Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1883)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1883-03-01
- Page
- 139 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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139 satt)." Eine solche Leistung vermag sich auch nur Herr Stöcker vor ״seinen Leuten" zu gestatten! — Die Be- Werbung um den diesjährigen Preis der ersten Michael- Bccr'schcn Stiftung für jüdische Künstler ist von dem Senat der kgl. Akademie der Künste ausgeschrieben worden. Er besteht in einem Stipendium von 2250 Mark zu einer Studienreise nach 3talicn. Der Präiniirte muß sich in 91011! 8 Monate aufhalten und nach Vcrlauf der ersten 6 Monate der Akademie Bericht über seine Studien erstatten. — Ende vorvcrgangcner Woche kamen 87 russische Flüchtlinge hier durch, um über Paris nach Syrien zu gehen. Das englische Hülfskomite fördert ihre Ansiedelung. Sic werden etwa 15 Meilen von Beirut entfernt sich nicdcrlassen. —h— Memel, 20. Februar. Der Trauernde weilt gern mit seinen Gedanken bei dem thcucrn Entschlafencn; er vergegenwärtigt sich das Bild seines Todten; er erinnert sich der kleinsten Züge, aus dessen Leben, in welchen sich die Eigenthümlichkeitcn des Lcrblichcnen ausprägcn. Und cs gewährt ihm Trost und Beruhigung, wenn er von dem Gegenstände seiner Trauer sprechen kann. Also ergeht cs auch mir. Roch fließen unsere Thräncn um Rabbi Israel Salant נ׳ע, noch erfüllt Schmerz unsere Seele. Der große herrliche Mann steht vor unserem geistigen Blicke, und wir können uns von ihm nicht trennen. Lassen Sic mich von ihm erzählen. — Früh vcrheirathct, lebte er bis zu seinem vierzigsten Jahre etwa in den: kleinen russischen Städtchen Salant. - Damals folgte er einer Einladung nach Wilna, hielt sich später in Kowno und Memel, in Paris und Königsberg auf. Er hat niemals ein Nabbinat bekleidet. Der Inhalt seines hieniedigen Wallens erschöpfte sich in dem Streben, für הורת ועבודה im weitesten Sinne zu wirken. Er ermahnte stets zum ״Lernen," namentlich auch zum Studium von -!2",2 ספחי. Geschäftsleuten empfahl er dringend הושן משפט zu lernen, damit sie über die דינים בין אדם לחברו, die Gesetze über Mein und Dein, wohl unterrichtet seien. — Seine geistige Größe, seine lautere Frömmigkeit, seine Gelehrsamkeit — wer könnte diese schildern?? — Einiges aus seinem Leben möchte ich statt dessen erzählen. An! Freitag Abend betete er nicht ״ .מעריב ::זמנוSoll die Magd, welche während des ganzen TageS gearbeitet hat, etwa eine Stunde länger auf Kiddusch und Abendbrod warten, weil ich frommer als ein gewöhnlicher Iehudi sein will?" sagte er. — Er trug stets Ueberschuhc, um nicht möglicher Weise irgend Jemandem durch Beschulutzen der Hausflur Schaden zuzufügen. — Er duldete in seiner Gegenwart kein לשון ד,דע. Wenn er bemerkte, daß im Lause des Gesprächs eine dritte Person berührt werden könnte, so suchte er der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben; oft sprach er selbst sehr lange, damit ein Anderer nicht dazu kommen könnte, ein Wort לשון הרע zu reden. Als hier einmal einige Bekannte Zit ihm von פושעים sprechen wollten, rief er entrüstet: ״Haben Sic sich von nichts Anderem als von לשון הרע zu unterhalten!?" — Ein פסק דין von ihm am hiesigen Orte mag auch für weitere Kreise Interesse haben. Die Gcsctzcstreuen in hiesiger Stadt besoldeten seit langer Zeit ihre שוחטים, und diese standen in keinem Berhältniß zl!r Synagogengemcinde. Da cngagirtc diese einen Schochct und Ehasan, der als ירא שמים und als zuverlässiger שו״ב bekannt war. Trotzdem erklärte Nabbi Israel alles von diesen! Geschlachtete als טרפות, weil die Gemeindevorsteher, denen dieser שו״ב unterstellt war, die jüdischen Spciscgcsctze nicht beobachteten. Außerdem, daß er seinen פסק ans der הלבה begründete, erklärte er: Wenn mir die Unchrlichkeit eines Kauflnanneö bekannt wäre, würde ich dann seinem Kommis Vertrauen schenken bei Dingen, die sich meiner Kontrolle entziehen? Gewiß nicht, auch nicht, wenn der Betreffende ein ehrlicher Mensch sein sollte. Ich würde mir sagen, er steht in! Dienste seines Herrn und wird vielleicht manchmal seinen Anordnungen!licht widersprechen können. Wenn wir im praktischen Leben so verfahren, warum da, wo cs sich um unser Seelenheil handelt anders denken! 7!אס תבקשנו בבם war oft sein Ausspruch, mögen wir Gottes Wort mit solchem Willen und solcher Energie nnszusühren suchen, wie wir bestrebt sind, irdische Güter zu sammeln! Später gelang cs ihm, einem Paragraphen in die Statuten der Gemeinde Aufnahme zu verschaffen, wonach die שוהטים einer besonder!! Kommission, die!!!!raus gewissenhaft religiösen Inden bestehen darf, unterstellt sind. Sein Hauptwünsch, die Bildung einer besonderen gesetzcstrencn Geineindc an! hiesigen Orte blieb leider unerfüllt. — Als er zum ersten Male unser neu erbautes Bcth haniidrasch betrat und benierkte, daß die Frauen von der Männcrabthcilung aus gesehen werden konnten, da unterbrach er den הזן in Mitte הזרת הש״ע und ließ nicht eher weiter beten, bis ihm von den Vorstehern versprochen wurde, daß dein Nebel abgcholfcn werden sollte. Sein letztes Werk war die Bildung eines Vcreins zur Unterstützung von jnngcn Leuten, die sich ganz den! Thorastndiun! widnicn und sich zu רבנים ausbilden. Hierbei wirkte er vereint mit den! Kownocr Rabbiner und beide gaben zusaminen ein Werk heraus, עין פרי betitelt, dessen ganzer Erlös den! Verein znslicßt. Gegenwärtig werden nahe an!00 meistens verheirathcte Leute unterhalten, die wohl alle dereinst מורי הוראה בישראל sein werden. — ״Damit das Thorastndiun! in Rußland nicht in Verfall gerathc, wie cs leider anderswo geschehen ist," gab er als Zweck des Vereins an. Möge die Lichtsaat, die der Verewigte ausgeslreut hat, herrlich ausblühen, zurEhreGottes und zun! Heile Israels!