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Jeschurun · 1883-04-12 · Heft 15 (12.4.1883) · p. 231

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 15 (12.4.1883)
Article
Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
Date
1883-04-12
Page
231 (sequence 2)
Language
German
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VI. lieber den Militär-Dienst. Was die Verpflichtung zum Heeres-Dienst betrifft, so wurzelt im Herzen der Regierung wie im Herzen der russischen Bevölkerung die vorgefaßte Meinung, daß alle Inden sich des Eintritts in das Heer enthalten und sich ihm zu entziehen suchen, und daß der größere Theil Derer, die von der Gestellung zum Heere fehlen und sich ihm zu entziehen suchen, unter allen Einwohnern des Reiches die Inden seien. Diese irrige Meinung entsteht ihnen nur, weil sie nicht mit offenen Augen die genaue Berechnung beachten und nicht geneigt sind, die richtige Wahrheit der Frage gründlich zu untersuchen und zu erkennen, ob zur Zeit der jährlichen Berufung zum Militärdienst in Wahrheit nur diejenigen Juden berufen werden, die in Wirklichfeit nach dem Jahrgang von der Bestimmung betroffen sind, und ob die Zahl der von den Inden zum Heere Berufenen genau dem Berhältniß der übrigen Bewohner Rußlands entspricht. Nach den Berechnungen deS Befehlshabers Nittich (Gesetzliche Verhältnisse der Angehörigen der verschiedenen Bevölkerungen iin russischen Heere, St. Petersburg, l 875. S. 2.) müssen von der ganzen russischen Armee 3,68 ״/<» Juden sein, weil die Einwohnerzahl des ganzen Landes zu 95 Millionen berechnet werden, worunter nur 3'/2 Millionen Inden. Aber durch die Berufung der jüdischen Jugend zum Heere hat die Negierung die Militärpflicht ans eine große Zahl in Wahrheit Nichtverpflichteter gelegt. So sollten nach der Berechnung des Herrn Nittich im Jahre 1879 27,936 Mann von den Inden cinbernfen werden, die Negierung berief aber 39,948 Mann, (wie in dcrn Verzeichniß der Negicrungsgesetzsammlung über die Militärpflicht Thl. 3, Zusatz 4 aufgeführt ist). Es waren also 12,010 Mann mehr als das Erforderliche in der Rechnung anfgcführt, und da sich nun in Wirklichkeit in diesem Jahre 26,765 Mann gestellt hatten, so fehlten nach der genauen richtigen Berechnung um1173 ׳ Mann, somit 4,23"/.., das Geschrei und die Klage der Negierung und ihre Forderung an die Inden erstreckte sich aber ungerechtfertigter Weise auf ein ungeheures Maneo von 13,198 Mann, somit von 50"/״. Im Jahre 1870 war das Verhältnis; der männlichcn jüdischen Jugend zu der Gcsammtzahl der aus den den Juden gestatteten Gouvernements zum Militär berufenen männlichen Jugend: 10,86"/״. Nach der Berufung zum Militär in den Jahren!874—1879 war das Vcrhältniß der Berufenen von 11,90 "/״ bis 14,87"/״ von der Gesammtzahl der Berufenen. Der Akademiker Bnnjakowski in den ״Anthropologischen Untersuchungen und deren Beziehung zu den männlichen Einwohnern des russischen Reichs" (Buch 14. 1874. S. 101.) beweist mit gründlichen Belegen, daß das Verhältnis der zum Militär einberufenen Juden bei Weitem das Maß überschreitet, das den übrigen Einwohnern Rußlands aufcrlegt wird. Von 1000 in einem Jahre Geborenen bleiben am Leben und erreichen das Alter zwischen 20 — 21 Jahr nur 573. Daraus ergiebt sich, daß die im Jahre 1875 zum Militär berufenen 32,282 Inden von 56,339 im Jahre 1854 Geborenen übrig geblieben sein müßten. Nach den Untersuchungen dieses selbigen Akademikers werden aber 1000 Kinder von 23,662 Einwohnern geboren, die Zahl 56,339 müßten daher von 1,333,000 Inden geboren worden sein, während selbst noch 16 Jahre später im Jahre 1870 die Anzahl der Juden nur 1,322,000, somit 11,000 weniger war. (Fortsetzung folgt.) Aus der ersten Hälfte nuferes Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Aott. I. (׳.Me Nechle Vorbehalten- (Fortsetzung.) - ״Woher das kommt? — ja Maderl, das kommt von ganz was Bcsoudcrm her — das sag' ich Dir 'n ander Mal. Aber mir scheint, die Mutter ruft, i muß hinaus schaun." Die folgende Nacht verging weit ruhiger als die vergangene. Mirjam schlief, bis die Strahlen der Morgeusoune sie weckten, und sie fühlte sich frischer und wohler als Tags zuvor. Bevor der junge Bauer sich zur Arbeit begab, führte er die Kuh wieder wie am Abend vor das Fenster und melkte sie vor den Angen des jungen Mädchens. Mirjam fühlte sich sowohl ihm wie auch seiner Mutter aufrichtig verpflichtet. Die alte Frau saß wieder an ihre!» Bette und sprach so freundlich und liebevoll zu ihr, und als die Magd außerhalb des Zimmers beschäftigt war, da hatte sie auch nicht gezögert, ihr mitzutheilen, daß sie Jüdin sei, und die Blinde hatte ihr daraus liebkosend die Wangen gestreichelt tmd sie versichert, daß sie sie darum nicht weniger gern habe. Sie hatte ihr aber ebcitfalls empsohlen, in Gegenwart anderer ihrer Nationalität nicht zu erwähnen. Die Gesellschaft der Blinden war in Wirklichkeit eine Wohlthat für die Leidende, die, wenn allein, unaufhörlich an die Ihren denken mußte und sich unaussprechlich nach ihrer Mutter sehnte. Sie hatte auch der alten Seidler von ihrer Mutter und ihren kleinen Brüdern erzählt, doch selbstverständlich alles Nähere verschwiegen. Und die Bäuerin ihrerseits hatte auch ihr Mancherlei aus ihrem langen durchaus nicht

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