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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 266

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-04-19
Page
266 (sequence 2)
Language
German
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führe»! Auch Herr Rohling, der Uebersetzer cincö Theiles de-? ״Talmud", will erscheinen-, Frankreich und Rußland, so wie 'Ccficrrcid) und Ungarn, werden neben den deutschen Ländern vertreten sein. Ans Deutschland erwartet man die Deligirten aller Vereine mit svezisisch anlijüdnMr Tendenz. Berlin sendet außer einigen anderen den Redner und Dr. iSrnft Henri ei nach dem ״Kongreß." Derselbe wird die Aufgabe haben, Geld zn schassen und die antisemitische Presse so wie die Agitation überhaupt zu organisiren; außerdem will der ,,Deutsche Volkoverein" die Erinnerung an die Försler'swe Indenpetition iinnier wieder aufs Neue anregen Mit der Mahnung an die Anwesenden, die Rachrich! von dem slattsindendcn Kongreß möglichst zu verbreiten und dessen Beschlüsse seinerzeit zn befolgen, beendet Redner seine AuSsühruugen und schließt mir einem Hoch ans 2c Majestät den Kaiser und auf den Reichskanzler." —a— Berlin, 15. April. Es gefällt dem Herrn Hospredigcr Stöcker, für seine Bestrebungen unter der Fahne ״Antifortschrittlich" Progaganda zu machen. Es könnte uns dieses freilich nur sehr angenehm sein,!venn die Firma ״Antisemitismus" dadurch in der That als bankerott anzusehen wäre/ Dem ist aber leider nicht so. Am 12. d. M. sprach er allerdiugs in ״antifortschrinlichen" Sinne vor einer ankehnlichen Versammlung des dritten Reichstagswahlfreist s und glorifizirle die christlich-soziale Parthci, welche für die sittliche und wirthschaftliche Hebung des Volkes so Großes geleinet. Wir haben auf unserm Standpunkte gar keine Veranlassung an dem Lorbeer, welchem der Führer sich um sein Haupt wand, auch nur ein Blättchen zu krümmen. Wir freuen uns einer jeden Förderung des Guten aus vollem Herzen, und wenn die christlich-soziale Partei unter Leitung ihres geistlichen Führers!'ich wirklich um die moralische und materielle Volkswohlfahrt verdient gemacht, so würden wir wahrlich nich! die Letzten sein, deren Ruhm zu verkünden. Wir sind zur Zeit jedoch zu unserm Bedauern noch nicht zu der Erkenntniß der hohen Verdienste dieser Partei gelangt und müssen deshalb leider einstweilen mit unserer Lobrede auf dieselbe noch zurüekhalten. Wenn aber Herr Stöcker im Laufe seiner Rede das geflügelte Wort aussprach ״ohne praktisches Ehristcnthnm haben wir eben praktisches Indenthum" und mit diesem ״praktischen Judenthu'm" den Gegensatz zu den Bestrebungen für das Wohl des Volkes ansdrückcn wollte, so möchten wir dagegen denn doch uns und das Judenthum verwahren. Wir möchten den Herrn Hospredigcr, der doch jedenfalls von Gerechtigkeit und Liebe zn seinen Nebenmcnschen sehr erfüllt ist, an die Lehren des Judenthums, die ihm sicherlich nicht unbekannt sind, erinnern. Er wird uns sicherlich Dank wissen, wenn wir ihn auf das große Kapitel von der fürsorgenden Nächstenliebe des Jndenthnms verweisen, ans welchem er zu entnehmen so gütig sein wird, wie die jüdische Gesetzgebung sich der Armen, Bedrängten und Hülslosen annimmt, wie sie für das sittliche und materielle Wohl des Volkes die entsprechendsten Vorkehrungen trifft. Und wir möchten ihn auch ersuchen, gefälligst im Kreise der jetzt lebenden Juden Umschau zn halten und sich von der thätigen Menschenliebe derselben zn überzeugen. Wir können einen solchen Gegensatz zwischen Indenthum und Christenthnm, wie Herr Stöcker statuiren will, nicht anerkennen. Und so ist denn neben der Fahne ״Antisortschrittlich" auch wiederum das alte Banner ״Antisemitisch" entrollt und zwar mit der erhebenden Devise, die den Schluß der Rede bildete: ״Lassen Sie uns zum Wohle unseres Vaterlandes unablässig kämpfen, bis Fortschritt und Juden thum zu unseren Füßen liegen'." Ein herrlicher Wunsch, namentlich aus geistlichem Munde! Wenn demgemäß sich Herr Stöcker noch immer als der Streiter von ehedem schließlich zu erkennen gab, der durch sein Ehristcnthnm das Judenthum unterdrücken will, so geht der ״Sozial - Reichsverein", welcher am 10. d. M. seine Versammlung abhielt, von einem anderen Gesichtspunkte ans. Unter allseitigster Zustimmung erklärte der Hauptredner desselben, Herr Dr. Ammann, daß die ״Verquickung" der antisemitischen Bewegung mit der christlichen und konservativen Parole nur geschadet und große ״Eohnfusion", wie sich der Redner außerordentlich geistreich und geschmackvoll anszudrücken beliebte, angerichtet habe. Er ist gegen die Juden saus plirase. ES kann den׳ Juden ziemlich egal sein, ob sie von den Ehristlich-Sozialen unter Herrn Stöcker unter obliguter Begleitung von frommen Reden oder von den sozialen Reichsvereinlern gehetzt werden. ES ist ihnen in Beider Gesellschaft jedenfalls sehr behaglich zu Muth; die Wahl wird ihnen schwer, wessen Liebe und Zärtlichkeit ihnen die thenerste gilt. — Einen wohlthuenden Kontrast gegen diese eigcuthümliche Freundschaft, die den Juden von diesen beiden Seiten entgegengetragen wird, bildet die Auszeichnung, welche Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin der Jubelfeier eines ״semitischen" Wohlthätigkeits- Instituts zugewandt haben. Hochdieselbcn haben das Barnch-Auerbach'sche Waisenhaus, welches sein 5()jähriges Jubiläum beging, mit ihrem Besuche beehrt. Auch der Kultusminister, der Polizeipräsident, der Ober-Bürgermeister und zahlreiche andere distinguirte Persönlichkeiten nahmen an dieser Feier theil. ^V. Altona, 16. April. Die bedeutende ״S. S. Warburg-Stiftung" hat auf Grund, ihres Statuts die Rechte einer juristischen Person erhalten. Diese

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