Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-03-15 · Heft 11 (15.3.1883) · p. 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 11 (15.3.1883)
Article
Österreich-Ungarn : aus Siebenbürgen [Nachricht]
Date
1883-03-15
Page
172 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933008--12170-2952272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

das ׳Allernothdürftigstc. Bo wird cs z. B. selbst in der sonst wohlorganisirten Schule zu Karlsbnrg nicht einmal zur vollständigen Aneignung des ganzen Pentateuch gebracht. Daß unsere Jugend mit dem Geiste der Propheten und Hagiographen bekannt gemacht werde, daran ist gar nicht zu denken, vom Talmud gar nicht zu reden. (5s bleibt viel zu hassen und zu wünschen demnach übrig. lieber die einzelnen (Gemeinden nur noch die folgenden kurzen, theils ergänzenden theils berichtigenden ')Notizen. Klansenbnrg zählt .'Km jüdische Familien und zerfällt in zwei Parteien, der orthodoxen j und der Gemeinde. Die erslere unterhält > schon lange eine ישיבת von -t«> bis 50 Jüngern, Karlsj barg hat eine Bevölkerung von 200 Familieic, Maros! Vnsnrhclh eine solche von 120 Familien und theilt sich! wie Klansenbnrg in 2 (Gemeinden. In Dües wohnen loo jüdische Familien: daselbst ist auch eine ישיבת ' mit 20 bis 30 נהוריס. In B. Hu Nh ad ist eine! orthodoxe Gcntcinde von 70 Familien mit einer ישיבת;! in Hiralmas, Berhlcn, Szüßzrügcn und Hcrmannstadt j je eine Gemeinde von 50 — 00 Familien. .Kronstadt; und Fogaras zerfallen in je 2 Gemeinden; erstere hat eine! jüdische Bevölkerung von K>0, letztere von 70 Fantilien. j f Wien, 0. Mürz. Aus der General-Debatte des Abgeordnetenhauses über die Schulnovelle, welche;u dein Resultate führte, die Anträge bcs Herreuhanses j zur Grundlage der Spezialdebatte zu machen, theilc ich j ihnen als beachtensrverth die Aenßernngen der Abae! ordneten Süß und Promber mit. Der Erstere meinte,! ״wenn das Gesetz angenommen wird, bautt wird an! manchen schulen, wo der Lehrkörper jetzt ans Ehristen! besteht, künftig derselbe wegen der Zahl der jüdischen! Schüler jüdisch sein ntüssen und umgekehrt." Ja. wenn es! den Herren rechter Ernst mit ihren Gesetzen wäre, so daß i sic solche auch in der That für und gegen die eigene! Konfession angewendet wissen wollten! Der Andere! machte daraus aufmerksam, daß in Mähren;war jüdische Lehrer, aber keine jüdischen Direktoren vorhanden wären. Der Minister ntögc doch das diesbezügliche; statistische Material mittheilen. — In einer vor bcnt; Kassationshofc verhandelten I c i ch t i g k e i! s - B e s ch n׳ e r de des! Staatsanwalts zu Zloezow bemerkte derselbe über die; Geschworenen, welche den Mörder eines als Wucherer > erschienenen Inden feigesprochen hatten: ״Die Verneinnng der auf Mord gerichteten Hauptfrage bildet einen traurigen Beleg dafür, daß die Geschworenen sich l von antisemitischen Tendenzen leiten oder doch von der | jetzigen antisemitischen Zeitstromnng beeinflussen ließen."! — Auch in den studentischen Kreisen Wiens macht sich i diese Tendenz und Zeitströmung geltend. Der ״Me-! dizinischc Unterslütznngsverein" hat den traurigen AKtlth; gehabt, Beschlüsse;11 fassen, um den jüdischen Kommij litonen die Benesizien des Bereins zu entziehen und! der ״Asylvcrein der Wiener Hochschulen" hat einen ähnlichen Antrag gestellt. Hoffentlich belehrt das Professorenkokleginnt die Herren Stirdenten, daß ״liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" mit zur christlichen Moral gehört. Welcher Verwilderung der Sitten haben wir entgegenznsehen, wenn solche Herzensrohheit unter der hoffnungsvollen deutsch österreichischen Jugend Platz greifen kann? Türkei. * Kvttslairlinopel, 0. März. Der Charge <i* Affaires Englands, Whiidham hat, wie der ״Polit. Korresp." gemeldet kvird, den Auftrag erhalten, von der Pforte Ausschluß zu erbitten über die Ursachen, welche den Kaimakant von Kaifa in Shrieit bewogen haben, die Landung von 120 Inden daselbst, unter welchen sich mehrere britische Unterthanen befanden, trotz des ausdrücklichen Protestes des englischen Vizekonsnls zu verhindern. Wyndham hat sich dieses Aufträges entledigt und dabei zugleich die Pforte daraitf aufmerksam gemacht, daß das Verfahren des Kaimakams von Kaifa eine Verletzung des Prinzips der religiösen Freiheit involvire, welche durch zahlreiche kaiserliche Firmans und internationale Verträge geschützt ist. P a l ä st 111 a. Wie das ״Jewisch Ehronikle" mittheilt, sind in London Briefe von den Aeltesten der Judetigemeinde in Jerusalem angelangt, welche berichten, daß der Begräbnißplatz der Propheten Haggai, Zacharias und Malachias, der seit undenklichen Zeiten von den Jsraclitett im Stande erhalten wurde, in Gefahr steht, von den türkischen Behörden an eine christliche Sekte verkauft zu werden, in deren Absicht es liegt, an dieser Stelle eine Kirche 01 erbauen. Auf das dringliche Ersuchen der Judeugemeinde in Jerusalem hat Rauf Pascha den Abschluß des endgültigen Kaufvertrags sistirt. Es wird jedoch befürchtet, daß. wenn nicht sofort energische Schritte geschehen, der Vertrag rechtsgültig werden, und das Grab des Propheten dem ihm drohenden Schicksale der Entheiligung verfallen wird. ׳Der Platz, der von dem russischen Archimandriten für 80 Pfund erkauft wurde, befindet sich am Abhange des Delbergcs in unmittelbarer Rähe des jüdischen Begräbnißplatzes. Man glaubt deshalb, daß sofort energische Vorstellungen bei der Pforte den geheiligten Platz vor der ihnt zugedachten Desekration betvahren werden. l+l 5ivl!ektiv-Berichle nnb Ungarn. . VII. Auch in dem andern Artikel, aus Nagy-Surany, wurde unser Verlangen nach einer Reorganisation unserer Jcschibolh als berechtigt anerkannt. Der Per-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.