Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Deutschland
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 267 (sequence 2)
- Language
- German
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267 ט cm bcm am 5. Juni 1858 hier verstorbenen Herrn Samuel Salomon War bürg gegründete Stiftung hat den vornchmlichen Zweck, die Verbreitung bürgerlicher Gewerbe unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung zu fördern. Das noch nicht ganz liquide Stiftnngs- Vermögen betragt jetzt Mark 518,009.40 und wird dem jüdischen Gemeindevorstaud zur Aufbewahrung übergeben und von einer besonderen Administration . verwaltet. Das Zinsenerträgniß wird alljährlich nur in Portionen von je 1000 Mark zerlegt und durch Vcrloositng unter bestimint vorgcschriebenen Modalitäten verthcilt. Da somit ntcistens ein Ucberschnß an Zinsen sich ergeben wird, so sott derselbe, sowie die etwa nicht zur Vertheilung gelangten Portionen von 1000 Mark, von dem Gcmeindcvorstande an ״hiesige bedürftige anständige Israeliten" vertheilt werden. O. Bentheu LD-S, 10. April. Beim Herannahen des Peßachfestes dürfte nachstehendes Faktum für manche preußische Geutcindc von Interesse sein. Die Beköstigung der im hiesigen Gcfänguiß internirten Strafgefangenen während des Paßachscstcs mit ritnell znbereiteter Kost wurde während der Geltuugodaucr der früheren Gerichtsrcsp. Gesäugniß-Ordnung von dem Gerichts-Direktor, bcm das Gesäugniß unlerslettl war, jedesural auf Antrag zngelassen. Als im vorigen Jahre ein gleicher Antrag bei dem ersten Staatoanwalt deo hiesigen Landgerichts, von welchem die Gesäugniß- Verwaltung jetzt ressortirt, gestellt wurde, wurde solcher abgelehnt. Auf ein gegen diesen Bescheid beim Justiz- Minister erhobene telegraphische Beschwerde des Herrn Rabbiner Dr. Noscnt h al und des Gemeinde-Borslandcs erfolgte nach einigen Stunden ebenfalls telegraphisch die Weisung an den Staatsanwalt, die rituelle Bcköstigttng der jüdischen Strafgefangenen zuzulassen und gleichzeitig die Benachrichtigung hiervon an die Beschwerdeführer. *** Frankfurt a. M., 12. April. Mil dem gestrigen Tage fanden die diesjährigen Prüfungen der Realschule der israelitischen Retigionsgesellschaft ihren Abschluß. Dieselben gewährten einen höchst erfreulichen Einblick in das Wirken dieser mit Recht . hochgeschätzten Schule. Wenn die Prüfungen der Prima der Realschule und der ersten 5rlassen der höheren Töchterschule vorzügliche Leistungen in Mathematik, Französisch, Englisch und Geschichte, sowie ein eingehendes Ber- - ständniß des den Schülern wie den Schülerinnen zur vollständigen Vertrautheit gebrachten biblischen Schriftthnms darlegtcn, so gewährten die Prüfungen der unteren und mittleren Klassen einen Einblick in den sicheren, methodisch stufenmäßig sich vollziehenden Ausbau des Werkes der Geistesbildung, dessen Resultate in jenen Leistungen der obersten Klassen zu Tage traten. Bei den Prüfungen sammtlicher Klassen drängte sich dem Zuhörer die Uebcrzeugnng auf: Lehrer wie Schüler haben mit Eifer und Hingebung gearbeitet, um solche Erfolge erzielen zu können. Die Talmtldprüfnngen halten bereits am 9. d. M. stattgefllnden und wicdernnt den Beweis geliefert, wie durch die gediegenen Leistungen tüchtiger Lehrer auch bei vcrhältuißiuäßig beschränkter Stundenzahl die Schüler zu selbstständigem Berstündniß des Talmud gebracht werden. Die aufgcgebcuen Stellen Kcritot 11 d. und 12 a. wurden zur vollen Zufriedenheit von den Schülern der obersten Talmudklasse ohne alle Nachhülse in einer Weise entwickelt, die ebenso von der Klarheit ihres Denkens wie der Gewandtheit ihres Ausdruckes ein schönes Zcugniß ableglen. — Die unter reger Thcilnahme verlaufenen Prüfungen fanden ihren würdigen Abschluß in der aus Gesangsvorträgen und Deklantationcn bestehenden Schlußfeier am Nachmittagc des 11. April. Die zu einer prächtigen Aula nmgewandelte festlich dckorirte, bis auf den letzten Platz gefüllte Turnhalle bot einen herrlichen Anblick. ׳ Den schönsten Schmuck aber bildeten die vielen fröhlichen, frischen, in blühender Gesundheit und Lebensfreude strahlenden jugendlichen Gesichter. Die Vortrüge waren vorzüglich, von den Deklamatioucu der kleinen siebenjährigen Mädchen bis zu den Szenen aus französischen unb englischen Dramatikern, die von den Schülerinnen der oberen Klassen mit reinstcni Accent mcd großer Verve vorgetragcn wurden; und den heiteren und ernsten Liedern und Chören, die nicht nur mit Präzision, sondern, was viel höher anzuschlagen ist, mit Ausdruck und feiner Nüancirnng vom gehauchten Piauissiutv bis zum mächtig anschwettendcn Forte ansgeführt wurden und dem Gesanglehrcr zu hoher Ehre gereichen. Besonders hervorznhcben ist noch eine meisterhaft. anSgeführte Ehordcklamation einer aus zirka vierzig Schülerinnen bestehenden Klasse, die ganz außerordentlich ansprach. — Eine wahrhaft gehobene Fcstesstimmung erfüllte alle Anwesenden und die Schlnßprüfuug ge׳ staltete sich zu einem wirklichen Familienfeste der Gemeinde, die ihr Theuersles, ihre Kinder, nach allen Richtungen in solcher Weite gefördert sah. Der Direktor gab dieser Stimmung in einigen Schlußworten geeigneten Ansdruck und entließ die nach absolvirter Schule abgchendcn Schüler und Schülerinnen. Ein Stenogramm dieser Rede ist mir freundlichst in Aussicht gestellt und werde ich mir erlauben, aus derselben einige Punkte anS.zuziehen, die auch für weitere Kreise vielleicht von Interesse sein dürften. Um die Absendnng dieses Berichtes nicht zu verzögern, möchte ich auch bis dahin eine eingehende Mit-!Heilung über die heute stattgcsundene erste Prüfung der vor einen! Jahre in'S Leben gerufenen Israelitischen Volksschule verschieben. Nur so viel für heute, daß dieselbe ganz ausgezeichnet ausgefallen ist. *OTüurijcu, 10. April. Ein Prozeß, welcher von