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Jeschurun · 1883-05-03 · Heft 18 (3.5.1883) · p. 279

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 18 (3.5.1883)
Article
Judenthum und Deutschthum
Date
1883-05-03
Page
279 (sequence 2)
Language
German
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279 nicht nntcrgehen; nicht wie die Mommsen'sche Schrift meint: ..Eine notorische Thatsachc ist, das; eine große Anzahl von Juden, nicht durch GcwissenSbedcnkcn vom Uebertritt abgchalteu wird, sondern lediglich durch ganz andere Gefühle re." Nein! und nochmals nein! Wenn auch ein großer Theil unserer Glaubensbrüder jüdische Satzungen, theils gedankenlos, theilS frivol, Übertritt; wird man aber allen Ernstes, selbst von den Indifferentesten, verlangen, der Fahne: ״Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, einziges Wesen!" untren zu werden, rasch dann wird in den Herzen dieser Gleichgültigen eine lebendige Begeisterung für diese von den Höhen israelitischer Ideale herabflatternden Fahne erwachen! ״WaS das Wort ,Indenheit' hierin einstmals bedeutete, bedeutet eS heute noch ganz und voll!" Wir sollen fahnenflüchtig werden, weil unsere Fahne angegriffen wird? Je durchschossener eine Fahne, desto größer der Triumph! Und wenn nun die gegenwärtige Sturm- und Drangperiode vorübergezogen sein wird, sollten da nicht die getauften Inden ihren in angstvoller Stunde geschehcnen Uebertritt bitter bereuen? Alles in der Welt, nur keine Proselhtenmachcrei! ״Uns Ittden sind Proselhtcn lästig wie Geschwulst׳" ') Denn das Indenthnm lehrt in seiner Toleranz, daß ״die Frommen aller Nationen der Erde Antheil an dem Jenseits haben," ־) und hält sich!rieht für alleinseligmachend. DaS Indenthnm liebt cS daher, daß jeder Mensch seiner angestammten Religion treu bleibe; und geht ein Christ zum Indenthnm über, so hegt man in jüdischen Kreisen Verdacht, ob nicht etwa eine schöne Zionstochter mit imponirendeni Geldvermögen seine Sinne gefangen hält,;<) ober ob irgend ein anderes Motiv materiellen KarakterS ihn znm Uebertritte bewogen. (MaimonidcS, Kap 1.3 ״von verbotenen Ehen.") Als ״Ehrist" gewinnt er den Juden weit mehr Achtung ab; und der Talmud, in seiner Ehrlichkeit, stellt die Braven und Biederen unter den Völkern, den Inden zu nachahmnngswürdigen Musterbildern auf?) Liebt ja Gott auch die Böller, '') wird Er so sowohl ״Israels Heiliger" als auch ״Gott der ganzen Erde" genannt.''') Ein Ehrist aber, znm Inbenthnme übergehend, muß es sich gefallen lassen, daß er israelitischerseitS von vornherein nicht das unbedingte Bcr׳ trauen genießt, daß man ihm so lange mißtrauet, bis Tnl. Trat. Jcbamoch 109 b. ¬״ עMaiittonides"!11••־י der ״Buße" 3, 5, nach Tal. Trat. Syuhkdrin, 105 {!. 3) Doch wenn ca ihm cr n st um das Indenthnm zu thnn ist, dann vergl. Baba Mezia, 58 b. 4) Synhedrin, 39 b. daß seine von jeder Nebenabsicht freie, keusche Liebe znm Iudcnthnme an das Tageslicht wird gekommen sein. (Fortsetzung folgt.) Aus bcr ersten Hälfte unseres JahrhuiidertS. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich JoLt. I. (Alle!»echte Vorbehalten. ״So? kannst di a v'rstellcn?" lachte der junge Bauer, ״meinst i hätt's ni g'schant, wie'S vorhin ang'sangen hat, zu blitzen und zu donnern, wie Du da vor Aengslen ang'sangen hast zu beten?" Mirjam schüttelte lächelnd den Kopf. ״Aus Furcht habe ich nicht gebetet, ich habe nur die Segensprüche gesagt, die wir Inden immer sagen, wenn eS gewittert." ״Was sind denn das für Sprüche?" fragte die Alte. ״Als es gedonnert hat, habe ich gesagt: Gelobt seiest Du, Herr, unser Gott, Weltenrcgent, dessen Macht und Kraft das Weltall erfüllet. Und als cS geblitzt hat, habe ich gesagt: Gelobt seiest Du, Herr, unser Gott, Weltenregent, der die ganze Welt erschaffen hat." ״Schau, Toni," sagte die Blinde, ״die Marie hat doch recht; jetzt glaub ich'S, daß sie sich niutmer fürchtet. Denn wenn Eines bei so grausigem Wetter halt immer denkt, daß unser Herrgott Alles gemacht hat, und versteht sich das grausige Wetter auch, da braucht sich Keines zu fürchten." ״Wahr ist's" stimmte der Bauer ein, indem er sich ans einen Sessel neben seine Mutter nieder ließ, ״aber kannst denn daran immer denken, Marie?" ״O gewiß," cntgegnetc die Gefragte, ״wir Inden denken immer daran, nicht nur, wenn es donnert und blitzt, auch wenn wir essen wollen und wenn wir gegessen haben und wenn wir auch nnr ein wenig Wasser trinken, und wenn )vir cs getrunken haben, und wenn wir znm ersten Mal blühende Bäume sehen, und wenn wir den Duft wohlriechender Kräuter einathmen, und wenn wir ein neues Kleidnngsstmt anlegen, oder wenn wir eine gute Nachricht erhalten, oder eine schlimme — immer denken wir daran und sprechen cs aus, daß Alles von Gott kommt." Der Toni schüttelte den Kopf. ״Ihr seidS halt ein kurioses Volk, gar kurios — das muß man sagen." ״KurioS —" wiederholte die Alte, ״na ja, was man halt kurios nennt, daß Eines anders ist als die Andern. Aber weißt, mir gcfallt's und ich mein immer — " Sic fügte noch einige Worte hinzu, die jedoch weder Mirjam noch Toni verstanden. ״Marie," begann letzterer nach kurzer Pause, ״ich

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