Mannheim
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Jeschurun · 1883-03-08 · Heft 10 (8.3.1883) · p. 155

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 10 (8.3.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-03-08
Page
155 (sequence 2)
Language
German
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155 einem einmüthigen Beschlüsse befthumt, durch ihren I Borstand bei dem Ober-Kirchenrathe dahin vorstellig > zu werden, daß derselbe sich an den Inslizmiuisler mit der Bitte wende, eine Verfügung treffen zu wollen, damit Herr Hapke uicch wieder in die Lage gebracht werde, vor einem jüdischen Richter die Eidesableistung zn verweigern. Der ״Märtyrer" selbst sieht sich aber gemüssigt, gleichzeitig in dem ״Deutschen Tageblatt" öffentlich alle Deutsche, ״welche ihr christlichem und nationales Leben durch die bestehende Einrichtung der Eidesleistung gefährdet sehen," dringend aufzufordern, Petitionen in dieser Sache an den Reichstag, den Landtag iinb den Ober-Kirchenrath zu richten. Er dementirt zugleich die Nachricht, daß er jetzt willig sei. den verlangten Eid vor dem jüdischen Richterabzuleisten. — Die ״Kreuzzeitnng" erklärt die Zeituugs- Nachricht, der Instizminister habe Herrn Stöcker gegenüber seinen besten Willen geäußert, auf bau Verwaltungswege für die ausschließliche Besetzung der Einzelrichterstellen mit christlichen Richtern zu sorgen, für gänzlich unwahr und erläutert in der bekannten Manier, daß in einem solchen Zugeständnis; an die christlich-soziale Partei freilich gar keine Berfassungsfrage berührt würde, da in der Konstitution nirgend besagt fei, daß zum Richteramte zugelassene Juden einen Anspruch auf Einzelrichterstellen erheben könnten? Es geht doch nichts über eine weise Dnterpretationskunst. * Mannheim, 27. Februar. In der heutigen Sitzung des Großh. Schöffengerichts, schreibt die ״Pfälzische Presse", wurde der Redakteur des in Mannheim erscheinenden Antisemitenblattes wegen Beleidigung des Fabrikanten Stern zu Zweibrücken in eine Geldstrafe von 50 Mark und zu den Kosten verurtheilt. Der Gegenstand der Beleidigung ist in Kürze folgender: Am 10. Dezember vorigen Jahres wurde in Reustadt der Delegirtentag der Pfälzischen Gewerbevereiue abgehalten, bei welchem der Verein Frankeuthal durch . die Kan stellte Haschott und Perron (beide Ehristeu), der Verein ^weibrücken durch Fabrikant Stern'(Israelit) vertreten waren. Wenige Tage daraus brachte min der ״Mannheimer Bote" in seinem redaktionellen Theile folgende Notiz: ״Jndenspiegel. Bei der am Sonntag zu Neustadt a. H. im Saalban abgehaltenen Delegirten-Versammlnng der Pfälzischen Gewerbevereine waren die Lereine Zweibrücken und Frankeuthal durch je einen Handelsjuden vertreten; es wurden die Vorlagen der Reichsregierung, das Kranken- und Unfallgesetz berathen. Ist das kein Hohn aus die Gesellschaft?" — Während nun die beiden Frankenthaler Herren diese gemeine Auslassung einfach ignorirten, strengte Herr Stern jenen Beleidigungsprozeß gegen die Redaktion an, welcher den obenerwähnten Ansgang hatte. Msha. Würzbnrg, 5. März. Die jüngst von mir gebrachte Nachricht über den Ankauf eines Bau- Platzes für ein jüdisches Kranken- und Psründnerhans hat leider einen Aufschub erlitten, indem die zuständige Behörde — der Magistrat — welcher größtentheils der ultramoutauen Partei angehört — ans sanitären Gründen die Genehmigung versagt hat. Nicht sanitäre (Gründe allein mögen den hohen Magistrat geleitet haben; denn diese sind im vorliegendem Falle zu untergeordneter Natur, sondern and) ein kleiner Beigeschmack von ״Rischns" scheint mitgewirkt zu haben. In der Nähe des Bauplatzes liegt nämlich eine katholische Anstalt und dessen Vorstand, ein Geistlicher, hat schon vorher beim Löbl. Magistrat eine Eingabe eingebracht, um den Juden den Bau zu verweigern, welcher durch obigen Beschluß entsprochen wurde. Hoffentlich wird die Verwaltung des Spitals sich dabei nicht begnügen und vielmehr den :Rekurs ergreifen; denn es ist nicht das erste Mal, daß von Seiten des Magistrats der Verwaltung Schwierigkeiten bereitet werden. — Vor nicht langer Zeit wurden am Leicheuhanse des neuen israelitischen Friedhofes von ruchloser Hand Fensterscheiben eingeworfen; Üeuerdiugs wurden vor dem Friedhofe die zu demselben gehörigen Bäumchen abgeschnitten. Hoffentlich gelingt es, dem Thärer ans die Spur zu koinmen. Oesterreich-Ultgarn. v. Wien, 28. Februar. Der Verein zur Unterslütznng armer kranker Israeliten hat seinen Rechenschaftsbericht über das vierte Jahr seiner Wirksamkeit erstattet. Die traurige Thatsache, daß in unserer Hauptstadt jahraus jahrein Hunderte von jüdischen Kranken, theils einheimische,!Heils fremde, in den öffentlichen Hospitälern sich befinden, ohne daß für deren Beköstigung nach jüdisch-religiöser Vorschrift Sorge getragen wurde,!rat in ihrer ganzen Größe vor die Seele mehrerer wackerer Männer, und, eingedenk des Gebots ובי ימיך אחיך ומטח ידו עמך והחזקה בו, faßten sie den edelmülhigen Entschluß, sich dieser ihrer wahrhaft armen und schwachen Brüder, die in ihrer Armuth und Krankheit sich nicht zu helfen vermögen und gezwungen sind, entweder ihre (Genesung durch die Enthaltung der in den Hospitälern ihnen gewährten Kost in Frage zu stellen, oder das göttliche Gesetz zu verletzen, anznnehmen. Sie begründeten deshalb diesen Verein, welcher die dreifache Aufgabe hat: den Kranken auf deren Erfordern ״streng rituell bereitete בשר Kost" in den Krankenhäusern zu verabreichen, dieselben zu besuchen und ihnen auf Verlangen religiösen Beistand zu leisten und, smveit es die Vereiusmittel gestatten, nach deren Entlassung aus dem Hospitale sie mit Geld zu unterstützen, Wenn es auch dem rastlosen Eifer des Vereins bis jetzt nicht gelingen konnte, für alle in den Kreis seines

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