Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1883)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1883-04-05
- Page
- 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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221 erfüllung mahnend und anffordernd, desto höher weisend soll und wird seine Predigt sein, wenn anders nicht der Prediger seine Aufgabe erfaßt. Der Artikel nennt unsere נביאים die ersten Prediger; — mm wohl, zu Zeiten der Entartung, je tiefer die jüdische Nation gesunken, desto herrlicher, voll glühender Gottnachcifernna waren ihre ״Predigten." Freilich der ״Jeiw Ehronicle" ist anderer Ansicht. — Und das ist das Blatt, das Freitag Morgen jeder ״ordcmliche" Jude Londons kauft. *Ihr. London, 21. Mürz. Freitag den 23 d. M. fand auf dem jüdischen Friedhofe in Willesdcu die Beerdigung Sir Georg Jesscl's, FIn>tvr 0f the Holl (Urknndcnbewahreri statt. Bon der Bedeutung und den Verdiensten des Verstorbenen, der die zweithöchste Nichterstelle bekleidete und direkt den! Lord Ehanccllor folgte, legen die ihm von süinmtlichen Zeitungen ob seiner strengen Gcrcchtigkcitepslege und seines scharfen UrtheilS, welches jeden Wiickelzng verabschente und entdeckte, gewidmeten Nachrufe, sowie die allgemeine-Bethciligung bei seiner Bestattung rühmlichst Zeugnis; ab. Dem Sarge folgten über 100 Equipagen, darunter die der höchsten uub bedeutendsten Persönlichleiten. Unter den Theilnehmcrn befanden sich n. A. die Vertreter dcS Lord Ehaneellor, der Universität, deren Vizekanzler der Verstorbene war n. s. w. — DeS PnrimfesteS wegen unterblieben die Reden am Grabe. Die Stadt Dover, welche Fessel in den Jahren 1868—187:} im Parlamente vertrat, hatte Freitag sämmtliche Flaggen auf den öffentlichen Gebänden auf Halbmast gesetzt. — Es wird dem Verblichenen uachgerühmt, daß er im Allgemeinen als ״frommer" Jude gelebt,- so z. B. am Sabbath keilt Protokoll nlttcrschrieben habe. Er war ein thätigeS Mitglied der Ailglo-Jewish-Association und anderer jüdischer Korporationen; das Gedeihen der jüdischen Knabenschule in Pntrey ist wesentlich seiner Jnitialivc zu danken; kurz er bethätigtc überall seine treue Anhänglichkeit, seilt warmes Interesse für das inaterielle nild geistige Wohl seiner Glaubensgenossen. R ußland. ...z. Petersburg, 38. März. Der Selbstmord des Präsidenten der Inden-Kommission bildet noch immer das Gespräch dcS Tages. Ob der Einfluß Makoff's ein günstiger oder unheilvoller gewesen wäre, ob die Juden sich seiner Elltfernnng von der Neugestaltung ihrer Verhältnisse zu freuen haben, darüber weiß Niemand Aufschluß zu geben. Der Mund ist verstummt, die Dand erlahmt, von deren Einfluß noch vor Kurzem das Geschick der Inden in! weiten rnssifchen Reiche so mächtig bedingt war. Was die Znknllsl bringen wird, wer an Makoff's Stelle tritt, welche Anschauungen in der Kommission zur Geltung gelangen — wer vermag hierüber eine befriedigende Antwort zu geben? — Die Zeitschrift ״Nasnreh", welche für die Wohlfahrt der Inden eintrat,, hat ihr Erscheinen einstcllcn ntüsscn. Wie ans Odessa gemeldet wird, zirknlirt eine sozialistische Proklamation im ganzen südlichen Rußland, worin die Bevölkerung anfgcfordert wird, die Gelegenheit der in Rußland bevorstehenden Festlichkei'.en wahrznnehmcn, tim die Edellentc, Wucherer und Juden zu plündern. Eine aus Edellenten bestehende Deputation hat sich nach Petersburg begeben, um den Minister dcS Innern um Schntzmaßregelrt anzngehen. Rumänien. —i—Bukarest, 25. März. Die KolonisationSangelegenheit erfährt leider nicht oielebhasteUnterstütznng. auf welche sie!vcgen ihrer hohen Bedeutsamkeit Anspruch zu machen berechtigt ist. Die schon früher von mir angedenteten Schwierigkeiten walten itoch immer ob, ja eS gewinnt fast den Anschein, als ob sie noch größer werden. Die Sammlungen im Lande werden lau betrieben, die Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Vereinen droht an Jntensivität znzunchmen. DaS Zentral - Komitst bittet dringend um Zuwendungen,'um die Kolonien in Sammarien und Tantnra mit Nahrungsmitteln für Pcßach zu versorgen. A m c r i f a. * In Chicago erscheint eine in jüdisch amerikatlisch-deutscher Schrift und Sprache geschriebene Zeitung, ״Israelitische Presse," anscheinend für das zahlreiche polnische Eleinent der dortigen jüdischen Bevölkerung berechnet. Wie cs scheint, widmet diese -Wochenschrift sich mit lobenswcrthem Eifer der religiösen Hebung ihres Leserkreises mib sticht jetzt namentlich die Gründüng einer jüdischen Schule zu fördern. Sie schreibt in ihrer eigenthümlichen Weife hierüber n A. folgendermaßen : ״ .... Denn nur in der אב״נה, nicht in Pedbellt und Englisch steckt דרך ארץ ,יראת •בנדב und Menschenliebe. — Er, der Boy, weiß nur: ein amerikanifchcr Boy ist smart und muß independent sein; demzufolge wehe dem, der ihm in seinen Weg kommt, no matter wenn dieser selbst sein Vater ist. — Die Jüdischfeit wird vergessen, nufere Religion kommt auS der Erinnerung-und wer hat Schuld? -- nicht unsere Kinder, nur wir, nur allein! Wir machen die Kinder die ,אבונר vergessen! — ----- Wir alle müssen keine Mühe sparen ein תלנזוד תורה zu gründen, wo unsere .Kinder systematisch in Religion und Allem was mit ihr verbunden ist, lernen sollen; wollen wir uns also zusammcnnehmen und ohne בבור zu suchen, für die heilige Sache באםונה arbeiten, daß wir ein 'ת׳ת gründen" 11. s. w. Ein kleiner Fonds ist bereits für diesen Zweck gesammelt worden.