Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Aus den Memoiren eines Bettlers
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 256 (sequence 2)
- Language
- German
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256 Dir danke ich eS, daß Gott auch mir bcisland und ' mich errettet hat au# unzähligen Gefahren Dein Lol)n wird nicht anSblciben — Dein Lebensabend wird sich anshellen, und Du wirst nicht von : hinnen scheiden, ohne Deinen Mann und Deine Kinder glücklich gesehen zu haben. Deß bin ich gewiß! — ־— Mein Gnadengesuch war laugst, wie and) nicht anders zu erwarten stand, abschlägig beschicden worden. Alis meinen Kreuz- und D.nerzügen war id) wieder in die Stadt gekommen, von welcher aus ich vor Iahreu jene Bitte an den Kaiser gerid)tet hatte. Nachdem id) an der Armenkasse ״abgefcrtigt" worden lvar, suchte id) das HanS des Äkcnsd)cnfreundeS auf, welcher sid) damals mir so gütig gezeigt hatte. Ich fand ihn nicht mehr unter den Lebenden — id) betete au seinem Grabhügel und ןrf)ritt die Landstraße entlang dem Städtchen zu, lvo die thcuren Akenschcn wohnten, deren id) fortwährend in inniger Dankbarteit gcdad)t hatte. Ich hoffte, dieselben iu Glück und Frieden anzutreffen, und empfand schon im Voraus die Freude der Wiederbcgegnung. Der Gedanke daran beschäftigte mich so lebhast, daß id) llid)t des strömenden Regens und des kalten HerbstwindeS ad)tete — übrigens war ich gegen die Unbillen der Witternng abgehärtet. Da gewahrte ich in klirzer Entfernung von dem Ziele meiner heutigen Wanderung einen Mann am Wege liegen. Hunger lind Krankheit starrten mir ans den dunkeln, tief liegenden Angen entgegen. ״Helft mir auf", redete eine heisere Stimme mich an, ״ich bin clclid und schwach und kann nidjt weiter". Die Kleidung und daS Aussehen des Unglücklichen ließen einen Standes- und Glaubensgenossen erkennen. Ich versilchte, ihn ausznrichten, und, aus-mich gesticht, wankte er einige Schritte weiter. ״Mir dunkelt vor den Allgen, — die Erde dreht sid) mit mir im Kreise,— laßt mich hier liegen, — meine Todesstunde naht, — begrabt mich ans einem jüdischen Friedhose—״ also stammelte er mühsam hervor und sank zu Boden. Ich wagte den Sterbenden —als solcher erschien er mir nid)t zu verlassen, um Menschen zur Hülfe herbeizurnfcn Ich wartete bei ihm, bis Leute vorübcrkamen, mit denen vereint ich ihn in die Stadt ׳sd)affte. Er fand im Hospitale Aufnahme. Der Arzt erklärte, daß die Allgenblicke des Mannes gezählt wären, er würde den Tag nicht zu Ende leben. ( Schluß folgt.,» Der TiMlchl. Nach Tanchuma כי השא Ein liouiii, gar reich an (Harten und Feld, Oer mußte viel' Arbeiter dingen; Am Tage da wurde die Arbeit bestellt, Am Abend den Kahn fic empfingen; Und wie er eiult hin jit den Arbeitern tritt (OcfäUt ihm dort Tiner iu ihrer Mitt'. Sein Wesen den Uönig erfreute, Oer nahm ihn an seine Seite. Oer Uönig führte ihn hin und her Und sprach mit ihm Oieses und Senes, Oer Mann gefiel ihm immer mehr, Tr sprach viel Weises und Schönes; Und so der Uönig mit ihm f!ch besprach, Ois nun -Abende, schon flch neigte der Ta! Und erst als die Strahlen verblassen, Oa ward er gnädig entlassen. Und hin zur Trasse lief er in' Eil' Und wollte den Oohn empfangen, Oa wurde verweigert ihm eilt Theil, weil er von der Arbeit gegangen; ״Oas ist nicht recht." .- der Arbeiter spricht — ״Hütt' fort mich der Uönig gerufen nicht, Sch Hütte die Hünde gerühret; Ornm mir auch nicht wen'ger gebühret." Und vor den Uönig kommt der Streit; Und wie׳ er den Handel höret, '.Spricht er: ״Oezaljlt nur auch für die Zeit, Oie id) ihn im-Schassen gestöret! Oast weg ich ihn rief, was!rann er dafür'? Öaß Gnade mtb (0u1t(i er gesunden bei mir, Soll ihn nicht mit Unmmer beschweren, Soll £u|t ihm nltd Trende gewähren." ״ - Oer Uönig ist (Hott, die Arbeiter wir. Wir sollen reoen die Hände; Ooeh ach, mancher (>)dle muß scheiden von hier, Eh' noch sein Tagwerk rn Ende. Ooü) wird ihm der Hohn also;ngetheilt, Als Hütte er hier bis nun Abend geweilt; Er Hütte gern weiter geschasset, — (Hott hat ihn von hinnen gerasset.!)>׳. I. Güld1chmidt?Wcilb»rg.