Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1883)
- Article
- Deutschland : Stuttgart [Nachricht]
- Date
- 1883-05-03
- Page
- 287 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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287 vielmehr waren hier sicherlich nur persönliche Neigungen maßgebend, sich auf die Seite des einen oder anderen Kandidaten zu schlafen, denn beide besitzen vollauf die Fädigkeiten, die dazu gehören, Mitglied des Kirchen- Vorsteheramts in Stuttgart zu sein: Das Gegentheil von dem ZN thnn, was תורתנו הקדדע1ה befiehlt, so daß die Heiligung des SabbathS, das Nichlgenießeu nncrlaubter Speisen re. rc. für die Herren alle ein überwundener Standpunkt ist. Es ist daher auch von keinem besonderen Interesse, wenn ich den Namen des heute Gewählten nenne — er zeichnet sich nicht besonders von seinen Kollegen ans, und die letzteren dürfen sich freuen, einen Ebenbürtigen in ihrer Mitte bekommen zu haben. Da nun die Würfel gefallen sind und das Kirchcnvorsteheramt wieder in voller Zahl seine Bcrathuugen bald ausnehmen kann, so möchte ich den Herren, denen die heiligsten Güter ihrer jüdischen Mitbürger zur Verwaltung anvertraut sind, ein הזק ואמין Zurufen, das; sie sich endlich aufraffen aus ihrer Lethargie, mit Mnth und aller Energie sich gegen Aufoktroyirung antijüdischer Gesetz-Einrichtungen vcrwahren und das Anbrcchen jener Zeit verhüten, welche der wegen seiner großen Gelehrsamkeit und Tugend- Hastigkeit heute noch viel genannte Nabbiner in Freudenthal, Nabbi Joses Schnaittach זצ׳ל, in so treffender Weise kennzeichnetc: ״Eins! wird in Württemberg der Schüler den Nabbi fragen: .Nabbi! welche פ דרת geht nächsten שבת?‘ Und der Nabbi wird antworten: .Bin ich ein נביא?‘" — — O e st e r r eich- U u g a r n. *|* Pest, 20. April. In der TiSzn ESzlarer- Assaire scheint endlich das Ende vorbereitet zu werden; eS sei denn, daß noch in der letzten Stunde irgend welche unvorhergesehene und vorhcrzusehende Umstände einen Aufschub aufs Neue verursachen. Der Oberslaatsanwalt hat seinen Anklageantrag begründet, der nicht weniger als sieben Bogen cinuehmen soll. Am lü. d. M. sind die Alten nach Nyiregyhaza abgcgangen. Die Anlage lautet: ]) gegen Salomon Schwarz, Schächter zli TiSza-ESzlar, 2) Abraham Buch Sba u m, Schächter zu Tarcza, 0) Leopold Braun, Schächter Zn TeglaS und 4) Hermann Wollner, ohne (Geschäft (hermnzichcndcr Bettler) dahin, aut!.April 1882 die (^ster Soll) m ossy in der Synagoge zu TiSza-Eszlar erinordet zu haben, und zwar gegen alle vier auf direkt auSgcführten vorsätzlichen Mord. Ferner wird: 5) gegen Joseph Scharf, 0) Samuel Lustig, 7) Lazar Weinft et 11, .8) Adolf In nger, 9) Abraham Braun die Anklage erhoben, bei dem gedachten Morde hülfrciche Hand geleistet und denselben derartig befördert zu haben, daß sie der Mitschuld am Morde bezichtigt werden. Es werden außerdem: 10) Iankel Smilovicz, 11) David HcrSko und 12) Anseltn Vogel beschuldigt, durch Lcichenschmuggel daS Verbrechen der Vorschubleistnug begangen zu haben. Sämmtliche Angeklagte sind in Haft zu halten. Gegen den mitverdächtiglcn und inhaftirten Emanncl Taub, Schächter in Po'.gard, wird keine Anklage erhoben, dagegen beautragt, denselben bis nach beendigter Verhandlung im Gewahrsam zu belassen. Das Belastungsmaterial setzt sich im Wesentlichen zusammen: a) ans der Zeugenaussage des Moritz Scharf, Sohn des Angeklagten Nr. 1, b) ans der gutachtlichen Bekundung des Landes SanitätSrathS, <:) aus den Aussagen derjenigen Personen, welche in der aufgefundcnen Reiche die Ester Solymossy nicht zu rekognoSziren vermochten, (1) aus dem belastenden Geständnisse des Angeklagten Nr. 1<>, Flößer Iankel Smilovicz, und Nr. 12, Flößer Anselm Vogel. Es werden nicht weniger als 200 Zeugen namhaft gemacht, welche zu der Hauptvcrhandlung zu laden sind, darunter befinden sich n. A. die Professoren Scheuthauer, Mi chalkovicS, Belky; die Acrzte Traitlcr, Kiss, Horvath; die beiden Stnhlrichter,! welche den Thatbestand deS LeichcnfundeS ausgenommen j haben; zwei Kommissäre, der Gefüngnißwärter Kal ran csy, viele Panduren u. s. w. ES unterliegt! keinem Zweifel, daß daS Nyircgyhazarcr Gericht den j Anklagebcschluß nach Maßgabe der Anklageschrift er- I lassen wird. Die Verhandlung wird in einem großen Nannte deS KomitatShauseS vorgenommen werden, weil der gewöhnliche GcrichtSsaal die Menge der in diesem Monstreprozcß handelnd anstretendcn Personen nicht zu fassen vermag. Biele der geladenen Zeugen werden zum ersten Male in dieser Sache uuSzusagen haben; bei manchen der vorgesordcrten Personen ist das Domizil nicht so leicht anzugcben. Man erwartet, daß die Verhandlung in den ersten Tagen deS Juni stattfinden wird. Möge Gott die Herzen der Nichter lenken, auf daß sie die Wahrheit erforschen wollen und er- Mitteln können. Die Augen der ganzen Welt sind aus die Vorgänge in den! KomitatShause der auswärts sicherlich wenig bekannten Hauptstadt deS Szabolcser KomitatS gerichtet. Hoffentlich wird sich an dem Namen Nyiregyhaza kein Urtheilsspruch knüpfen, welcher mit der Gerechtigkeit und Aufklärung unseres Jahr- Hunderts nicht in Uebereinstimmung zu bringen wäre. — Herr Iwan Simo n y i soll von dem Klub der äußersten Linken, dessen Mitglied er ist, zur Ncchcnschaft gezogen werden. Der ehrenwerthe Abgeordnete hat nämlich in seiner Zeitung einen znm Hasse gegen die Inden aufreizenden Aufruf seines Kollegen Jstoczi an die Wahlbezirke wegen der bevorstehenden Wahlen zum NeichStage vcrösfcntlicht. Herr Simonyi nürd wohl zum Austritt von dem Klub genöthigt werden.