Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1883)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1883-04-12
- Page
- 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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M 15. Jeschurim. ״238 Korrespondenzen nnb Nachrichten. | Deutschland.! * Hannover, 10. April. ״In jenen Tagen war j kein Oberhaupt in Israel — ein Jeglicher that was ihnt gefiel" — also berichtet erklärend die heilige Schrift von der Willkür eines Mannes ans dem Gebirge Ephraim, welcher in seinem Hanse ein Idol aitfftclUc und einen seiner Söhne zum Priester desselben einsetzte. Auch wir befinden nns noch immer ohne Oberhaupt und Führer, wir entbehren des Mannes, ״welcher vor uns ansgcht und eingeht, der uns ans- und einführt, das; nicht die Gemeinde Gottes wie eine Heerde sei. die keinen Hirten hat." Die Landdrostei zögert noch immer, den Termin für die Landrabbincrwahl anszuschreiben, und so ist für die allernächste Zeit noch keine Aussicht vorhanden, daß eine kräftige Hand die Leitung unserer heiligsten Angelegenheiten, welche jetzt schon seit nenn Monaten einer solchen schmerzlich entbehren, wieder übernimmt. Inzwischen ״thnt ein Jeglicher was ihn! gefüllt." Wir haben keinen Mahner und Lehrer, welcher wo cs Noth thut seine Stimme erhebt. Rur dadurch ist cs möglich, daß im Kreise unserer Gemeinde ein Fall eintreten konnte, welcher sonst wohl nicht so stillschweigend hingcnommen worden wäre. Ein Mitglied derselben hat bei seinem Knaben die Beschneidnug nicht vornehmen lassen. Wir erinnern uns der tiefen Erregung, welche ehedem bei uns herrschte, als zwei ähnliche Thatsachen Vorlagen. Diese beiden Fälle blieben die einzigen, so daß, wenn wir uns nicht irren, nach dem Tode des einen der unbeschnittenen Knaben und bau Austritt des Vaters des anderen aus der Gemeinde, kein Mitglied unseres Kreises sich der schweren Unterlassungssünde schuldig weiß, einen Sohn zu besitzen, an welchem diese heilige Pflicht, ״das Zeichen des Bundes" nicht vollzogen ist. Wir sind fest überzeugt, daß es einer ernsten, eindringlichen, verständigen Vorstellung auch in dem vorliegenden Falle gelungen wäre, den Vater des Knaben zur Vornahme der Beschneidnug zu bewegen. Wir können uns nicht denken, daß eine in geeigneter Weise an Eltern und Großeltern gerichtete Ermahnung und Belehrung über die Bedeutsamkeit einer religiösen Handlung, von welcher Gott gesprochen: ״Du sollst meinen Bund hüten, du und deine Kinder nach dir jür ihre Geschlechter — — beschnitten soll euch jeder Männliche werden — — und dies zum Bnndeszcichen werden zwischen mir und euch — und zwar acht Tage alt soll euch jedes Männliche beschnitten werdenein unbeschnittener Männlicher aber,-b cf feit Seele wird ans ihrem Volke vernichtet; meinen Bund hat er aufgehoben," ohne,Erfolg geblieben wäre. Wir können uns die Möglichkeit nicht vorstellen, daß ein solcher Hinweis auf die Wichtigkeit der Milah, für welche unsere Vorfahren ihr Leben willig hinopsertcn, unbeachtet gelassen werden könnte. Wer aber soll jetzt bei uns dieses Wort sprechen, wer kann mahnen und warnen, überzeugen und von der Sünde zurückhalten?? Trotzdem wollen wir, noch nicht auf die Hoffnung verzichtcn, daß in dem vorliegenden Falle nicht doch noch endlich Gott und seinem heiligen Gebote die Ehre gegeben werde und die Betreffenden zur Besinnung gelangen, wie schwer sie sich an dem unschuldigen Kinde versündigen, wollten sie sich noch ferner weigern, an demselben das Zeichen des Gottesbnndes zu vollziehen. M. Berlin,!>. April. Der VerwaUnngskörper der hiesigen Synagogengemeinde nimmt auf die gcsctzestreuen Elemente derselben wenig Rücksicht. Es zeigt sich dieses u. A. auch z. B. in der Art und Weise, wie bei der Anstellung der Rabbiner verfahren wird. Ist cs dem Vorstand wahrhaft Ernst, daß von dem Austrittsgesctz vom Jahre 1876 wenig Gebrauch gemacht werde, so sollte er in der That nicht so souverän die religiösen Gcsühle der Gcsetzestreuen mißachten. Von den Mitgliedern der Adaß-Jisrocl sind bislang nur .'Z8 ans der Synagogengemeinde ansgetreten. In der jüngsten Generalversammlung hat dieselbe aber im Hinblicke auf das Verhalten der Verwaltung der Hauptgemeinde eine Kommission eingesetzt, welche hie Ausgabe hat, zunächst sämmtliche bisher noch nicht ansgetretene Mitglieder der Adaß-Jisroel dringend zum Austritte zu veranlassen, sodann aber auch diejenigen Schritte vorzubereiten, welche ersorderlich erscheinen, um bei der Regierung die Rechte einer Synagogengemeiudc für die Adaß-Jisrocl zu erlangen. In Folge dessen haben sich bereits von den 200 Mitgliedern der Adaßf Jisroel weitere!5 für den Austritt erklärt. Die Kommission ist eifrig in die Agitation eingetreten; und ist an dem Erfolg derselben um so weniger zu zweifeln, als die Adaß-Jisroel bereits alle Gemeinde Institutionen eingerichtet hat: eine Synagoge, eine vortreffliche Ncligionssthnle, eine Mikwa, ein Schächtwesen n. s. w. Wenn von manchen Seiten gegen die ״Orthodoxen" der Vorwurf erhoben wird, daß sie die Einheit und den Frieden der Gemeinde mnthwillig stören und ans eine Trennung hinarbeiten, so muß derselbe als den Thatsachen völlig widersprechend entschieden zurückgewiesen werden. Das Gegcntheil kommt der Wahrheit weit näher/ ׳Rur durch die unerhörte Intoleranz der sogenannten Reformer, welche immer mehr das von der Vergangenheit überkomn'.ene jüdische Gemeinwesen nach ihrem Sinne um-- gestalten und dadurch denjenigen, welche in unverbrüchlichcr Treue an dem gcofscubarten und tradirten Judenthnme fest halten, schwere Gewissensskrnpel bereiten, ja es ihnen geradezu unmöglich machen, fernerhin in dem Gcmeindeverbande zu verbleiben, wird die ״Einheit"