Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1883-03-08
- Page
- 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 ״Israelit" die Situation in Ungarn und schrieben 11. 1U.: ״Haben wir nicht zu besorgen, daß mit der Zeit das Rabbincrscminar in spe zum Stelldichein unserer Bachnrim werden könnte? Ist tiidu;1! befürchten, daß der Köder eines wohl snbventionirtcn, mit Stipendien reichlich versehenen Seminars verlockend ans unsere Icschibahjünger wirken könnte? Es liegt uns wahrlich sein!, denselben religiös.!! Sinn abzm'vrechcn. Wir können und aber doch der Erwägung nicht verschließen, daß ein strebsamer Jüngling, namentlich in Rücksicht ans die von den (Gemeinden heute an den Rabbiner gestellten Anforderungen, daS mächtigc Bedürfnis in sich fühlt, auch profanes Wissen sich anzneignen, um dereinst sich auch als guter Kanzclredner und erprobter Fachmann nm ein Rabbinat bewerben zu können. Unsere ישיבות bieten hier;!! nur im seltensten Falle (Gelegenheit, so daß der in Ermangelung angemessener Anleitung zumeist ans sich selbst angewiesene unerfahrene junge Mann öfters zu den ungeeignetsten Schriften greift, um seinen Wissensdurst zu stillen. Erwägen wir ferner, daß die meisten בהורים von hebräischer iVjrannnatif, נ״ ך und נידרש, ja selbst von פוסק kaum einen Begriff haben und ס"', רס״א, טו׳יז, שי׳ך, בי׳ה, פר״ה n. s. w. nur dem Namen nach kennen, da ihnen in den wenigsten Jeschiboth Gelegenheit geboten wird, sich auch nur mit den Grnndelcmenten der hebräischen Grainatik, Exegese, mit פסוק und פוסק vertrant ZN machen. Bedenken wir außerdem, daß selbst die leidigen Freitische in dem Tagebnchc der בהוריס eine kärgliche und spärliche Rubrik ausmachen, — und ferner das Nomadenleben zahlreicher סחורים in den Mona len Elnl und Adar, wie da die armen Jünger, von NAuh und .stummer getrieben, die große Wanderschaft antreten müssen — von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Hans zu Hans — um im nächsten Semester auf's Nene ein klägliches, kümmerliches Vcbcn zu fristen — — zu welchen Folgerungen müssen wir dam! gelangen?- stur;, die .Stvcinuui eines Rabbinerseminars in Ungarn involvirt für die Orthodoxie in! Allgemeinen und für den Fortbestand von הורה ויראה insbesondere eine Gefahr von unabsehbarer Tragweite, der wir noch vor Thorschluß Vorbeugen müssen. Ich vlaidire keinesfalls dafür, daß man dem in ״kongrcßlicher" Gesinnung und Anschauung;!! errichtenden ein;weites mit orthodoxem Aushängeschild versehenes Rabbinerseminar entgegenstelle — das könnte der guten Sache wenig nützen. Mehr Heil und Gedeihen ließe sich von der Reorganisation der ישיבות erwarten, wie eine solche int ״Israelit" (XIII, *20) angeregt worden ist." In Folge dieser von uns gegebenen Anregung brachte dieselbe Zeitschrift zwei Artikel, welche sich über denselben Gegenstand verbreiteten. Der erste gab die Dringlichkeit unserer Forderung und die Wahrheit unserer Schilderung von dem Zustande der Icsehiboth zu und erinnerte an die große, in der Zeit vom 24. ׳November bis zum 5. Dezember 1868;11 Ofen versammelt gewesenen Synode, an welcher etwa 250 orthodoxe Rabbiner Ungarns theilgenommen. In derselben sei diese Frage eifrig ventilirt worden, seitdem aber hätte sich keine Stimme wieder erhoben, nm dem Sticskindc der orthodoxen Indenheit, den Icschiboth, das Wort zu reden. Wir haben hierzu zu bemerken, daß in dieser imposanten Versammlung, von deren Thätigkeit bebäuerlicher Weise, mit Ausnahme der im ״Magyar Zsido" Nr. 50, 1868 abgedrnckten Bitt- und Denkschrift, welche eine ans 20 Mitgliedern unter Führung des verewigten Oberrabbincrs Schreiber zu Preßbnrg und des Obcrrabbincrs Singer zu Palota (jetzt zu Kirchdranf) stehende Deputation der Synode dem Kultusminister Josef EötvöS überreichte, und eines Berichtes in Nr. 50, 1668 dcS ״Israelit" aus der Feder des Rabbiners Dr. Hildesheimer (jetzt zu Berlin), — bislang nichts in die Oesfentlichkeit gedrungen ist, trotz heftiger und langwieriger Debatten. cS zu keinem Resultate gebracht werden konnte. Die Anschauungen gingen zu weit auseinander. Von der einen Seite verwarf man jede Reorganisation der Icschiboth ״Sollten wir dieselben etwa nach dem Muster deS E.r ״PrivatseminarS" organisiren und פושעים hcranbilden? Nicht nur nicht gestatten, sondern strengstens verbieten müssen wir den בהורים, die Beschäftigung mit profanem Wissen!" Andere meinten dagegen.- ein solches striktes Verbot würde im entgegengesetzten Sinne wirken, denn מים נגובים ינזתקו, das Versagte besitze eine:! besonderen Reiz. Das profane Wissen sei vielmehr den Jüngern auf irgend eine Weise zu verleiden, nicht geradezu zu untersagen. Denjenigen, welche die Ansicht vertraten, daß kein stichhaltiger Grund gegen die ׳Aneignung von allgemeinen Kenntnissen vorgcbracht werden und cs sich nur darum handellt könnte, ob an den Ieschiboth selbst Lehrer dieser Disziplinen angenellt werden sollten, oder nicht, wurde von anderer Seite zugestanden: nun wohl, überlassen wir dieses dem freien Ermessen der Jünger. Mögen sie stndiren, was ihnen gut dünkt, wir wollen cs nicht fördern und nicht hindern; aber Professoren geben wir ihnen nicht. Vergebens ward hiergegen auf das Unlogische einer solchen Haltung hingewiejen; vergebens wurde darauf aufmerksam gcmacht, daß cS doch widersinnig set, einem Unerfahrenen zu gestatten, mit verbundenen Angen einen Steg zu passiren und ihm zu sagen: Gelingt cS Dir, also blindlingS hinüberzukommen, so mag cS zu Deinem Nutzen sein, fehlst Du aber und versinkst in die Fluth, nun, , so ist cs Deine eigene Schuld.