch, als der Vater an die Bahre trat, um, vielfach von Schluchzen unterbrochen, den schweren Verlust zu beklagen, der ihn betroffen; und als er jammernd in den Ruf ansbrach אך טרוף טורף und hinwies, daß anch ihm gleich Jakob ein theurer ב; וקוניט entrissen, und das נפשו קשורה בנפשו, da glänzten auf jedem ׳Angesichte der nach Hunderten zählenden Versammlung Zähren des?Ritgefühls. Die Gemeinde dem Sohne des geliebten Rabbiners, die versammelte Jcschiba dem treuen Kollegen, alle aber dem Schmerze des Vaters weihten Thräuen der theilnehmenden Empfindung. Daraufhin wurde der Sarg in's Grab gesenkt und Wchmnth erfüllte jede Brust, als sich die Erde über ein junges, hossnnngsreiches Leben schloß. Den im Innersten des Herzens verwundeten Eltern aber rufen wir den Trostruf zu: .המקום ינחם אה-בט E. Sussin (Ungarn), 2. Mai. (Vorbcmerkung der Redaktion). Indent wir daS uns zur Verösfentlichung übersandte folgende Schreiben deS Herrn Bezirks-Rabbiners M. L: Engel zum Abdruck bringen, können wir unser Bedauern nicht zurückhalteu, daß . in dem augenblicklich nothwendig gewordenen Bertheidi-