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Jeschurun · 1883-03-01 · Heft 9 (1.3.1883) · p. 133

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 9 (1.3.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-03-01
Page
133 (sequence 2)
Language
German
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Auch ein Thor. wenn er schweigt, kann für weise gelten, Für einsichtsvoll, wer seine Lippen schließt. (K. 17, 28.) Wer seinen Mund und seine Zunge hütet, — (b. h. wer überhaupt nicht viel spricht und bcdächtig ist in dem, was er spricht.) Der hütet vor Leiden seine Seele. (K. 21, 23.) Antworten, bevor man recht gehört, Gereicht zur Thorhcit und Beschämung. (K. 18, 13.) Sichst du Jemanden vorschnell im Reden, Ein Thor hat mehr Hoffnung als der. (K. 29, 20.) Bei jeder Anstrengung giebt's einen Gewinnst, Aber beim Lippenwort ist'S nur zu Schaden. (K. 14, 23.) * So thöricht aber und schädlich das unnütze Wort ist, so weise und wohlthucnd ist das rechte Wort, und nicht nur in ihren Handlungen, ganz besonders auch in ihren Reden und durch ihre Reden unterscheidet der Pflichtbeflisscnc sich von dem Pflichtvergessenen, das höchste -veil wie das höchste Unheil wird durch Worte gepflanzt, die größten Verbrechen wie die größten Tugenden durch Worte geübt. Mund, Zunge und Lippe gebrauchen unsere Spruche als Ausdruck für Reden, und bezeichnen mit Mund die Thätigkcir der Rede überhaupt, mit Zunge den besonder« Inhalt des Gesprochenen, die Lippen sind ihnen aber die kontrollircnden Wächter der Rede, die im Oeffnen und Schließen, im Reden und Schweigen ihre Thütigkeit bewähren. Nur Segnungen entstammen dem Haupt des Gerechten, Der Gesetzlosen Mund aber will nur Unrecht verbergen. (K. 10, ß.) Ein Quell des Lebens ist der Mund des Gerechten, Der Gesetzlosen Mund aber will nur Unrecht verbergen. (K. 10, 11'.) Wie ein nichtswürdiger Zeuge des Gerichtes spottet, So verhüllt des Gesetzlosen Mund das Unrecht. (K. 19, 28.) Der nichtswürdige Mann bereitet Unglück, Und ans seinen Lippen ist vernarbtes Feuer. (K. 16, 27.) Mit allen geistigen Fähigkeiten seines Wesens will der Pflichtbeflisscnc nur Segen schaffen, eine Quelle des Lebens ist sein Mund, jedes Wort, daS sein Mund aus seinem Innern zur Aenßcrnng bringt, schasst Leben, ist bestimmt, in Geist und Gemüth des Hörers als ein Samenkorn des Heiles anfzngehen. Dem Pflichtvergessenen dient der Mund aber nicht, um die Gedanken seines Inneren zu äußern, ihm hat sein Schöpfer die Gabe der Rede nur gegeben, um die Gedanken seines Innern zu verhüllen, daS Unrecht, das er beabsichtigt, zu verbergen. * Entwöhne dich jeder Krümme des Mundes, Und Haltlosigkeit der Lippen entferne von dir. (K.4, 24.) Auch nur blinkend mit den Augen kann Einer Schmerz bewirken, Wer aber mit Lippen unweise ist, geräth in Irre. (K. 10, 10.) Wer herzcnswcise ist, greift nach Pslichtgcbotcn, Wer aber mit Lippen uuwcisc ist, geräth in Irre. (K. 10, 8.) Keine größere Hebung zur Pflichttreue gicbt eS, als die ernste Aus'.u.erksanileit auf seine Rede, und keinen Weg zur immer fortschreitenden Selbstvollendung, als den ernsten Vorsatz, das stille Gclöbuiß vor Gott, seinem Munde keine Krümme, keine Abweichung vom (Geraden zu erlauben, und לזות, Haltlosigkeit (לה^לזה nnfest sein, schwanken) der Lippen von sich fern zu halten, die Qeffnnng und Bewegung seiner Lippen nicht dem Ungefähr zu überlassen. Bedarfs ja nicht einmal eines Wortes, kann doch selbst nur die Aenßcrnng eines Gedankens durch einen Blick des AügcS unendlich wehe thnn. Wessen Herz daher Anlage und Streben nach Weisheit hat, der greift nach ..Pflichtgcbotcn," der sucht sich den Gehorsam gegen die Gebote der Pflicht durch Gewöhnung zu eigen ,;u machen, und zu dieser Uebnug giebt der weise Gebrauch des Wortes in jedem Augenblick Gelegenheit. Wer aber die Kontrolle seiner Lippen nicht übt, sich nicht an Gewissenhaftigkeit in seinen Reden gewöhnt, der lvird auch in seinem Thnn לגט —) ילבט verw. mit ילפתו ארהות דרכם ,לפת Job. ß, 18.) — ans Abwege gerathen, und Gefahr laufen, seinen ganzen Lebenswandel den Ernst der Gewissenhaftigkeit vermissen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Mrillhimigm über die Jiiknfni!}? in DcuWlüld. IX. Es ist nicht unsere Absicht, uns gegen die krassen Ausgeburten des vortirtheilsvollen, fanatischen Hasses zu wenden, welcher, in dem Bewußtsein der Unwahrheit seiner Anschuldigungen, die Tugenden der Juden übertrieben darstellt, um ausrufen zu können: seht, so ist cs ja wahr, der Semite ist uns Ariern weit überlegen an allen sittlichen und geistigen Vorzügen; er muß uns überflügeln und zurückdrängen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens; wollen wir nicht nntcrgehen, so müssen wir für unsere Selbsterhaltung kämpfen; eS

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