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Jeschurun · 1883-03-29 · Heft 13 (29.3.1883) · p. 206

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 13 (29.3.1883)
Article
Deutschland : Köln [Nachricht]
Date
1883-03-29
Page
206 (sequence 2)
Language
German
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Aufgabe im eigensten Kreise sich widmet und Frieden hält mit Protestanten und Juden. <׳.. Müll sie im, 21. März. Die Mörder der beiden Maier, Vater und Lohn Johann nnd Ludwig Liudemer, sind;um Tode 01ט*nvtljcUt worden. Dieselben haben ein Gnadengesuch dem Großhcrzog umcrbrcttcu lassen. Ob demselben entsprochen werden wird» soll sehr;weifelhaft. sein.! — r. Schwalm d), 23. Mär; Die hiesige Tal-! mndschnle hat ihren Rechenschaftsbericht über die Ein- ׳ nahnic und Ausgabe während des Zeilrünnls von ' 187'.)—l 883 veröffentlicht. Die in dieser Periode ' cingcgangcncn Spenden beziffern sich ans <.,^.5246,81,; da- Zinsenerträgniß auf <M. ]<>70,3«;, während die ' Ausgaben für Unterricht und für die Unterstützung i bedürftiger Schüler sich ans J(. 2,93 belaufen.; ES ist demnach nicht nur der Kassabestand vom i. Sept. | 1879 ad JC. l 33,64 außer der gesaiumteu Einnahme! absorbirt, sondern von dem Grundvermögen noch die ' Summe von \i(x 140,12 aufgezehrt worden. Das > Gesammtvcrmögeu beziffert sich am 1. Januar d. I. j noch auf J(. 1)940,09. Die Ansta'.tv erfolgt bekanntlich; den lobenotverthen Zweck, das Thorasludium zu fördern.! Fast sämmtliche Zöglinge haben sich dem Lehrberufe j gewidmet und sind thcils in die t. Präparandcnschule; Hieselbst, thcils in die Talmud Thora-Schule zu; Äurgpreppach eiugetreten. Den Herren Distriktsrabbiner; Wißmann lind P. M. H. Wechsler gebührt das Ber- - dienst, durch uncrmüMtdjc treue Eingebung die Ani stalt in's Leben gerufen »lud erhalten zu haben. Möge der Wunsch dieser würdigen Herren, daß sich an vcrschiedenen Orten geeignete Persönlichkeiten gewinnen ließen, um Beiträge für die Talmudschnlc zu sainmcln, verwirklichen. Desterreich-N ngarn. *\* Pest, 25. März. Der L andcs s anitäts - r a th hat das von dem Ltyireghhazaer Gerichte verlangte Gutachten hinsichtlich der Tisza- Dadaer Veiche endlich erstattet. Dasselbe zeichnet sich leider durch eine gewisse Unklarheit in Betreff der Feststellung des Thatbeslandes ans. Es ist in seinen Behauptungen schwankend. Obgleich zugegeben lvird, daß die meisten Anzeichen auf ein 16.18 jähriges Alter hindeuten, läßt man aber aud) die Möglichkeit eines Abwcichens von 2 Jahren nach oben mid nuten zu. Die Zeit des Eintritts des Todes wird nicht konstatirt; ebenso bleibt es nnentschieden, ob der Tod durch Ertrinken oder durch irgeltd eine andere Ursache herbeigcjührt worden ist; desgleichen wie lange die Leiche im Wasser gelegen; ferner sei es möglich, daß das Haar ausgefallen, obgleich cs wahrscheinlicher sei, daß dasselbe auf künstliche Weise entfernt worden. Und so bewegt sich dieses Gutachten in halben und unentschiedenen Behauptungen und läßt jeder Annähme Raum. Was das Gericht zu )!yiregljhäza M4 diesem Gnlächicu folgern will, ist seine Sache. Der Läüdeösanitätsrath hat nach Weise der alten Orakelspräche die än ihn gestellte Anfrage beantwortet.^ Mö^e Gott den SuM des Gerichtshofes lenken, daß in diesir Mehr als traurigen Angelegenheit die, Wahrheit und nichts Anderes als die Wahrheit zu Tage trete. Die Tisza-Eosiaer Sache dürste jetzt endlich spruchreif werden. Es verlautet, daß Jankel Srnilovies, der voruchmlichstc Belastungszeuge, seine früheren Aussagen sämmtlich widerrufen und deponirt habe, sie seien ihm durch Drohungen abgcprcßt worden. Ferner sott der das Zwangsmittel des ״Schwedcütrüükös" änßewendci häbOM Gefaugönwärter plötzlich entfentt sein. Nicht Ungarn allein, die ganze zivilisirte Welt harret des Ausganges dieses Prozesses bäng entgegen, in welchen jedenfalls j ganz eigeMhninlichb Dinge hincinfpielen. i Rußland.! — Dein ״Nowostl" wird aus Slonim eine! entsetzliche Mordthat berichtet. Bor Kurzem wurde in j der Nähe eines Dorfes int Kreise -LloniM die LctchE! eines ermordeten jüdischen Knaben in einer Grube liegen ' gesunden. Die sofort eingeleitctc Untersuchung stellte; fest, daß im nämlichen Dorfe unlängst zwischen zwei Bauern ein Streit ausgcbrochen war, bei welchem der \ eine dein anderen znm Vorwurf machte, er treibe Zauberei j uud habe ein B^ädchert dazu beredet, sie solle ihm die Zungen von drei jüdischen Knaben verschaffen; als Lohn hierfür würden unsichtbare Geister ihr Gold und Silber in Fülle spenden und sie würde in Glück leben. Diesem Rath sollte das Mädchen auch gefolgt sein und den Knaben ermordet haben, dessen Leiche bald darauf in der Grube gesunden wurde. Serbien. * Wie der ״Lembgr. Jsr." berichtet ist die Lage der Juden in Serbien eine zieinlich günstige. Der Geist der Toleranz ist unter der dortigen Bevölkerung so sehr verbreitet, daß dort eine antisemitische Agitation eine Unmöglichkeit wäre. Oeslerreichische und englische Inden haben völlig gleiche Rechte mit den übrigen Bürgern, nur die eingeborenen Juden unterliegen gewissen Ansnahmsgesetzen, die and) bald entfallen werden, da cs keinem Zweifel unterliegt, daß die Skuptschina, die völlige Eulauzipation der Juden dekretircn wird. Ein Beweis, wie sehr dort die königliche Rcgieruug eine ('Gleichstellung aller Konfessionen au strebt, ist das Faktum, daß dieselbe den Juden Abraham Ozerowie; zum königlichen Mitglied der Skuptschiua cruauutc, uud eine jüngst versuchte antisemitische Demoustration aufs Schleunigste unterdrückt wurde.

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