Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 265 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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16 1». 17 Jeschurmr. 265 KmesMidcilzcii nab Alichrichtcu. Deutschland. Hannover, 17. April. Vorgestern fand die Prüfung der hiesigen Religionsschnle statt. Das R'esultal derselben befriedigte in der nntercn?.lasst im hohen Grade. Auch in Betreff des Geschichtsunterrichts in den höheren Klaffen tvurde sehr Anerkennenswerlhes geleistet.' Jedoch machte sich Mangel einer tüchtigen Lehrkraft an Stelle des vor einein halben Jahre abgegangenen Herrn Bagsrcund fühlbar. Wir glauben, daß der Schulvorstand nicht länger zögern sollte, bei dem Gemeindevorslandc auf die Wicderbcsetzung der vakanten Lehrerstcllc ernstlich zu dringen. — An dem selben Tage hielt and) bic -פ"~־דג'׳ p"n ihre Plenar- Versammlung ab. Leider glänzte der überwiegend größte Theil der Mitglieder durch Abwesenheit, so daß die Versammlung zur Vornahme von Wahlen und Aufnahme neuer Mitglieder nicht beschlußfähig war. Es waren nur etwa 5(1 erschienen. Der gedruckt vorliegende Rechenschaftsbericht weist eine Einnahme von Mark 14435,86 und eine Ausgabe von Mark 13146,04 auf. Der 11 eberschuß von Mark 3388,03 rcsultirt aus einer größeren außergewöhnlichen Schenkung. In! Jahre 1883 wurden 60 Personen bestattet, 1 3 Kranke im städtischen Krankenhause verpflegt, 13 hiesige bedürftige Kranke U'nrden regelmäßig, 170 je nach Bedürfnis; unterstützt, auch 313 Anweisungen an durchreisende und in der hiesigen Provinz wohnhafte arme Kranke ׳Mark 91 6,40 verausgabt. Die Ausgabe für Verpflegung, Arznei und Unterstützung armer Kranker hier und in .der Umgegend betrug Mark 7501,07. Der Verein .zählt .331 Mitglieder und 34 beitragende Wittwcn. — Der Bericht giebt in sehr warmen, herzlichen Worten dem schweren Verlust Ansdruck, welchen der Verein in dem Ableben seines Präsidenten, des verstorbenen Land- .Rabbiner Dr. Meher נ״ע erlitten. Sechsunddreißig Jahre stand derselbe dem Verein in selbstloser Hingebung vor. Der Verein, trägt das Gepräge seines Geistes, seines edlen Herzens. Wir schließen uns dem Wunsche der Direktion aus vollster lUberzeugnitg an, daß die הייק gedeihe und immer mehr erstarke in der Hebung acht jüdischer Menschenliebe, wie der Verstorbene solche verstanden wissen wollte. "Berlin, 13. April. Der zweite amijüdischc internationale Kongreß, der nächstens in Ehemnitz stattfindcn soll, war der Gegenstand eines gestern Abend von Herrn Lieber mann v. Sonnenberg in einer öffentlichen Versammlung des ״deutschen Volks- Vereins" gehaltenen Rede. Die ״Kreuz-Zeitung" berichtet hierüber Folgendes: ״Ter Vortragende verbreitete sich erst über die antisemitische Bewegung im aslgemeinen und über den Dresdener Kongreß insbesondere. Erslere sei von Anfang an eine nnlergeordnete gewesen und sei noch jetzt in verschiedene Richtungen gespalten, was an und für sich kein Unglück sei; letzterer sei mangelhaft vorbereitet und verkehrt angcfangen gewesen. Die vertraulichsten Berichte seien mit allerlei Znthaten gleich der Judenprcsse zugänglich gemacht worden, weshalb dem Kongreß in Dresden eine größere Ocsfentlichkcit zugcstanden werden mußte, als von vornherein beabsichtigt war. Trotz aller Mängel habe die Dresdener Versammlung aber doch positive Resultate gezeitigt: nämlich die Annahme der Stöcker'schen Thesen und des Viktor v. Jsloezh'schen Manifestes. Es sei, so führt Redner aus, an der Zeit, einmal össent-!ich die landläufigen Jrrthümer zu berichtigen, die durch die mangelhaften Berichte (?) der Presse entstanden sind. Es seien in der antisemitischen Bewegnng zwei Strömungen vorhanden: eine christlichkirchliche und eine, die die Lösung der Judensrage mehr auf sozialem Gebiete erstrebt; beide Richtungen steuerten neben- und initeinander demselben Ziele zu. Diese vorhandenen Disscrenzen hatten nun zur Folge, daß in den Kommissions-Konferenzen alle die Punkte der von dem Hofprediger Stöcker vorgeschlagencn Thesen gestrichen wurden, die nicht die Billigung auch der andern Richtung gefunden hatten. Es sei also nicht richtig, daß ans dem Dresdener Kongreß die Ansichten des Hofprcdigers Stöcker und seiner Anhänger den Sieg gewonnen hätten; vielmehr seien deren Gegner stark genug gewesen, um aus den, allerdings mit klassischer Präzision abgesagten Entwürfen Slöcker's alles das zu streichen, was ihnen nicht paßte. Die größere Wichtigkeit der zweiten Strömung habe sich and) dadurch dokumentirt, daß das Viktor v. Jstoezy'sche Mattisest nach der Abreise Stöckers fast einstiinmig vom Kongreß angenommen wttrde. Die kirchliche Richtung der antijüdischen Bewegung halte die Judenfrage gewöhnlich mit der Taufe gelöst. (Ruf: Rein!) Wir würden es bedauern, wenn sich zu viele Juden taufen ließen. (!) Der neue bevorstehende Kongreß in Ehemnitz wird voraussichtlich nur schwach besucht sein. Sowohl die liberalen als die konservativen Blätter scheinen ihn todtschweigen (?) zu wollen. Die konservative kirchliche Presse habe das Gefühl, daß ihre Richtung den kürzeren gezogen habe, (?) deshalb sei sic verstimmt. (?) Im übrigen sei jeder zu dein Kongreß eingcladen, der zehn Mark dafür opfern wolle; auch die beiden jüdischen Berichterstatter dahinten. (Alles dreht sich um und sucht die beiden, die aber nicht zu erkennen waren.) Db Sic aber etwas Wichtiges Horen werden, das kann ich Ihnen nicht verbürgen. Herr Dtlo Glagau, ein Mann, der bis jetzt viel zu wenig geehrt worden ist, wird in Ehemnitz den Vorsitz