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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 268

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Deutschland : München [Nachricht]
Date
1883-04-19
Page
268 (sequence 2)
Language
German
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268 dem judenhetzerischcn Theil unserer Lokalpresse bereits; seit längerer Zeit mit vielem Lärm angekündigt worden war, beschäsligle gestern den ganzen Tag über die Straf« ftinniicr des VandgcrichtS München T. und endete mit der Freisprechung des wegen Betrugs augcklagten hiesigen Bankiers Joseph Schülcin. Wie die ״Frtf. Ztg." berichtet, hatte der Angeklagte im Mai v. I. ein ihm gehörendes Mühlanwcsen in Niederneuching durch Ber׳ Mittelung zweier sog. ״Schmuser" an den hiesigen Hofbüchsenmachcr Greiß verfällst resp. vertauscht und soll dabei den Käufer in der Weise um 5—7000 Mark geschädigt haben, daß er von dem Anwesen 50 Tagwerk ״abgctrümmert" habe, während er laut Kauf- resp. Tausch-Vertrag bcm Greiß das Anwesen ganz so hätte übergeben sollen, wie er, Schülein, dasselbe von dem vorherigen Eigenthümer übernommen hatte. Nachdem nicht weniger als :-;2 Zeugen vernommen worden, deren Aussagen allerdings auf das Thun und Treiben der sog. ״Schmuser" ein nichts weniger als erfreuliches Licht warfen, sah sich die Staatsanwaltschaft selbst veranlaßt, die Anklage fallen zu lassen, worauf Herr Schülein frcigcsprochcn wurde. Unsere Judenhetzer sind dadurch mit eine große Freude gebracht worden, wie man;. B. ans der pöbelhaften Art und Weise ersieht, in welcher der ״Bayerische Landbotc", daS allem Anschein nach in den letzten Zügen liegcildc Organ der ״Lozialkonservativcn", über den Fall Bericht erstattet. Wiiv.zbnrg, l 2 April. Tic Gelegenheit, dem Antisemitismus zu fröhnen, lassen sich gewisse Personen nicht so leicht entgehen. So hat es denn and) Herr Baron von Th üngcn-Roßbach nicht verabsäumt in Goldbach, ססו eine Versammlung von Landwirthcn abgehalten wurde, um über die Berbessernng der Lage der Grundbesitzer zn berathen, weidlich über die Juden herznfalleu. Den biedern Oandleuwn wurde das grauenhafte Gespenst vorgeführt, daß nach einem halben Läknlum ganz bestimmt Alles den Juden gehören werde, wenn man sich nicht bei Zeiten zn schützen verstehe. Die ״jüdischen" Advokaten, die ״jüdischen" Bankiers, die ״jüdischen" Abgeordneten sind natürlich an Allem schuld. Der aristokratische Herr verriet!) sogar recht sozialdemokratische Grundsätze. Er meinte, daß die Inden ja früher nach der Bibel alle 50 Jahre, im Erlaßjahre, Alles thcilen mußten, und ״wir" könnten ja auch jetzt den Juden einmal ein solches ״Jubeljahr" Vorschrciben! Er schloß seine fulminante Rede rcchk.^beMchnend mit: ״Das walte Gott!" O e st e x x c i eh -Ung a r n. 1'Wien, 15. April. Ich möchte nicht verfehlen, Ihnen mitzuthcilcn, daß die ״N. Fr. Pr." sich aus Lemberg berichten läßt, daß dem jüdischen Kultusrath daselbst offiziell nritgetheilt worden ist, bcr in der vorjährigen großen Versammlung von galizijcben Nabbinern und Gemeindevorständcn beschlossene Entwurf eines Organisationsstatuts für die jüdischen Kultusgemeinden Galiziens, habe die regiminellc Bestätigung nicht erhalten. Das Faktum der Nichtbestätignng könnte ja immerhin möglich sein; in der Art und Weise, wie dasselbe hier mitgetheilt wird, erscheint es ' aber zweifelhaft. Denn der Lembcrgcr Knltusrath ist! keinesivegs der Vertreter der galizischen Judenschaft,; daß an ihn für die letztere eine offizielle Kundgebung i erfolgen könnte. Man wird also noch das Nähere ab-! zuwarten haben. Nach einer jünast veröffentlichten Statistik der österreichischen Armee befinden sich 25070! jüdische Soldaten beim Heere, welches aus 807171 | Personen besteht. | . f.. Wien, 1 7. April. ES wird in der Werth-! heimer'schen zur Abwehr der antisemitischen Angriffe! geschriebenen Broschüre eine authentischen Duellen ent-; nominelle österreichische Verbrechcrstatisiik folgendermaßen 'ausgestellt: ״Otach Schimmer'S ״Die Juden in Oesterreich! nach der Zählung am 31. Der ein ber 1880״ lWien, | 1881, Höldcr) betrug ihre Anzahl in Eisleithanien! rund 1 <».000(1<־ gegen eine Gesammtbevölkerung von , 2.1 125 0«'>0, wodurch sich ein Prozentualverhältniß der! jüdischen Bevölkerung von 4,55 Prozent ergiebt. Die \ Theilnahmc derselben an Verbrechen repräsentirt jedoch j selbst in den ungünstigsten Jahren 1875 und 187<»; die DurchschniltSziffer von 4,85 Prozent, bleibt also immer noch unter der Ziffer des Populatiousverhält-! uisscS von 4,55 Prozent, und diese Thcilnahme der! Inden an Verbrechen sinkt in den folgenden Jahren! 1877, 1878 und 1870 auf die Berhältnißzissern׳ von : 8,75, 8,88, 8,8! Prozent, bleibt also konsequent nngcfahr 4.'׳ Prozent unter der Ziffer ihres PopulationS-! Verhältnisses." In der statistischen Tabelle pro 1875; bis 1878 finden wir: Gewaltsamer Einfall in fremdes; unbewegliches Gut: l,<»i> Prozent Inden. Boshafte Beschädigung fremden EigenthumS: 2 Prozent Inden. Gefährliche Drohung und Erpressung: 2,7 Prozent; Juden. Nothzucht: 1,02 Prozent Juden. Mord: 1.80 Prozent Juden. Brandlegung: 2,«;5 Prozent Juden. Diebstahl, Theilnehmung, Veruntreuung und Betrug: 4.81 Prozent Juden. Wir zitiren noch folgenden Passus: ״Eine höchst bcnierkenSwerthc Erscheinung ist die ganz auffallend geringe Bctheiligung der Jüdinnen an vcrbrccherischcn Handlungen. So weisen die uns vorlicgenden ״statistischen Uebersichten der Verhältnisse der k. k. österreichischen Strafanstalten" ex 1879, 1880 und 1881 aus, daß unter den während dieser Jahre , in die Weiberslrafanstaltcn cingclicferten 857, '818, 822, zusammen 2492 weiblichen Sträflingen sich nur!14, 11 und 11, zusammen 30 Jüdinnen befanden,

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