Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1883)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1883-03-22
- Page
- 189 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933009--12219-2952345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
189 inftitiitcn leistet und wie sehr haben sich seine Leiter, denen auch andere bedeutende Glaubensgenossen nachahmten, unter anderen 11m die finanziellen Vorarbeiten und die Gründung der Eisenbahnen und anderer Verkehrsmittcl Frankreichs nerdient gemacht. Zelten finden nur aber auch in der Geschichte ein Beispiel, daß ein Vaud sich so gerecht und erkenntlich den Verdiensten seiner jüdi scheu Bürger gegenüber bewies, wie Frankreich. Fas gebildetste Volk des Alterthnms, Biizrajim, das ein Jude durch seine weisen Nathschläge und Anordnungen staatsökonomischer Arbeiten gerettet Halle, übertrug den Glaubens- und Stammesgenossen eben dieses Mannes nicht die Leitung jener öffentlichen Arbeiten, sondern deren Zwangsansführnng unter der Znchlrnthe und Sklavcnjvch. Fm Mittelalter, wo man von Zeit zn Zeit seine Zuflucht zu der Plünderung der Ersparnisse nahm, die die Inden unter lausend Entbehrungen und Gefahren zu ermöglichen wußten, schloß man dieselben größtenthcils vom öffentlichen Leben überhaupt und von der Theilnahmc an den Slaatsarbcilen oder gar von der Leitung derselben fast gänzlich ans. Frankreich hingegen, ein zivilisirter Staat der modernen Zeit, überträgt in dankbarer, hochherziger Anerkennung einem Inden die ministerielle Leitung der Staatsarbeiten. Die große zivilisatorische Ausgabe eines Ministers der össentlichen Arbeiten ragt in gewissem Sinne weiter, als die gewöhnliche Anschauung anznnehmen gewohnt ist. Die Weltgeschichte beginnt mit der Zerstreuung der Menschen über den ganzen Erdball, sie wird ihren vvrlänjigen Abschluß in deren Wieder- Vereinigung durch die Anerkennung Gottes als einzigen Herrn und Meister finden. Sollte nicht die Erleichterung , des Verkehrs und dessen internationalen Straßen auch; im Dienste dieses erhabenen Ziels stehen'? Sollten! die letzteren nicht auch der Verbreitung und der idealen! Zukunft des Menschengeschlechts förderlich sein? Das Indenthnm hat seit lausenden von Jahren für die ganze Welt die öffentliche Arbeit ׳übernommen, der Bien sch heit Brücken und Wege zu bauen, die sie ans dem materiellen, egoistischen Partiknlarismns hinaus, der den Nationalgcdanken znm Neligionsknltns erhob und sich Nationalgötzen schuf und alles Nichinationale als ״barbarisch" verpönte, zu dem Bewußtsein kosmopolitischer Znsammengehörigkeit führten und zu der alle Weltbürger verbindenden gemeinsamen Ausgabe der Verehrung des einigen einzigen Gottes, des religiösen geistigen Forischritls und der sittlichen Veredelung. Das Indenthnm, wie uns unser hcrliches Schriftenthnm an mehreren Stellen zeigt, achtele eine jede Nationalität, sobald dieselbe sich der Verehrung des Einzigen fügte. Wenn dereinst Jerusalem, das schon heute der ganzen Welt räumlich immer leichter erreichbar wird, den von aller Welt anerkannten Mittelpunkt der Goltesvcr-! chrnng bildet, so wird eine jede Völkerfamilie ihren! Nationalgcdanken nicht wie viel,ach heutzutage in einem; Gegensatz zu der Idee des Indenthnms, sondern im; Gegen!heil in Harmonie nn^ Einklang mit den Zielen : des anserwähl len Volkes zu setzen suchen. Das In- - dcnthnm weist indessen seine Uekenner an, sowohl dem; speziellen Staate, dem sie an gehören, mit aufopfernder : Treue zu dienen, als auch ib ׳.n religiösen Beruf, den! sic als Mitglieder des ״Prie! er-Königreichs" für die ganze Welt zu erfüllen haben, nie ans dem Auge zu ' verlieren. Wir konstatiren 11!׳״ mit Freuden, daß cS; in Frankreich Israeliten gießt, die hohe Würdcnämtcr ' im Staate und in der Stadigemcindc bekleiden und; mit gleichmäßig loyaler Treue ihren Neligionspslichten,! wie ihren Staalspslichten nachzukommen streben. Möge! auch der neu gewählte Minister sich aller seiner Ans- - gaben glänzend erledigen und Frankreichs öffentliche; Arbeiten glücklich leiten. Möge auch das Gcsammt-! jndenlhnm seine össentlichen Arbeiten für alle Nationen; durch treue Beobachtung des jüdischen NeligionsgesetzeS! seitens aller seiner Bekenner so gedeihlich fördern. Es bekämpfen uns heule bei Erfüllung unserer Aufgabe ganze Wellen von Feinden, die in dem steten Aulagonismns zwischen Patriotismus und Weltbürgerthnm einerseits, zwischen Himmel und Welt oder Staat und Kirche andererseits, den Standpunkt des Indenthnms verkennen, das in Harmonie alle diese Gegensätze vereinigt. Die Zeit wird kommen, in der nach dem Worte des Propheten: Die Unebenheiten der Bahn des Völkerlebens geebnet und das gemeinsame Ziel der Menschheit, das Ideal der wahren Gotteserkenntniß erreicht wird durch treue Beobachtung des Ncligionsgcsetzes seitens aller seiner Bekenner N u ß l n 11 d. .../. Petersburg, l D März. Die Kommission, welche die Verhältnisse der Inden einer Revision zu unterziehen die Ausgabe hat, wird nicht mit allzu freudigen Hoffnungen begrüßt. Als ein cigenthümliches Omen tvird es betrachtet, daß der Präsident derselben, der frühere Minister Makow, sich in der Nacht des 1!. d. Bi. entleibt hat, 11111 einer ihm drohenden Untersnchnng wegen Unterschlagung von Geldern zn entgehen. Von Seiten des Unterrichtsministeriums ist in diese Kommission Gehcimrath Gcorgjcivski, zn welchem der vielgenannte U alkoiv in naher Beziehung stehen soll, und vom Finanzministerium Geheimrath Ierm akotv, dem Vernehmen nach depntirt. Außerdem ist Geheiinrath Filippow in diese Kommission entsendet worden. — Möge dieselbe zur Bessergcstaltnng des traurigen Looses der Inden arbeiten; zweifelnd und hoffend richten sich ans sie aller Blicke. — Man erwartet einen kaiserlichen Ukas, ivclchcr die Bcstim-