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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 271

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Aus den Memoiren eines Bettlers
Date
1883-04-19
Page
271 (sequence 2)
Language
German
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271 blicke durchfuhr mich ein wilder Gedanke der Wuth,; der Rache, — wäre mir Joseph in voller Kraft erschienen, ich würde mich in dem ersten Momente auf ihn gestürzt haben. Bor dem in Lumpen gehüllten, durch Unglück gebrochenen, sterbenden Feinde floh jeder unedle Gedanke- Als ich seinen Namen rief, schaute er mich mit weit ausgcrisscnen Augen an, und auch seinen Lippen entwand sich in' dem Moment des ersten Entsetzens mein Name. ״Baruchü" Ich vergesse diesen Ton nimmer; Schrecken und - Gcwissenspein, Scham und Angst drückten sich in dem Rufe aus. ״Varuch!" Ich reichte ihm die Hand;— ״Willst Du verzeihen? — Kannst Du? — Ich habe Dich elend gemacht — und Hanna — und eure Kinder — Sei barmherzig, Barnch! Gott ist auch barmherzig — Ich habe schwer gebüßt — Ich habe Alles verloren — Seit Jahren wandere ich bettelnd umher-arm — elend — von Gewissensqualcn gefoltert — — Berzcihe mir — — auch Hanna soll verzeihen —" Stoßweise und im Flüstertöne rangen sich diese Worte aus des Sterbenden Munde — Ich beugte mich über ihn — ״ich verzeihe Dir, unb Hanna vcrzeiht Dir — Gott sei Dir gnädig!" Ein freudiges Lächeln untspiclte des Acrmstcn Lippen — — entseelt sank er zurück. Sein letzter Wunsch ist erfüllt, er ruht auf dem kleinen jüdischen Friedhofe.- -Meine Bettlerlaufbahn ist zu Ende; Dir Gott, sei Dank nnd Preis! Du führst durch Finsterniß zum Licht, Du wandelst Unglück zu Freude, Dein allein sei die Ehre! Meine edelen Wohlthäter beredeten mich, in ihrem Orte zu bleiben. Ich halte sünfuudachtzig Thalcr mir erspart. Mit diesen! Kapitale begann ich meine geschäftliche Thätigkeit, wacker unterstützt von dem trefflichen Manne. Gort war mit meiner Arbeit, sein Segen begleitete mich. Ich war ׳ nach Jahresfrist im Stande meiner Frau zu schreiben, sie möge mit den Kindern kommen, ein kleines, bescheidenes Hein!, eine dürftige Existenz harre ihrer in der kleinen deutschen Stadt. So waren wir nach zwanzig Jahren wieder beisaminen. , Alles Elend, aller Jammer dieser trüben, thräneni reichen zwanzig Jahre verschwindet gegen die Seligkeit des Wiedersehens — dieser Augenblick wiegt Alles auf! Einen solchen kann man aber nur cn!psinden, nicht schildern! Baruch lebt noch, geachtet und angesehen in dem Kreise seiner Mitbürger, au der Seite seiner wackeren Gattin, umgeben von braven Kindern und lieben Enkeln. Wenn ihm diese Auszüge aus seinen! Tagebuche zu Gesichte kommen, so empfange er damit die herzlichen Grüße eines Freundes, welcher vor der Seclcngrvße einer Familie, die in so traurigem Geschicke sich die Reinheit der Seele, den Ade! der Gesinnung zu bewahren vermochte, die unbegrenzte Hochachtung hegt. Inserate werden die Aspaltige Pcützcile gV־|| |jY H׳ den Inhalt dcrscllien übernimmt die oder deren Raum mit 2.'1 Psg. berechnet. } $• T. -A-» H Redaktion keinerlei Verantwortung. Jnscrationsaunahine für Frankfurt a. M. auch bei der Buchhandlung von I. Kansfmann daselbst, ohne Preiserhöhung. המדחך Talmud! sche Chrcstomathit, für den ersten Untcrichl im Talniud, nach pädagogischen Grundsätzen bearbeitet. U Band Mark 2.20, 2. Band Mark 2.80, beide zusammen Mark -t.OO. In bezieh en durch die Verfasser: Abr. Singer, Bez -Rabbiner Bär Pnlota (Ungarn ׳ n. Wilh. Singer. TO/' Für Talm. Thora-Schnlcn entsprechend. Rabatt. כשר Falkenstein im Taunus. Dr. med. Hirsch’s lüilmlische unb ii1]({11J11ffenu1((0{{ für Brustkranke, Vlntarmc und 'Nervenleidende, durch Neubau bedeutend vergrößert und mit allem Komfort, Wintergarten,c. versehen. —Winterkur. ^ine (Erzieherin für ein elfjähriges Mädchen, welche ß r ii 11 b 11 d) c n Unterricht in Hebräisch, Deutsch, Französisch, Klavier nnd Handarbeit crtheilcn kann, wird zum Mai d. I. gegen ein sehr gutes Honorar »..fgc״,״°״»n bei anff׳״ in Mährisch-Ostrau. על פסח ZN den sonstigen Preisen d. sümmtliche Depositeure, sowie direkt von der Fabrik zu beziehen. Dr. Papiisky, Posen.

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