Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1883)
- Article
- Maariwbetrachtungen
- Date
- 1883-03-22
- Page
- 183 (sequence 2)
- Language
- German
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183 dasselbe, erscheint daö Glück und die Freude begehrenswert!) in unfern Augen, daß wir sie erhalten wissen möchten? ומעביר יום ומביא לילה .,Gott läßt vergehen den Tag und bringt die stächt,ומבדיל פין יום ״ ״ ובין לילהund dadurch erst schasst er den Unterschied zwischen Tag uiib Nacht/׳' nur durch diesen Wechsel kann der Borzug des Lichtes in unser Bewußtsein treten' Würde der stets dauernde Tag, der ewige Frühling, die beständige Jugend uns Freude gewähren, so lange wir an .den Körper, dessen Grundbedingung das Wechselnde ist, gebunden sind? Unbeachtet würden alle diese Herrlichkeiten an uns vorübcrgchcn, als selbstverständlich würden sic genossen werden, der Mensch würde sich Ziele der Sehnsucht schassen, wenn keine vorhanden wären, er würde auf Dinge sinnen, die nach seiner Ansicht nothwendig und nicht vorhanden wären. Nun aber, da Gott durch das Vergehen den Gegensatz geschaffen, nun freut uns die erste Blume des Lenzes, nun sind wir uns mehr bewußt des Werthes der Dinge, die uns nicht bleiben, der Verhältnisse, die sich in ihr Gegcntheil wandeln können, Und statt mit den Anhängern Schoppenhaucrs diese Welt für die schlechteste zu Hallen, weil selbst das Gute nur durch den Gegensatz des Uebeln erkannt und erkauft wird, freuen wir uns über Gottes Schöpfung, die so vortrefflich ist, daß selbst das Schreckliche und Finstere dazu dienen muß, das Gute und Freudige uns fühlbarer werden zu lassen. Und doch, ängstlich schaue ich um mich. Alles, was ich sehe, was ich selbst liebe, ja, was ich dlirch mein Wirken hervorzurufcn beabsichtige, ist dem Wechsel unterworfen. Hastig treibt durch Vermittlung des unmeßbaren Jetzt die Zukunft an mir vorüber und wird zur Vergangenheit, die unabänderlich hinter mir liegt. Auf Trümmer und Gräber vergangener Zeiten und Bestrebungen tretet! unsere Füße, unmerklich wird das, was uns lebend umgiebl, was unfern Stolz und unsere Freude ausmacht, ein Raub der Zeit. So giebt es kein Band zwischen Vergangenheit und Zukunft, und trostlos starrt uns das Gesetz des steten Wiederkaueus gleicher, vergänglicher Erscheinungen entgegen? Tröstlich lauten da die Worte: אל הי וקיפ המיר ״ ימלך עלינו לעולם ועדDer Allmächtige, der Lebendige, er besteht ewig und ewig wird er über uns regieren," ״und ob Alles in ewigem Wechsel kreist, es bestehet im Wechsel ein ruhiger Geist." Ja Licht und Fiusteruiß, Gutes und Böses, Erscheinung mit Erscheinung mag wechseln und der eine Tag sei immer das Grab des andern, alle Zeiten sind dadurch verbunden, das; in ihnen das Walten des ewigen Geistes sich geltend macht, daß seine Zwecke den Gang der Jahrhunderte durchleuchten, er hält das fest und schützt es vor dem Wechsel, was des Bestehens werth ist. Wir dürfen ihn darnnr preisen, den מעריב ערבים, der aber sich selbst stets gleich bleibt bei Tage und bei Nacht. (Fortsetzung folgt.) Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich Aott. I. ('JUIc Rcchtrvorbchallen.!Fortsetzung.) ״Was sagst?" fragte er, indem er sich zu ihr neigte. ״Meine Sachen," flüsterte sie, ״sie sind nicht da—" ״Doch, doch, Dein Packerl liegt dorten auf der Bank. Und sorg' Du nicht, hier konunt nix weg. Aber wenn'S Dir lieber wär, sperr ich'ü Packerl dorten in 'n Kasten. Und jetzt sag', möcht'st ni was nehmen?" ״Wasser,"!nurmclte sie, ״Wasser!" — ״Das ist's Billigste. Aber laus' Kati, hol' frisches aus '!n Brunnen. — Und möcht'st denn ni noch Anderes?" ״Wasser!" wiederholte sie dringender, ״Wasser!" Sic empfand einen brennenden Durst und leerte gierig den vollen Krug, den das mitleidige Mädchen rasch zur Stelle hatte; die junge Bäuerin stützte ihr hülfrcich das schwere Haupt, das Trinken zu erleichtern. ״Dank," flüsterte Mirjam, indem sic kraftlos zurück sank; ihre Augen schlossen sich wieder. ״Ich denk, sie wird schlafen," sprach Toni leise zur Magd, ״aber gieb gut Acht, daß Du thust, wie 's der Bader gesagt hat. Und daß Dir kein Schlaf konunt, hörst? — wenn's Dir zu viel wird, kannst die Nesi gegen Früh wecken und Du kannst schlafen gehn." ״Sorget nicht," cntgegnete das Mädchen, ״eine Nacht halt ich's schon aus, die Nesi kann schlafen, die versteht so nix von so was." ״Mag schon sein," ftinunte der Bauer zu, ״aber Du machst's g'schickt, und mach's nur oft, 's wird Dein Schade ni sein." Er schlich noch zu dem Bette seiner Mutter und theiltc ihr flüsternd mit, daß die Verwundete bereits schlafe; daun verließ er das Zimmer, um in einer anstoßenden Kammer sein Lager anfzusuchen. Mirjam schlief jedoch noch nicht; sie fühlte sich nur so überaus ermattet, daß sie nicht mehr im Stande war, die Augen offen zu halten. Sic hatte des BaderS Bemerkung gehört, daß sie vor vier Wochen nicht im Staude sein werde, ihre Wanderung fortzusctzcn und eine namenlose Angst hatte sie überfallen. Vier Wochen lang allein unter Nichtjuden! In der ersten Erregung wähnte sie, sie werde in