Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1883)
- Article
- Deutschland : Karlsruhe [Nachricht]
- Date
- 1883-05-10
- Page
- 301 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933015--12545-2952805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
301 er zum Besuche weilte, verschieden. Der Verstorbene gehörte jenem Kreise wackerer jüngerer Rabbiner an, welche mit heiligen! Eifer fiir Me Sache des Judenthnms nach Innen und Augen kräftig cinslaudcu. Unsere Gemeinde beweint in ihm den treuen Lehrer, den begeisterten Redner, den Freund und Führer. .ת׳נ׳צ׳ב׳ה J. Ct. Saar-Uttiott, 4. Mai. Ein Lcichcnzng, der durch die große Menge seiner Theitnchmcudcn. durch den Ernst und Trauer, welcher aus allen Gesichtern lag, und selbst für die Hauptstadt Elsaß-Lothringens etwas außergewöhnliches war, bewegte sich Donnerstag ׳ ניסן,c durch ihre Straßen. שר וגדול נפל היום מישראל I. Ein Edler und Großer von Israel ist gefallen. An Simon Lambert har die jüdische Gemeinde StraßburgS den geliebtcstcn ihrer Mitglieder, die Stadt selbst einen der edelsten, gcachtetstcn ihrer Bürger, daS Judenthnm einen seiner treuesten Söhne verloren. — בן איש הי ורב פעלים, der würdige Sohn eines Mannes, dessen Andenken heute noch unter uns lebendig ist, über dessen Wirken man nur mit Ehrfurcht spricht, הרב ר' מאיר לאמבערט, einstiger Kousistorial-Nabbiner von Metz, hatte er sich das Mnsterlcben seines berühmten Vaters als Beispiel genommen, und hat sich dadurch einen wahren בהר שם טוב einen Ehrenkrau; gewunden; seine Bescheidenheit, Güte und Frömmigkeit machten ihn in allen Kreisen seiner Vaterstadt hochgeschätzt, geliebt und geehrt. — Simon Lambert war nicht nur Mitglied des israelitischen Konsistoriums deS Unter-Elsaß, sondern alle jüdischen Wohlthätigkeits-Gcsellschaftcn und Stistnngcn StraßburgS hielten es für eine Ehre, ihn an ihrer . Spitze zu sehen, ja, man konnte sich keine solche denken ohne ihn. — Er war rastlos, Gutes zu thnn und zu stiften, der größte Thcil seiner Zeit war diesem Zwecke gewidmet. — Was und wie er in seiner Stadt nach den! verheerenden, schrecklichen dcutschsranzösischen Krieg wirkte, und wie er zum Wohle unserer vertriebenen unglücklichen Brüder ans Rußland arbeitete, ist Allen unvergeßlich. — Was dieser edle Menschenfreund aber בסתר Gutes wirkte, ist unermeßlich. Auf. ihn ist auch anwendbar:תהודה עוד רד עם אל ועם קדושיו נאמן. — Er hielt noch fest an Gott, und unter seinen Heiligen war er treugesinnt. Was unsere Religion gebietet, war ihm heilig und theuer. Als er verflossenen פסה mit einer wahren שמהה, welche durch den Besuch seiner Tochter und deren Gatten von Bcsaw-on noch erhöht war, den סדר gab, konnte sic, die schwer heimgesuchte Familie, gewiß nicht ahnen, daß es das letzte Mal sein sollte. Er stand erst im 54. Jahre seines Lebens. — Möge die Anerkennung, die Hochachtung, welche Simon Lambert genoß, die Theilnahme, welche sein Hinschciden hcrv.orrnft, tröstend und lindernd ans das gebrochene Herz seiner schwergeprüften Gattin, welche ihm immer so treu für alles Gute und Edle zur Seite stand, cinwirkcn; mögen ihre Kinder sich an den! Bewußtsein, einen ehrwürdigen Mann als Vater gehabt zu haben, cmporrichtcn; möge der Hingeschiedene auch nach seinem Tode, wie eS von dem Herrn Großrabbincr und dem Vorstand der Gemeinde StraßburgS an seiner Bahre betont wurde, als leuchtendes Beispiel zur Nacheiferung in seinem Geiste anspornen. תמות נפשי מות ישרים ותהי אחריתי במוהו * Trier, 3. Mai. Der Köln. Zlg. wird geschrieben: Dieser Tage starb hier der frühere Königl. preußische Konsul auf Java, Herr Wilhelm Mathieu, ein geborener Kölner, im Alter von 02 Jahren. Derselbe hat die hiesigen Wohlthütigkeits-Anslalten, sowie auch andere gemeinnützige städtische Institute mit großen Summen bedacht. Seine über koufcssiottelle Verschiedenheiten erhabene Menschenliebe hat der Verblichene besonders durch ein Vermächtniß von 15000 bezeugt, welches er der ReligionSschnle der israelit.?Religionsgesellschaft bestimmte. Einen gleichen Betrag hat der edle Äohlthäter einem israelit. Wohlthütigkeits- Verein in Böhmisch-Leipa zugewicsen. Herr Mathien hatte schon vor 2 Jahren dem Rabbiner der israelit. Religionsgescllschast Dr. E h r m a n n seine diesbezügl. Absicht mitgetheilt und dabei betont, daß es ihm Hcrzensbedürfniß sei, durch solche letztwillige Bestimmung, soviel an ihm liege, der Schmach entgcgcnzutreien, welche das Gebaren der Antisemiten für unser Vaterland bedeute. Diese hochherzige Handlung und ihre edlen Beweggründe verdienen in lvcitesten Kreisen bekannt und-beherzigt zu werden. C e ft e x x eich-111t ga r n. Wien, 2. Mai. Die lebhaften, erregten Debatten unseres Neichsraths über die Schulgesetz- ׳Novelle haben unter Anderem, wie nicht anders zu erwarten stand, auch Ausbrüche des Judenhasses zu Tage gefördert, welche in dieser hohen Versammlung allerdings nicht ganz am Platze sein dürften. Es will nnö freilich vcdünken, als ob sie eigentlich nirgends hingehörtcn; aber wir leben nun einmal in den Tagen der Schönerer, Jstoczh und Genossen, und da möchte es sich empfehlen, wenn diese würdigen Apostel des Voltswohls, der christlichen Moral und des ׳Nationalbcwnßtseius für die Verkündigung ihres Evangeliuins die Wissenschaftssäle der Vorstadt sich erkiesen würden. Ich Halle es nicht für besonders interessant, die eleganten Redewendungen eines Schönerer weiter zu verbreiten und beschränke mich nur auf die Hervorhebung der Thalsachc, daß nach dem reformirten Schulgesetze fortal) jüdische Schulleiter in Oesterreich zu d'en Nichtexistenzen