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Jeschurun · 1883-04-05 · Heft 14 (5.4.1883) · p. 215

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 14 (5.4.1883)
Article
Oberrabbiner Simon Schreiber
Date
1883-04-05
Page
215 (sequence 2)
Language
German
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215 seiner frühesten Männlichkeit ein offenes Leben gelebt, | und über dessen religiöse Gesinnng nie der geringste Ztvcifcl gewaltet, — diese offenkundige Dichtung und!?tichtwahrheit ließen schon von vornherein an der;Hc du־ heit des ganzen angeblichen ״Hirtenbriefs" gerechten Zweifel entstehen, welcher durch die eingezogenen Erkundigungen volle Bestätigung erhalten. Wenn mit dem Ableben des׳ Oberrabbinero Schreiber eine von dem Lemberger Staatsanwalte cingelcitete llntcrsuchung in Verbindung gebracht wird, die in Veranlassung eines angeblichen von galizischen Rabbinern erlassenen Manifestes, in welchem jeder Verkehr mit den ״Fortschrittsjudcn," wie die Zeitungen melden, mit dem Bannebedroht werden soll, so lassen wir diese Angabe einstweilen dahingestellt und warten den Verlauf der Untersnchung ab. Daß wir ein solches Manifest mit solchem Inhalte nicht nur beklagen, sondern perhorreszieren würden, bedarf wohl keiner Erwähnung. Ter galizische Landtagsabgeordnete Dr. Philipp Zucker soll bereits in dieser Sache als Belastungszeuge vernommen sein. — Tic Beerdigung des Obcrrabbincr Schreiber נ״ע fand unter zahlreicher Bethcilignng auch der nichtjndischen Bevölkerung am 27. Mär; statt. Ter Stadlpräsidcnt von Krakau, Herr Weigel, die Gemcinderäthc und andere hochgestellte Personen gaben ihm das Geleite. Andere sandten Beileidstelegramme. Aus der erstell Hälfte uilsercs Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich 'glotf. I. (Mc Nechte!׳ordel-utleii. l Fortsetzung.) Aber Mirjam war auch später nichtzu bewegen, irgend etwas Anderes zu genießen. Die Blinde wich während des ganzen Tages nicht von ihrem Bette und sprach so freundlich und wohlwollend zu ihr, daß cs dem verlassenen Kinde bald heimisch in ihrer Nähe ward. Wiederholt hatte sie ihr zngcrcdet, etwas Warmes zu genießen und Mirjam hätte ihr gar zu gern den thatsüchlichcn Grund ihrer Weigerung mitgetheilt, denn sie empfand zu der alten Frau bereits aufrichtiges Vertrauen. Aber der Sohn halte sie in sein Haus gebracht und hatte sie dringend aufgesordcrt, ihre Nationalität zu verheimlichen; daher hielt sie sich nicht berechtigt, seinem ausgesprochenen Wunsche entgegen zu handeln. Doch sie wollte ihn ersuchen, ihr zu gestatten, gegen seine Mutter aufrichtig zu sein. Die Ruhe und Stille während des ganzen Tages thaten ihr wohl; die Wunden schmerzten nicht allzu sehr, sic fühlte sich frischer und hatte mit der Blinden schon ganz munter geplaudert. Gegen Abend kam auch der Toni heim und freute sich aufrichtig, als er das junge?Rädchen im Bette aufrecht sitzend fand. ״Grüß Gott, Marie!" ries er, nad-dem er zuvor die?Natter begrüßt hatte, und bot der Verwundeten die kräftige Ncd)te, ״na wie stcht's? — schon 'n bissel besser?" Mirjam versicherte, daß sie wenig Sä)merzen mehr empfinde und daß sie hoffe, am nächsten Tage das Bette verlassen zu können. ״Das bin i gern, daß's besser geht" versicherte er treuherzig; ״aber mit'm Aufstehn cilt's ni, bevor'S ui ganz gut ist, wird da draus. Gelt, Mutter, Du giebst' eh ni zu?" ״Freilich nid)t" erwiderte die Alte ״aber mir scheint, die Marie wird selber nicht so bald danach verlangen. Denn wenn Eines nid)ts anderes essen will, als Wasser und Brod, da blcibt's lange Zeit schwach." ״Was?" rief der junge Bauer betroffen ״die Marie iß! nichts als Wasser und Brod? — Könnt denn die Kati ihr nie was kochen?" ״Ob sie's könnt! — und sie thät's ja aud) gern. — Aber wenn sie uid)ts will —" Der Toni schüttelte nnmnthig den Kopf. ״Was soll das heißen Marie?" Mirjam schien antworten zu wollen, aber sie blickte ans die Blinde und schwieg. Der junge?Nanu begriff, daß sic ihn allein zu sprechen wünschte. ״Ihr seid den ganzen Tag wohl drinnen im HauS gewesen, Mutter?" fragte er. ״Frcili" erwiderte sie ״id) hätte doch die Marie nicht allein gelassen." ״Aber, 's thut auch ni gut, immer drinneu zu sein. Kommt, die Luft ist lind, jetzt euch draußen auf die Bank." ״Aber die Marie —״ ״Sorgt ni, i werd' derweil bei ihr sein." ״Na wenn's so ist, ist mir'S recht." Sic erhob sich, und sorgsam geleitete sie der junge?Rann hinaus zu der Bank, ans der wir sie auch am vorigen Abend getroffen; er selbst aber begab sich wieder in das Zimmer, schob den Lehnjessel seiner?Natter zur Seite und für sich einen Holzsessel herbei und setzte sich möglichst nahe an das Bette. ״Na, Marie, was ist's? wegen was willst denn ni essen, was die Kati kocht?" Sie erröthete, als er ihr so nahe rückte und lehnte unwillkürlich ein wenig zurück. ״Sie wissen es ja" sprach sie leise. '׳ . Er blickte sie erstaunt an ״Ich sollt's wissen? —

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