Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1883-04-12
- Page
- 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 unheilvolle Zerklüftung prognostizirt. Die den Ehassidaern gemachten Konzessionen und der mit diesen geschlossene Pakt veranlaßt«.׳!! ihn, den ruhmreichen Lehrer und Führer Israels, non der Institution, welche er unter den günstigsten Auspizien im wahren Wortversländnissc zur Welt gebracht, mit väterlicher Liebe gehegt und gepflegt, und an welche er die schönsten Hoffnungen geknüpft, — znrückznztrctcn. Um nun das Verhältniß der Orthodoxcn zur konservativen Ltutns-quo-Partei zn karaktcrisiren, möchten wir frei nach Heine sagen: ,.Die Ansschlicßungsgesetze gegen die konservativen k>trUns-<tN0- Rabbinen und Gemeinden sind cbm so viele Hühneraugen an den Füßen des Körpers der nngar.-jüd. Orthodoxie; mag sich derselbe auch des besten Wohlseins erfreuen, er stößt dennoch bei jeder Bewegung an das schmerzhaste Hühnerauge an, daß ein Unbehagen den ganzen Organismus dnrchzittcrt." Nach dieser objektiven Darlegnng der bereglen Verhältnisse erscheint die Transaktion, das Niederreißen der künstlich aufgeführten Scheidewand fast קשר«• כקריעת ים סוף, cs ist aber nicht unmöglich! In der zwölften Stunde noch ermahnen wir ernstlich die leider übel bcrathenen und kurzsichtigen Führer nnscrcr Orthodoxie, die rechte Taktik anznwendcn, ihre Sprödigkeit aufzngeben und von ihrer Voreingenommenheit sich zu cmanzipiren. ' Denn haben einmal die konservativen Elemente der dckntns-qnn-Gemeindcn zu einer selbstständigen Partei sich organisirt und raffen sich diese einmal ans, um ihr gekränktes Recht, ihre verletzte Ehre, ihren angegriffenen Karakter zu rehabilitircn und ihre Existenzberechtigung geltend zn machen, daun wird die chassidäische Orthodoxie, welche heute am Ruder ist, erbärmlich znsainmenschrnmpfcn. — Die konservative Partei wird bei ihrem ansgegebenen Programm immer mehr znnehmcn und über kurz oder lang das Terrain vollkommen ollupiren. — — Doch es wäre Jammerschade, die edlen Kräfte zu zersplittern, während diese viribus iinilis gar viel Ersprießliches und Heilsames zur Kräftigung und Erstarkung des wahren, echten und rechten Indenthnms zu Tage fördern könnten. Mögen unsere דברים היוצאים יק הלב auch נכגכים ללב warme Beherzigung finden, möchte unsere Stimme doch nicht spurlos verhallen, — also flehen wir zn dem Ewigen פוקח עורים. Den freundlichen Leser aber bitten wir unsere aufrichtigen Worte nicht falsch zu intcrprctiren. Gleich Lavater *) akzcptiren auch wir den schönen Spruch Mcndelssohn's: ״Die kleinste Wendung, die man meinen Worten giebt, läßt auf meine Gesinnung ein falsches Licht fallen, in welchem ich sic mit guten! Gewissen nicht kann erscheinen lassen." — Wem etwa in diesem Abschnitte unserer ״Kollektiv-Berichte" ein . Wort zu hart, eine Rüge zn grell, ein Tadel zu scharf erscheint, den verweisen wir ans Aboth de Rabbi Nathan Kap. 29 (am Anfänge) allwo im Namen des Rabbi Mäir gelehrt wird:!יש לך הברים םקצת;ך אהוב את ושבחך טוציאך ‘ז ל ח דד י־ א י וי אוו -׳w~״r הנזוניהך ושנא את הגזשבהך; בלפני ם; העולם והמוביהך שבי א ן לי *) Phlsiognemik IV. Pag. 11$. Aus den Memoiren ciucs Bettlers. Mitgelheilt von ZIaphtali Simon. HI. (üUle ülfdjtc .iwlu-1 allen.) «Dorlsetzuiig.) O, Ihr wißt es nicht, Ihr Glücklichen, wie das Herz eures armen Mitmenschen nach Thcilnahmc und Mitgefühl lechzet! Seit Jahren treibt mich mein Mißgeschick von Ort zn Ort, von Land zu Land, — manchen Pfennig und Groschen hat mir eure wohlthätigc Hand gespendet, — die reichste Gabe wiegt aber nicht die Thräne ans, die ich in dem Auge dieser Frau glänzen sah, — so hatte bis jetzt noch keine menschliche Seele mit meinen! Unglücke gefühlt; — und wenn ich hier nichts Anderes empfangen hätte, als den Trost dieser Thräne, ich würde dankbar meinen Fuß weiter gesetzt und dieses Hans gesegnet haben, in welchem mir das schönste, tröstcndste, reichste Erbarmen zu Thcil geworden ist. ״Kommt mit hinein in die Wohnstube und nehmt an unseren! Abendbrote theil." sagte der Mann; und die Frau fügte hinzu: ״ihr könnt auch hier übernachten, ich will ein Bett für euch Herrichten, armer Mann!" Zum ersten Male, seitdem ich heimathlos geworden, fühlte ich mich glücklich! Die einfachen, herrlichen Menschen nahinen mich auf, als ob ich ihr Freund, ihr Bruder wäre. Ich schlief zum ersten Male wieder glücklich ein — befand ich mich doch unter dem Dache thenrer Freunde! Was war es, das mir so sicher den Weg zum Herzen dieser Edelen bahnte? Was anders, als daß ihnen mein Unglück in warmen Worten durch jenes Schriftstück vor die Augen geführt wurde. Ich hätte demselben nicht diesen klaren Ausdruck zu leihen vermocht. Achnlich ist es mit Empfehlungen. Dieselben treten an nnscrcr Stelle bittend auf und regen das Mitleid an. Die gemeinen, gewöhnlichen Bettler aber sollen für sich selbst das Wort nehmen, und ihre Rede ist so schlecht, so stammelnd, so unklar! Sic besitzen keine Zeugnisse, welche ihre Würdigkeit bekräftigen. Gleich mir haben verschiedene widrige Umstünde ihre Flucht aus der Heimath veranlaßt, gleich mir sind sie geächtet,