Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1883)
- Article
- Schweiz : Basel [Nachricht]
- Date
- 1883-02-22
- Page
- 125 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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125 beide Th eile gut standen und nur der Jude teer ausging. Minder wirksam, wohl aber aufregender dürfte das Vorgehen eines Züricher landwirthschaftlichen Vereins sein, der vor kurzem eins seiner Mitglieder mit Ausschluß bedrohte, wenn er nicht binnen Monatssrist einem jüdischen Viehhändler die Mielhe in Hof und Scheune künde. Wucherer und Geschäftemacher trieben es im Kanton Zürich so arg, das; mau endlich nöthig fand, das Strafgesetzbuch mit neuen Besinnnnmgcn über den Wucher zu ergänzen und Geld unb Gefängnißstrasen feslznsctzen. Die ln eisten dieser H a l S a b s ch n e i d e r sind a b e r $1 ichtjnden! L.Kögen nun die Ausbeuter beim Bnndcsrath über Beschränkung ihrer Gewerbefrciheit sich beschweren! Ihrer rastlosen Betriebsamkeit verdankt der Kanton Zürich zum guten Theil, das; seine B o d en s ch u l d l a st seit 1S42—.1881 von 181 3(iUlOO Frks. auf 625401 120 FrkS. sich gehoben hat. England. 8. Liverpool, 0. Februar. Mitte Januar d. I. wurde hier ein alljährlich zum Vesten der hiesigen Spitäler stattsindender öffentlicher Gottesdienst mit Predigt in allen Kirchen und Synagogen abgchalten. Das Ergebnis; der eingeleiieteu Sammlungen war 7600 Livre Sterling, wozu die beiden Synagogen 120 Livre Sterling beitrugen. — Ein;11111 Besten des hiesigen israelitischen Frauen Wohlthätigkcitsvereins für arme Wöchueriunen und Kraule im Stadthanse abgehalteuer Ball ergab ein Ncinerträguiß von 812 Livre Sterling (Hi 240 Marl). Der Mayor der Stadt und dessen Frau crösfucren den Ball und waren fast alle Honoratioren der Stadt;ngegen. Der Verein leistet sehr Ersprießliches. — Der jüdische Kaufmann Herr George Vehrend wurde hier;11111 Friedensrichtcr (Jiistice 01' tlie Peace.) ernannt, desgleichen auch Herr W.Aar onsbcrg, Optiker in Manchester.— Dem hiesigen Rabbiner Dr. Stern wurde die Ehre zu Theit, zum Mitgliede des Ausschusses der hiesigen literarisch-philosophischen Gesellschast. sowie des Komitees zur Sammlung des Fonds für die Spitäler erwählt zu werden. F r a n k r e i ch. *** Paris, 18. Fcbr. Von den vielen Professoren jüdischer Konfession der verschiedenen hiesigen Universitätsinstitutc erwähnen wir heute den Professor des Eollcge de France, Herrn Oppert, einen geborenen Hamburger, dessen Arbeiten über die Assyrischen Keilschriften in den ersten Jahrgängen des Ieschnrnn erwähnt sind. Dieselben bieten uns interessante Euthüllnngeu. unb Belege für viele Stellen des jüdischen SchriftthnmS. Herr Professor Darmstcdter, dessen Namen wir ebenfalls unter der Zahl der Lehrer des Rabbiner - Seminars siguriren sehen, ist für den Lehrstuhl der französischen Sprache und Literatur des Mittelalters angcstellt worden. Es dürfte dieser gelehrte Forscher, dessen Resultate für die Kcunlniß der Entwickelung der französischen Sprache allgemein bewundert werden, am Besten im Stande sein, den großen Wortschatz altfranzösischer Sprache, der sich in Raschi's Koiuiiientaren der heiligen Schrift und des Talmud finde!, für uns zu verwerthcn. Die Sitzungen der verschiedenen Akademien, die in dem Institut de France regelmäßig stattsindcn bringen uns von Zeit zu Zeit Nachrichten, die uns Inden speziell interessiren. Kürz-!ich ivar dort von Ehebron in Palästina die Rede. Der Beiname ״Kirjath Arba," Stadt der Vier, wird auf die Grabstätten Adams, Abrahams, Isaaks und Jakobs gedeutet, die nebst ihren Gattinnen dort ruhen. Die Muselmänner lassen heute Niemanden nahen; eine Ausnahme, die jüngst für den Prinzen von Wales gemacht wurde, ließ demselben auch nur eine sehr oberflächliche Besichtigung zu. — Herr Schäfer theiltc der Akademie nach einem alten Manuskripte den Bericht eines Augenzeugen mit, der vor etwa 750 Jahren den Untersuchungen beiwohnte, die nach der ersten Einnähme Palästinas durch Gottfried von Vonillon an diesen ehrwürdigen Stätten vorgeuommen wurden und nach langem Suchen von einem nnterirdischen Gewölbe;um anderen schließlich zur Auffindung der Gebeine führte. — Zn den Mitgliedern der verschiedenen Fachabtheilnngcn der Akademie gehören viele unserer Glaubensgenossen; hingegen wurde unseres Wissens bis jetzt noch nie ein Jude unter die sogenannten ״Vierzig Unsterblichen" der Akademie Franuaise geivählt, die durch Kooptation sich stets ergänzen und in deren Mitte das Prinzip der Gleichheit nur allmählich sich Eingang verschaffen wird. Rußland. * Petersburg, 12. Februar. In dem Gebiete der donischen Kosacken exisiirt ein Gesetz, wonach den Inden nicht nur jeder Handel, sondern auch der Aufenthalt in diesem Lande verboten ist. Dieses Gesetz wurde, nach der ״Germania", aber bisher fast gar nicht berücksichtigt, und die Inden konnten ungestört handeln. Unlängst aber wurde ihnen, wie die ״Nedelja" berichtet, als sic eben ihre Buden für den bevorstehenden großen Kreschlschenskij -- Jahrmarkt aufgeschlagen halten, vom neuen Landrichter befohlen, ihre Buden sogleich abzubrechen und die Waarcn wcgznschaffen, widrigenfalls dieselben konfiszirt würden. Die Inden kamen diesem Befehle nach, haben aber außer einer Beschivcrde an den Hetman locum teuens eine