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Jeschurun · 1883-04-05 · Heft 14 (5.4.1883) · p. 219

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 14 (5.4.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-04-05
Page
219 (sequence 2)
Language
German
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219 ist, welche der Vorstand des Gemeindebundes bcanjprucht, desto mehr fordert sein Plan, der tief in die wichtigste Angelegenheit dcS jüdischen Gemeinwesens cingrcift, die Kritik heraus. Der Deutsch-Israelitische Gemcindebund sucht bekanntlich eine Stellung .,über den Parteien" zu behaupten; er will die Differenz, welche thatsächlich in dem religiösen. Leben und der religiösen Gesinnung und Anschauung der Gegenwart vorhanden ist, ignorircn und das einigende Band sein, welches alle Gemeinden, die gcsetzcStreuen, wie die sögenannten reformistischen verschiedenster Schattirnng, zu umfassen geeignet ist. So lange er sich nur darauf beschränkt, für allgemein humane Zwecke thätig zu sein, mag ihm solches gelingen; sobald er aber in das religiöse Gebiet seine Wirksamkeit, sei eS durch Rath oder That, hincintragcn will, muß er bei aller behütsamen Vorsicht in seinem Beginnen scheitern. Wenn cs einen Gegenstand gicbt, der eminent religiöser Natur ist, so ist eS doch unzweifelhaft der Religionsunterricht.׳ In der Gestaltung desselben muß sich nothwendig die ״religiöse Richtung", der ״religiöse Standpunkt" kundgeben. Und selbst der Nahmen, innerhalb dessen der Religionsunterricht sich entwickeln soll, wird daS Gepräge der religiösen Anschauung nicht verleugnen können, mag man sich auch noch so viele Mühe geben, dieselbe zu verhüllen. 311 dem nackten Normalplan, ivcichcn der Gcmcindcbnnd durch seine Organe hat auSarbciten lassen, spricht sich deshalb auch unzweideutig der Geist seiner Verfasser ans. Wenn der Zweck des Religionsunterrichts kein anderer sein kann, als dem Schüler die Kcnntniß der von ihm zu beobachtenden ReligionSpslichten zu lehren, nun, so wird der Inhalt dieser Disziplin in Uebercinstimmung mit der Religion desjenigen stehen, welcher dieselbe anordnetc. Welches ist aber die Religion, die der Deutsch-Israelitische Gemeindcbnud durch seinen Vorstand der jüdischen Schule überwiesen wissen will? Der Normalplan gicbt die unzweideutige Antwort. Er hat eine achtjährige UnterrichtSzeit in'S Auge gefaßt und während derselben im ersten Jahre zwei,- im zweiten drei, im dritten bis fünften fünf, im sechsten bis achten sechs wöchentliche Stunden. Den Lehrstoff vcrtheilt er ans drei größere Abtheilungcn: die untere mit zweijährigem Kursus, die mittlere und obere mit je dreijährigem Kursus. In der unteren Abtheilnng soll eine resp. zwei Stunden biblische Geschichte und eine Stunde hebräisch Lesen, in der mittleren zwei Stunden biblische (Geschichte, eine Stunde hebräisch Lesen, zwei Stunden Gebct-Uebersetzen; in der oberen eine Stunde jüdische Geschichte, eine Stunde Glaubens- und Pflichtenlehre, zwei Stunden Gcbet-Uebersetzen, zwei Stunden Pentateuch gelehrt werden. Es ist hier nicht unsere Absicht, diese Vertheilnng des Lehrstoffes auf die Unterrichtszeit eingehender vom pädagogischen Standpunkte ans zu prüfen. Wir wollen hier nur das Folgende konstalircn. Ans der sehr eingehenden und präzisen Bestimmung, was aus diesen vier Unterrichtszweigen in der jüdischen Elementarschule gelehrt werden soll, geht klar hervor, daß mit Ausnahme der ״Sittengesctze und Feste" von dem Judcnthnme das Heranwachsende Geschlecht nach Ansicht dcS Deutsch- Israelitischen Geineindebundes nichts zu wissen braucht; nichts von den Sveiscgesctzen, nichts von dem Schaatneßvcrbot, fast nichts von dem, was in der neuen Terminologie unter den Begriff ״Zercmonialgcbotc" fällt. Mit erstaunlicher Umsicht hat man bei dem Pentateuch-Unterrichte alle diejenigen Stellen überschlagew, welche dieses Thema behandeln. — AuS Genesis sind 202, ans Exodus 94, anS LeviticnS 40, aus Numeri l l, anS Dcnteronominm 427 Verse sorgfältig unter diesem Gesichtspunkte auSgcwählt worden, im Ganzen 824 von 8845 Versen. Die ״Glaubens- und Pslichtcnlchre" des NormalplanS kennt nur die Zehn Gebote, Beten, Festtage, Buße״ Vorsehung, Pflichten gegen Menschen, Obrigkeit, Vaterland, Fremde, Untergcbcne. Arme und Thicrc, die Lehre von der Einzigkeit, Ewigkeit, Allgegcnwart GottcS, Unsterblichkeit der Seele u. s. w. und endlich auch die ״Messianische Idee" d. h. die ״fortschreitende Vcrvollkommnnng des Menschengeschlechts." Man sieht, daß der Normalplan ganz ausschließlich sich auf dem Boden der Reform bewegt. Die Religion, welche der Deutsch- Israelitische Gemcindcbund in die jüdische Elementarschule einführen will, ist nicht die ״Lehre Mosis", ist nicht die jüdische Religion. Der Deutsch-Israelitische Gemcindcbund tritt mit diescin Normalplan anS der bis jetzt nolhdürstig beobachteten Reserve heraus und enthüllt seine cigeiulicheTcudcnz, scineigentlicheSZicl. Wo seüiNormalplan Eingang und Annahme findet, da wird thatsächlich daS Jud.'nthum verbannt, da wird die Jugend in einer sogenannten Religion unterrichtet, welche aus dem Judenthum kaum mehr entlehnt hat, als was auch andere RcligionSsystcme von demselben adoptirt haben. * Strnszbnrg i. ($., 28. März. In Folge einer Reklamation von jüdischer Seite mußte die hiesige Agentur von B. Herder in Freiburg auf polizeilichen Befehl ein die neueste Schrift des Prager Professors. Rohling ankündigendes Plakat des Verlegers aus dem Schaukasten entfernen. Es handelt sich um das Werk: ״Meine Antwort an die Rabbiner, oder fünf Briefe über das Blut-Ritual der Juden." So berichtet die ״Köln. VolkSztg." Oesterreich-Ungarn. j *|* Pest, 30. März. Die Tisza -Eßlarer Ani gclcgcnheit soll in der zweiten Hälfte dcS Monats Mai

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