Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-04-05
- Page
- 220 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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220 zur endlichen Verhandlung gelangen. In Betreff der Hauptangcklagtcn wird versichert, daß Moritz Scharf in Folge besonderer Aufforderung bc* Gerichtspräsidenten nach Pest inzwischen verbracht wird, Abraham Braun feinem Bertheidigcr in Gegenwart des Vizenotärs versicherte, es seien Zeugen vorhanden, welche bekunden könnten, daß er am Tage des angeblichen Verbrechens, 1. April v. I., an einer Krankheit leidend das Bett hütete; Lustig und Junger behaupten, daß sie seit H Uhr Vormittags am 1. April sich in ihrer Wohnung befunden hätten, während erwiesener Maßen um halb 2 Uhr Nachmittags Ester Solhmossh noch mit ihrer Schwester Sophie in Unterhaltung gesehen wurde. Herr S<'>s, Vizeanwalt zu Miskolc;, der an Stelle des durch Selbstmord gestorbenen Staatsanwalt Both in dieser Sache während einiger Zeit thälig war, hat an den Gerichtshof zu Nhireg hhüza eine Erklärung des In- Halts gerichtet, daß ihm seinerzeit der Vizcstaatsanwalt Eg res sh Nagy mitgetheilt habe, wie bei den Verhören l^ewaltsmaßregeln stattgcsunden. die Protokolle unrichtig ausgenommen, bei den wegen des bekannten angeblichen Vcichenschmnggels Angeklagten Tortur in Anwendung gebracht und andere Gesetzwidrigkeiten vorgekommen seien; ja cs hätten Personen auf die Untersuchung influirt, welche hierzu keinerlei Berechtigung besaßen. Diese Erklärung ist in der positivsten Weise abgegeben und sehr geeignet, die ganze Prozedur gegen die Angeklagten in ein höchst bedenkliches Licht zu stellen. Das zu Miskolc; erscheinende Wochenblatt ״Das Iudenthum" theilt aus verläßlicher Quelle folgenden interessanten Dialog zwischen dem Staatsanwalt Laznr und dem früher als Unter׳ sttchungsrichter snngirenden Herrn Vary mit. Lazür: ״Aber was soll ich nun mit einem solchen Protokoll machen? Um Gotteswillcu, wie haben Sic nur ein solches Protokoll verfassen können? Der letzte Diurnist würde sich ja schämen, ein solches Schriftstück aus den Händen zu geben." — Barh: ״Ich bitte, Herr königlichcr .U1n1>alt, vielleicht wäre cs möglich zu korrigircn." — Laznr: ״Nicht schlecht, — nun soll ich Ihnen zu lieb das Protokoll fälschen?" — Barh: ״Der Gegenstand ist ja nicht so groß und wichtig, wie der Herr Anwalt annimnlt." — La zur: ״Schämen Sie sich nicht? — Und Sic hat der Gerichtshof mit der Untersuchung betraut?!" — Dieses G«hlündniß des Herrn Barh ist allerdings sehr bezeichnend. ״Die Sache ist ja nicht so groß und wichtig!" — cs handelt sich ja mir um das Leben einiger Juden!! England. .Nu׳. London, 25. März. (Schluß.) Zweifellos sicht der ״Jewish Ehroniclc" die Stellung eines Gesandten, auch nur am Hofe eines kleinen Fürsten der Erde, für höchst ehrenvoll und bcncidenswcrth an. Und nun gar erst ein Gesandter am Hofe des ״großen Königs!" Der sollte sich seiner Stellung zu schämen haben und mit Selbstbemitlciduug daraus herabschcn! Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß der late Rcv. Green niemals eine Erwählung;um Mcmber of Parliament ansgcjchlagen oder nicht mit größtem Stolze sich als solches gefühlt hätte. Und doch wäre er da ״nur" Vertreter eiues Theils des englischen Volks gewesen, dagegen heißt es von seiner Eigenschaft als Vertreter eines Thciles der jüdischen Nation mit Bedauern: ״nur das!" Freilich sind unsere Ehasauim heutzutage meist bezahlte Angestellte, doch ist dies nur eine Folge der gezwungenen Verhältnisse. Jur tiefen Grunde jedoch ist die Stellung eines Schliach Zibur eine ideale und zeigt sich dies deutlich an ר״ה und ״ב\ an welchen Tagen man nur Leute als Ehasauim wählt, die sich ganz auf diesen Standpunkt stellen und sich darauf begreifen. An anderer Stelle, von der Aufgabe eines Predigers sprechend, wird der Satz unserer Weisen הזהרו בדבריכם •־טמא תחונו הובת כלות ותכלו למקום מים הרעים וישהו התלמידים הבאים אחריכם וימותו ונמצא שם שמים מתהלל dahin ausgclegt, daß dieselben es für sündhaft halten, unvorbereitet zu predigen! Daß dieser Satz wohl noch mehr für den gilt, der eine wohlausgearbeitcte Predigt hält, scheint der ״Ehroniclc" ganz übersehen;u haben, gleich dem, bem der ganze Artikel gewidmet ist. Am Schlüsse des zweiten Artikels, wo der Prediger dein Priester gleich gestellt wird, heißt cs: ״Die Predigten tvicdcrspiegcln bei der jüdischen wie bei anderen Religionen stets die religiöse Richtung der Zeit. War die geistige Richtung der Gemeinde schwach, so war der Prediger gezwungen, sich in niederen Gedankcuregioneu zu bewegen, oder er war ganz still. Aber umgeben von einer religiösen Atmosphäre haben seine Anreden seine Zuhörer den edelsten Bestrebungen des irdischen Lebens;ngcsührt. Nach den Predigten wird mau auch später das heutige englische Judenthnm beurtheilen." Zum Glück hat der ״Ehrouicle" diesuial Unrecht! Freilich kann man sich aus den heutigen Predigten, die in dieseut Sinne gehalten, ein Bild der Zuhörer machen, aber nicht im günstigsten Lichte wird cs ansfallen. Traurig, wenn cs überall so wie die Anschauung des ״Ehronicle", die nicht ganz neu ist, wäre. Der Anschauung und den: Faktuitl tritt schon הושע mit den zürnenden Worten entgegen: חמאת עמי יאכלו ואל עונש יש או נפשו. Das Sühnopfer meines Volks sollten sie (die Priester) genießen, stattdessen erheben sie (die Priester) seine (des Volkes) Seele zu ihrer Sünde. }והי׳ בעם בבה. Nicht soll der Prediger seine Predigt dem religiösen Standpunkte seiner Zuhörer anmesscn, um dieselbe einzuschräuken, vielmehr, je tiefer ihr Standpunkt ist, desto reiner und gottverhcrrlichcnder, desto mehr zur eifrigen Psticht-