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Jeschurun · 1883-05-10 · Heft 19 (10.5.1883) · p. 290

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 19 (10.5.1883)
Article
Judenthum und Bibel auf der Anklagebank im Hause der Abgeordneten
Date
1883-05-10
Page
290 (sequence 2)
Language
German
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290 bereit# in bei־ Erschaffung des.\Mmmcf# und der Erde gegeben worden: so eröffnet sich unserem Blicke eine großartige Perspektive auf das ganze vor unseren Angen sich vollziehende Leben in der Natur, ein Blick, vor welchem alle Phantasien einer uatnrtrünmmden Spekulation bereits vor Jahrtausenden als überholt und gerichtet erscheinen. Die u*lt*dot, diese Emwickelungsreihc der natürlichen Welterscheinnngen, sind allerdings die natürlichen Erzeugnisse des Himmels und der Erde: allein diese ganze Folgenreihe der Entwickelungen ans Himmel und Erde liegt in der Erschaffung. Nicht aktiv, sondern passiv, flehen Himmel und Erde zu diesen ihren Erzeugnissen: nicht als schassende Gott- Heiken, sondern selber als (Geschöpfe. Ihre Erzeugnisse erscheinen uns natürlich, weil sic sich nad) den von uns als konstant wahrgenommencn Gesetzen ihrer Natur erzeugen; allein diese ihre Natur ist erschaffen, die Gesetze nach denen, sie wirken, erzeugen und entwickeln, sind ihnen von ihrem Schöpfer bei ihrer Erschaffung eiugepflanzl, und alle ״Erzeugnisse des Himmel# und der Erde," waren gegeben בהביאם und haben ihren Ursprung in ihrer Erschaffung. Diese Passivität de# Himmels imb der Erde bei ihren Erzeugnissen, die hier durch das ה des Niphal ansgedrückt ist, ist nur dem denkenden Menschen offenbar. Der oberflächlichen Anschauung aller Zeiten verschwindet diese Passivität, wie daher auch nach der Maff'ora dieses ה klein zu schreiben ist. Ueber das konstante mächtige Wirken des Geschöpfes entgeht ihnen der allmächtige Schöpfer, dessen Schöpfer-Allmacht eben dieses konstante Wirken der Geschöpfe hervorgerufen. Ueber die תולדוה entgeht ihnen הביאם. Wo sic נבראים, Geschöpfe, erkennen sollten, beten sie ביראים, Schöpfer an, und nur dem klaren Gedankenblick eines Abraham zeigte sich dieses ה, die geschöpslichc Abhängigkeit des Himmels und der Erde *) Ans die Bedeutung des Wechsels in der Nacheinandernemuuig'von Himmel und Erde, resp. Erde und Himmel in diesem Verse haben nur bereits im vorigen Artikel hingewiesm. Indem ferner hier Hasch cm Elo! im als Dcrsi'nigc genannt wird, der ״Erde mcd Himmel gestaltet" und uns so die Thalsache der physischen und sittlichen Weltwaltung Gotte# ausgesprochen wird, so charaktcrisirt sich dieser BerS als Einleitung zur Geschichte de# Menschen. Alles was daher die Bibelkritik in dieser ..;weiten Kosmogonie" im Gegensätze zur ersten vermißt, die ״stufenweise Entstehung des Weltalls in sieben Tagen," kann hier gar keinen .Platz finden, weil eS eben keine ״zweite KoSmogonie" ist, und waS sie gleichwohl als Schöpfungsgeschichte ansieht und daraus im Einzelnen. Widersprüche mit dem ersten Kapitel Nachweisen zu können glaubt, beruht eben, mit Ausnahme dessen, waS von der Erschaffung de# Menschen hier berichtet wird, ans irriger Auffassung Ans die Erschaffung des Menschen aber greift diese Einleitung;ur Geschichte der Menschheit allerdings zurück und führt uns ״den Moment vor, in welchem die Erdwelt ihrer Vollendung enlgegenharrte" und offenbart ׳.in# zugleich speziellere Seiten über die Bildung des Menschen, die uns ein Verständnis; seiner Natur in Beziehung zu seiner Stellung und Bestimmung gewähren, die bereits im ersten Kapitel bei seiner Schöpfung in der Reihe der übrigen Schöpfungen au#- gesprochen waren. ׳"') Während e# oben Kap. 1, kurz hieß: ״Gott schuf den Menschen in einer seiner würdigen Hülle, in Gottes würdiger Hülle hat Er ihn geschaffen" werden un# in den Versen 5—7 eine .Reihe von Modifikationen mitgctheilt, die den denkbar schroffsten Gegensatz zu demjenigen bilden, was die Verächter der Bibel mit ungemein wohlfeilem Spotte den ״Erdenklos" nennen. ׳Nicht nur die Göttlichkeit des Menschen g eist eS, sondern auch die hohe Dignität de# Menschen leibe#, als Hülle und Organ dieses Geistes, wird uns gerade hier gelehrt. Während es bei der Schöpfung der übrigen lebenden Wesen heißt: ״es bringe die Erde hervor", wird bei der Schöpfung auch des Menschen leides Vers 7 mit aller Schärfe hervorgehoben: es war Haschern Elokim, der den Menschenteib bildete. Allein was Gott von der Erde nahm, war noch nicht der Mensch. ״Das Menschen-Leben, das Lebendige im Menschen entnahm Gölt nicht der Erde. Leblos, als 2ר>', lag der für den künftigen Menschen geformte Leib da, da hauchte Haschen! Elokim in sein Antlitz den Odem des Lebens und so, ויהי, ward der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Was den Menschen vom Thiere scheidet? Beim Thiere haftet die lebendige Individualität au dem irdischen Stoffe; wie der Leib, so ist auch die Seele der Erde entsprossen. Beint Menschen ist nur der todtc Stofs der Erde entnommen, und erst der Hauch von Gott macht ihn zum lebendigen Individuum. Darin liegt die Freiheit, die Unsterblichkeit, die ganze Größe des Menschen."") Es ist aus Obigem ferner klar, daß die hier betonte Bildung des Menschen lei des durch Haschen! Elokim nur die nähere Ausführung des im ersten Kapitel hervorgehobenen ״ בצלמוin einer seiner würdigen Hülle" ist, somit von einem Widerspruche nicht die Rede sein kann. Ebenso wird von der Kritik hervorgehoben, daß nach Kap. k, V. 7. bereits am dritten Tage die Pflanzen und zwar unmittelbar durch das Schöpfnngswort hervorgerufen seien, während es nach Kap. 2, B. 5 erst zuvor *J Hirsch, Pentateuch. I. S. 48. s) Hirsch, Pentateuch. I. S. 51־. °) Das. S. 55.

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