Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1883)
- Article
- Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
- Date
- 1883-04-05
- Page
- 214 (sequence 2)
- Language
- German
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214 andere industrielle Zwecke verwandten Branntweins, in! Groß-Rußland um das Doppelte gegen jrühcr »er-! inehrt, in den den Inden gestatteten Gebieten mit 14״'.״ j vermindert. i ״sehnliches findet sich in den IahreScrgebnisscn des FinauzminislerS vom Jahre!87<>, daß in bcu (Gebieten des Wohnsihcs der Inden im Jahre 1876 für den Gebrauch an reinem Spiritus 6 5m 014 Maas; (Wicdra) erzeugt worden sind, welches nach der Anzahl der Bewohner von 20 402 645 Deelen, ans jeden Kopf 0,51 Wiedra bringt, während gleichzeitig in den den Inden verbotenen Gegenden 1 5 700 050 Maas; reiner Spiritus erzeugt wurde, tvaS nach der Einwohnerzahl von 41724 555 Seelen für jeden Kopf 0.57 Wicdra beträgt." Auch hinsichtlich der am Trunk Gestorbenen führen wir in der Kürze an: In der ״Wajenc statuListizeski sbornik" 1871 findet sich die klare Berechnung, daß in fünf Jahren, von 1858 bis 1802 in den 15 den Inden privilegirten Gebieten 2520 voit eiuer Einwohnerzahl von 18 752 000 Seelen, somit 1 Todter auf 850 500 Einwohncr am Trunk gestorben waren, dem gegenüber werden 15 Gebiete von Grvß-Nußlaiid ansgefnhrt. in welchen zn gleicher Zeit 4 180 am Truuke gestorben waren von einer Bevölkerung von 21 21 2 836 Seelen, somit 1 Todter ans 472 807 Einwohner. Alle diese Beweise und Belege zeigen;;;;widerlcglich, daß die den Inden angehesteten Berlenmdnngen durch und durch Lug und Trug sind, als hätten sie daS Unheil veranlaßt, das den Geist der Trunkenheit in das Innere der Richljudeu und Landleute gebracht, die unter ihnen wohnen. So ist auch die Beschuldigung falsch, daß die Inden in den ihnen erlaubten Wohn- Plätzen in größerem Maße die (Getränkeverkaufsstellen vermehrten, als dies in allen Städten des inneren Rußlands der Fall ist. Die Wahrheit ist. daß die verwerfliche Trunksucht nur in dem innern Rußland verbreitet ist. wo kein Jude wohnen darf, die Inden aber macht man zunc Sünden-bock. Obgleich die bereits angeführten Beweise vollständig genügen, wollen tvir doch noch eine genaue statistische Rc>ri; ans der ״Wajene statntistizcski sbornik" 1871 (4- Ausl. S. 105) bringet;, dort wird die genaue Berechnung gegeben, daß in Groß-Rußland 1 Brantweinschank auf 107 männliche Einwohner in den Städten, und in den Dörfern 1 ans 06 Männer komntt, in den jüdischen Wohngegenden in den Städten 1 auf 155, und in den Dörfern 1 ans 287 männliche Einwohner, .?vonskvi'ng; OlimMi'mtt Simon MAlicr נ״ע. ...w. Wien, 1. April. Der Obcrrabbincr zn Krakau, Herr 3itu0n Schreiber, ז״צ"ל^ ist am 26. Mär; nach kurzem Leiden verstorben, ^ohn des berühmten Rabbi Mosche «30fcr (תרעם פרפד), Enkel des nicht weniger gefeierten Rabbi Akiba Egcr, bcendete er seine irdische Laufbahn im 65. Lebensjahre. Im Jahre 1842 nach Mattcrodorf zum Rabbiner berufen, vertauschte er diese Stellung mit den; Oberrabbinatc zn Krakait im Jahre 1858. Sein ganzes Leben war der הורח und ענודה gewidmet; er war auch unermüdlich für die politische Stellung der Inden thätig und gehörte seit 1870 dem ReichSrathe als Abgeordneter für Kolontca an. Es kann in diesem Augenblicke nicht meine Aufgabe sein, das Wirken dieses bedeutenden Mannes zu schildern; möge die Feder eines Anderen, welcher dem verblichenen im Leben näher gestanden, sich diesem unterziehen. Wohl aber erachte, ich cS für meine Pflicht, an dem frischen Grabe des Heimgegangenen den Berunglimpfnngen, welchen derselbe in den letzte!; Tagen preisgegeben war, entgegen zn treten. Durch alle Zeitungen machte ein Schriftstück die Runde, welches fälschlich den Rauten des Krakauer RabbincrS trug und geeignet war, die Gestalt des Berstorbeuel; in dem Lichte der Beschränktheit und Lächerlichkeit der Nachwelt zu überliefern. Rach genauen an kompetentesten Stellen eingezogeneu Erkundigungen ist dieser angeblich an ״die Juden Galiziens im Allgeineinen und insbesondere an die thenren Kinder von Stanislan und Thsmieniea" gerichtete ans dem Hebräischen' übersetzt sein sollende ״Hirtenbrief," in;velchem für die Wahl des Dr. Berggruen zum Abgeordneten Propaganda gemacht wird, eine sürntlichc Erdichtung. Daß hier eine Mhstisikalion vorliegen müsse, war jedeut der persönlichen Berhältnisse Kundigen schon aus dem Umstande klar, daß dieses angebliche Rundschreiben sich nicht eniblödete; auf den Rabbiner Dr. Gugenheiiner in Kolin als auf ein Beispiel hinziuveisen, daß auch der entschiedenste Anhänger der Reform noch ein gesetzestreuer Jude in solchem Maße werden könne, daß er ans einer von sonstigen Frommen nicht zu erreichenden hohen Stufe stehe. Wer den Herrn Rabbiner Dr Joseph Gugenheimer zu Kolin jedoch kennt, weiß, daß derselbe von seiner frühesten Jugend an mit entschiedenster Gewissenhaftigkeit dem orthodoxen, dem überlieferten Oceligiousgesehe trenhuldigendcu Inden lhume zngethan war, und schon als junger Manu, als er noch ׳Rabbiner in Teschen war und früher ganz auf demselben Standpunkte religiöser Gesinnung und Ueberzeugung gestanden, die er jetzt bekennt, bethätigt und vertritt. Diese Dichtung und Richtwahrheit ans dem Leben und über die Gesinnung eines in allen jüdischen Kreisen, welcher Richtung sic auch angchöreu mögen, wegen der Biederkeit und Unwandelbarkcit seines Karakters hochgeachteten Mannes, der seit den Jahren