Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1883)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1883-02-22
- Page
- 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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126 Bittschrift brm Minister deS Innern überreicht, in welcher ne um die Erlaubnis; nachsnchcn, ans den UruginSkischen Jahrmärkten <dem Pokrow'schen und Krcjchlschcnslij'schen) wie früher handeln zu dürfen. li. I). K. ׳Ans Nuftland, 11. Februar. Als ich meine einleitende Korrespondenz für Nr. 2 dieser geschätzten Zeitschrift niederschrieb, dachte ich nicht, daß die nächste eine Trauerbotschaft zu verzeichnen haben werde. Und eine Trauerkunde tiefergreifender, niederdrückender Art ist es, die ich gegenwärtig zu berichten habe. Rabbi Israel Viptin, bekannter unter dem Namen Rabbi Israel Salauier, ist ant 25. Schwat in Königsberg verschieden. Ist diese Nachricht geeignet, in alle jüdische Kreise, wohin der Nus dieses wahrhaft großen und bcrühnttcn ManneS gedrungen die regste Thcilnahmc zu erwecken, so ruft sic bei uns, in dem Vandc seines eigentlichen Wirkens nnd StrcbcnS, bei den zahllosen Schülern nnd Verehrern deS Dahingeschiedenen namenlose Trauer nnb ttnnennbaren Schmer; hervor. Nächstens hoffe ich, einen ktirzen Lcbeusabriß dicieo großen Genies in diesen Blättern zu veröffentlichen, denn ich glaube, eine Darstellung der hohen Bedeutung, der vielen Verdienste und unschätzbaren Tugenden eines solchen Mannes den Lesern deS ״Iesclmrun" nicht vorenthalten zit dürfen. Die Wirkung, welche die Nachricht von dem Eintritt deS Rabbi Israel Salaiuer in Städten wie Wilna. Kowno, t^rodno, Minsk n. s. n׳., wo zahllose hervorragende Talmndisten sich zu seinen Schülern rechnen, hervorruft, ist eine geradezu erschütternde nnd entzieht sich jeder Darstellung. Bei den Trauerreden, die schon bis jetzt in den vielen Bet- und Lehrhäusern von gewandten und tiesergrifsenen דרשנים und פפדגים gehalten worden sind, war das Klagen nnd Iammern ein allgcutcincs, als ob ein jeder der Hörer einen seiner . nächsten Verivandten zu beweinen hätte. תלנל״ד הנס שנלת חני2 קדפ״ן — Einer so allgemeinen hohen Verehrung, einer so nngethcilten allseitigen Anerkcnnung seiner t^röße hatte sich vielleicht seit bcn Zeiten des weltberühmten unsterblichen Wilnaer גאון keiner zu crsreuen. Doch ich will meiner anssührlichen Lebensbeschreibung nicht vorgreifcn. פיניי^יניה. Amerika. New 2)vrk, 5. Februar. Die ״Hebrew Emigrant Aid Society of the United Stateo" hat ihren Rechenschaftsbericht pro 1882 veröffentlicht, welcher mit einem ktirzen historischen Ueberblick über die ritssische Emigration in Amerika einleitet. Der Herbst 1881 brachte etwa 1500 russische Flüchtlinge nach den Vereinigten Staaten. In Folge dessen konslituine sich ein ״Russisch-jüdisches Komitee", welchem erhebliche Geldmittel aus den antcrikanischen Genteinden zusiossen, außer der von der Pariser Alliance gesandten Summe von 50000 Franken. Doch bald stellte sich die Noth- Wendigkeit heraus, die einfache Organisation zu erweitern, unb so bildete sich im Dezember 1881 der Eingangs crrvähnte große Verein, welcher die Geschäfte deS Komitees und dessen Kassenvorrath von 1886 Dollars übernahm. Obgleich die Einwanderung von Januar bis April 1882 fast gänzlich ruhte, so war doch vorauSzuschcn, daß bald nach dem Passahfeste dieselbe in großer Ausdehnung wieder beginnen würde. Es galt, sich hierauf vorznbereitcn. Versainmlungcn wurden abgchalten, Ausrufe erlassen, man setzte sich mit Europa in Verbindung. In London, Wien, Berlin und anderen europäischen Städten entstanden KomilcS, deren Zweck war, die namentlich nach Brody in starken Zuzügen anlangcnden unglücklichen russischen Juden nach Amerika überzuführen. Ein Abgesandter deS amerikanischen Vereins, Herr Ekling er, verhaudelte persönlich mit diesen Komitees und betonte namcntlich das Recht der Amerikaner, die Qualifikation der ihnen zu sendenden Emigranten festzustcllen. In der großen zu Berlin abgehaltenen Versammlung, in welcher die verschiedenen Komitees vertreten waren, wurde eine Uebereinkunft dahin getroffen, daß das Londoner ״Mansion House Eommitce" die Einschiffung der Flüchtlinge nach Amerika übernehmen, Deutschland aber sich darauf beschränken sollte, dieselben nach der bestimmten englischen Hafenstadt zu dirigiren. Dieser ModuS war aber den Komitees der deutschen Hafenslädte zu langwierig, und von Hamburg, Stettin und anderen Häfen auS wurden selbstständige Verschiffungen nach Amerika vorgenommen. Dieses Vorgehen war verhängnisvoll. ES kamen Leute in Folge dessen nach Amerika, welche für dieses Land ungeeignet waren, und zwar in einer Anzahl, welche in gar keinem Verhältnisse zu der Leistungsfähigkeit deS amerikanischen Vereins stand. 20000 Personen übcrflutheten auf diese Weise das Land. Es brachen Mißhelligkeiten zwischen den! amerikanischen und dem Londoner Komitee cncS. ES wurde den! erstcreu vorgcworfen, daß eS nicht auf die religiöse Ueberzcngung der Flüchtlinge gebührend ׳Rücksicht nähme. Die Grundlosigkeit dieses Vorwurfs wird in dem Berichte nicht behauptet; er beschränkt sich vielmehr darauf, anznführeu, daß trotzdem Schaaren orthodoxer Juden von Europa hinübergesendet wurden. ES ist sehr zu bedauern, daß sich der Bericht hierüber nicht klar ausspricht, ebenso, daß die Verhandlungen mit Herrn AatcS, dem Vertrauensmann deS Londoner Komitees fehlen. ES sind bis jetzt von der Emigration etwa 1000 nach Europa zurückgekchrt. 1-1000 sind׳ in der einen oder andern Weise von den Vereinen unterstützt worden. Es wird den Flüchtlingen das ehrende Zeugniß ausgestellt, daß eö durchweg