Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Rußland : Tiflis [Nachricht]
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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vorigen Jahre in Rußland so fürchterlich grassirten, war! in Tiflis und in ganz .<!aufaficn nichts zn hören.! Was jedoch ihren religiösen Standpunkt betrifft, läßt! sich leider keine befriedigende Mitthcilling machen. Der größere Thei! der dortigen Juden verheimlichen, daß sie jüdische Herkömmlingc find. Am Samstag oder an sonstigen Feiertagen wird wie an einem gewöhnlichen Wochentage gearbeitet, ihre Binder besuchen die christlichen schulen lind kennen nicht einmal das hebräische Alphabet. > Die jüdischen Gebote und (Gebräuche werden nicht gehalten, dagegen wird 11יי Weihnachten der Ehristbaum ausgestellt, ivobci die Musik spielt; durch die ganze Nacht wird getanzt und in der fröhlichsten Stimmung zugebracht. A s i c n. U. ^lrabieu. Ein Berichterstatter des ״Iewish > World" giebt über die in der arabischen Landschaft I Ncmcn lebenden Inden höchst interessante ׳Notizen, j die wir den Lesern des Ieschnrun nicht vorenthalten! wollen. Die Inden von Ae men oder, wie sic sich j nennen, die N echabiten sollen Nachkommen der zehn i Stämme sein, welche nach der Zerstörung des ersten! Tempels verschollen und deren sichere Anssindung daS! Streben einer Reihe von jüdischen Reisenden von jeher! gewesen. Ob die einzelnen Spuren, welche von ihnen entdeckt sind, nun wirklich richtig sind oder nicht, wollen tvir dahingestellt sein lassen. Jedenfalls aber bleibt die Thatsache immerhin beachtenswerth, daß wir, wie besonders in Ostindien in den B'nc Israel :c., so auch , in Nemen in den Rcchabitcn mitten unter den übrigen j zahlreichen Stämmen des Landes einen selbstständigen j jüdischen Staat antressen. Nach den eigenen Angaben einiger Rcchabitcn, die sie einem arabischen Reisenden machten, befand sich damals (vor etwa l 2 Jahren) ihre Hauptniederlassung in der Nähe von Mekka und betrug die Zahl ihrer Stammesangehörigen ungefähr 70nno Seelen. Ihre Zugehörigkeit zum Iudcnlhunt beweist der Umstand, daß sic sehnlichst den Wicderansban Jerusalems und des Tempels herbeiwünschen. Ferner sollen sic sehr vertraut sein mit dem hebräischen Schriftlhum, was der belr. Reisende ans dem Umstande schließt, daß einer von jenen Rcchabitcn das ZU. Nap. von Iirtnijhn zitierte, in welchem von den ׳Nachkommen des Ichonädab bcn Rech ab die Rede ist, als dessen Abkömmlinge sich sicherlich auch die Juden von ׳?)einen betrachten, wie das schon zwcijellos at!s ihrem Namen hervorgcht. An ihrer Spitze steht ein Fürst, welcher zu damaliger Zeit Sakomon hieß und seinen Stammbäum bis aus den König Salomoit zurnckführte. Afrika. * In Tunis wurden zwei neue Schulen eröffnet, und zwar eine in der Stadt Su sa, welche eine jüdische Bevölkerung von 4000 Seelen hat; eine zweite in Mehdia, wo die 050 jüdischen Einwohner sich vereinigt haben, um eine solche mit eigenen Mitteln, unabhängig von fremder Unterstützung, in's Leben zu rufen. Aus den Memoiren eines Bettlers. Mitgctheilt von Aapfitatc Simon. (.'l.Uc :Ncchtc vorbeliaUen., (Schluß von Seite 2.r>6.’) Ich erbat mir die Erlaubnis^ bei ihm bleiben zu dürfen, — dem sterbenden Glaubensbrnder wollte ich nahe sein. So saß ich ant Lager des Aermsten, der ohne Bewußtsein zn sein schien. Armer Mann, vielleicht harren Dein ein liebes Weib und thcurc Kinder in der fernen Heimath, während Du hier auf fremdem Boden Deinen letzten Seufzer aushanchst! — Bielleicht gedenkst Du jetzt ihrer. — Auch ich theilc Dein Loos — inib nur der besonderen Gnade Gottes danke ich cs, daß mich nicht ein gleiches Unglück ereilt hat, tvic Dich. ׳ Uncrsorschlich sind Gottes Wege und tincrfaßlich ist sein Nathschlnß. Was wird mir beschieden sein — werde auch ich enden wie dieser Arme? — — Der Sterbende, welcher bis jetzt das Gesicht der Wand zugckehrt hatte, richtete sich auf und wendete sein Antlitz mir zu. Der volle Strahl des Lichts fiel auf dasselbe. -Es trug mir bekannte Züge; ich mußte dem Manne schon begegnet sein. Sollte cs möglich sein? -- sollte ich ntich nicht täuschen? — Nein, bestimmt nicht, — der Mann, der vor mir im Tode rang, war himmlische Gerechligkeit! — es war Joseph! Eine unbeschreibliche Erregung hatte mich erfaßt — ich halte laut gedacht — und der Name ״Joseph" cntfllhr in einem Aufschrei meinen Lippen! Joseph, der Urheber meines namenlosen Elends; Joseph, der Mörder meines Glücks; Joseph, der mich glühend haßte und mit satanischer Bosheit mich und die Meinen verderbt hatte; — Joseph wand sich im Todeskampfe vor meinen Augen, in Elend und ׳Noth zu Grunde gegangen! Ich halte mich umvillkürlich von meinem Sitze erhoben und vermochte keinen Blick von dem Sterbenden zu wenden. Ich will cs nicht verhehlen — im ersten Augen-