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Jeschurun · 1883-03-22 · Heft 12 (22.3.1883) · p. 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 12 (22.3.1883)
Article
Aus den Memoiren eines Bettlers
Date
1883-03-22
Page
191 (sequence 2)
Language
German
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191 daß ich diese große Lumme erbettelt habe, um mir eine anständige Existenz wieder zu verschaffen; man staunte mich an und glaubte mir — hielt mich aber für einen Bethörteu, den man gegen seinen Willen zu Kräften bringen wollte. Ich wies die Hospitaltost als meiner Religion zuwider $111־ lief. ES wurden für mich gute, theure, von jüdischer Hand bereitete Speisen beschafft und mir j schwere Weine als Medizin verordnet. Ich hörte, daß die Zeitungen von meinem Falle j berichteten und daran die Warnung für die Juden knüpften, den Bettlern zu mißtrauen, da sie gar nicht so bedürftig wären. So habe man ja erst kürzlich einen Vagabondeu israelitischen Glaubens im Zustande der größten Erschöpfung ausgefuuden, welcher einen Schatz mit sich geführt. Nach sechs Wochen ward ich aus dem Hospitale entlassen; ich hatte neue Kräfte gesammelt; — aber von meinen füusundachtzig Thaleru erhielt ich nur zwanzig mit auf den Weg. Dieser führte mich zunächst auf drei Tage in das Gefängniß, zur Strafe, daß ich zugestandcuer Maßen gebettelt hatte. Ich ward des Landes verwiesen.- Ein Landdragoucr brachte mich zur Grenze. Diese Strafe und diese Begleitung rafften noch seine acht Thaler weg, so daß ich nicht mehr als zwölf Thaler mein eigen nannte. Den größten Thcil hiervon mußte ich den Meinen schicken; ich hatte ja so lange nichts erbettelt. So niedergeschlagen ich auch über diesen Schissbruch meines ertäumten Glückes war; ich verlor den Muth nicht und die Hoffnung. Ich dankte Gott für die wiederverliehene Gesundheit und Freiheit — und begann auf's Nene mit verjüngter Kraft mein Gewerbe ausznübcn; die Erlangung von hundert Thaleru war das Ziel, welches mir vorschweble. HI. Die russischen jüdischen Bettler zerfallen in zwei Hanptklassen; die vornehmen tind die gemeinen. Die ״Vornehmen" sind solche, welche mit Einpfehlungsschreiben und Zeugnissen von Gcmeindevorslünden und Rabbinen ausgerüstet die Neisc durch Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Holland u. s. w. unternehmen. Es sind unglückliche Menschen, welche meistenthcilS ehedem in auskömmlichen Verhältnissen gelebt und selbst die schöne Tugend der Mildthätigkeit geübt haben. Widrige Zufälle haben sie in Armuth gestürzt und, um sich wieder empor zu bringen, sind sie gezwungen, in der Fremde zu betteln. In der Heimath vermag man nicht, ihnen in genügendem Maße zu helfen. Die Armuth ist zu groß; die wenigen Begüterten haben zu viele Bedürftige zu erhalten, daß die auf den Einzelnen entfallende Quote zu gering auSfallcn muß, um einer verarmten angeseheneren Familie besonders wirkungSreiche Unterstützung angcdcihen zu lassen. Es ist dieses zu einem großen Thcilc die Folge der cigenthümlicheu Zustände meiner Heimath. Wir sind durch das harte Gesetz des Staates zu sehr gedrückt und beschränkt in unseren Wohn- und Erwerbsrechten. Man hat uns gegen unfern Willen in einem begrenzten Nanme eingepfercht, wo nicht ׳Nahrung genug für unS Alle zu finden ist. Trotz des ausdauerndsten Fleißes im Handel, beim Handwerke und allen Hanthieruugcn gelingt es den Meisten unter uns nicht, mehr als das Nothdürfligslc für den kärglichsten Lebensunterhalt zu erschwingen. Den vielen gänzlich Armen, den Greisen. Wittwen und Waisen können wir nur ein Stückchen Brod reichen, um sic vor dem Huugcrtode zu retten, trotzdem wir größten THeils das Gebot der Armenspende mit einem Zehntel des eigenen Verdienstes gewisscuhaft erfüllen. Zu den ״Vornehmen" zählen ferner Diejenigen, welche zur Erreichung eines besonder!! Zweckes einer größeren Geldsumme bedürfen, welche zu beschaffen in der Heimath unmöglich ist. Kranke und Gebrechliche, welcheHcitnug in den Bädern suchen; bedrängte Schuldner, die sich, von einem oder mehreren harten Gläubigern befreit, vor gänzlichem Ruin schützen könnten; Väter, welche die Versorgung ihrer Töchter durch eine kleine Mitgift sichern möchten — solche und ähnliche Vcraulassnngeu geben achtbaren, würdigen Männern den Bettelstab in die Hand. <^oovtfctuniij folgt.) Inserate werden die Uspalrige Pctitzcilc oder deren Raum mit l>.'> Pfg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion teinerlci Berannvortung. Inserationoannahme für Frankfurt a. M. auch bei der Buchhandlung von I. Kanffmann daselbst, ohne Prcidcrhöhnng. Knaben, die hiesige Lchnlen besuchen, finden Aufnahme, gctvifsenhasre Bcanssichlignng, Nachhilfe in allen Unterricht^׳ fächern bei M. Schweitzer, Lehrer Frankfurt a. 3N., Obcrmain-Anlage *JO. Beste Referenzen. « Dao Delikate s ׳' e n - & c f ch ä f l / von M. (> . Bloch Nächst., Ham- ■ bnrg, empfiehlt sich mit Lchw.-, } Hoil.- n. imbnrgcr .".äse gru.-: & 1*1! ü.-ticki, על פסח verschiedenen 2 orten H a v a n n a - -Z n <lc r n. allen Lorten K o l o n i a l. LL a a r e n. Ährliiigv-Gcslllh. In meinem Btannfaktnr- und Tnchge. schäsre ist eine A'hrlingöftclle vakant. Kost mtd vogis in! Hanse. Lonnabcnds ge׳ schlossen. Lelbslgeschricbcne Offerten an S. VNeyer NI. tLuskirchcn (Rheinprovinz.)

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