Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1883-02-22
- Page
- 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933005--12011-2952057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 über den im vergangenen Jahre eingetrctenen Glaubensuicdifcl in Äicn das Folgende: Es sind 181 Personen von der jüdischen Konfession zur katholischen Religion übcrgctrcten, und;war l<>1 männliche und 80 weibliche Personen. Unter den Konvcrtirlcn sind 0 Aerzte, 3 Professoren, :1 Advokaten resp. Advokatnrskandidaten, 2 Lehrerinnen, 10 Dlndenlcn. '2 Offiziere, 3 k. k. Beamte, 1 Rechtspraktilant, 4 Journalisten, 1 akad. Blaker, 1 Bankier, 12 5la!1fIcute und Praktikanten, 27 ׳Buchhalter, Kommis und Privatbeamlc, 2 Dichaujpiclcr, 2 Dchanspielcrinnen, 1 'Musiker, 7 Handwerker Dieser Ausspruch ward auch von der ungarischen Negierung zu Recht anerkannt, das Landrabbinat aufgehoben und jeder einzelnen Rabbinatsgenteinde das Ünabhängigkcits- und Delbstständigkeitsrecht für immer zuerkannt. Das Licht allgentciner Bildung leuchtete bis vor zwei Dezennien, aus ׳Mangel an Leyrinstitutcn, nur schwach und matt. Karls bürg gebührt der Ruhm, im Jahre 1800 eine wohl vrganisirte, mit allen Dchulmitteln ausgerüstete, den Ausordcrungen neuerer Zeit vollinhaltlich entsprechende, der Gemeinde eigenthümlichc 4klassigc jüdische Knabenschule errichtet zu haben, an welcher stets 3 tüchtige Hauptschullehrer und Bnchdrncker, 4 Arbeiter, 32 Arbeiterinnen, 1 Eisenbahnbedienstetcr, 2 Dienstboten. Die größte Zahl der weiblichen Konvertirtcn bilden Jene, welche, um eine Ehe mit Ehrislcn einzugehen, aus dem Judenthumc getreten sind. Das Alter der Konvertirtcn bewegt sich vom 14. bis zum 04. Lebensjahre. Die inciftcn Männer traten im 38.. die meisten weiblichen Personen im 25. Lebensjahre aus dem Judenthumc. Anderseits fanden auch eine Reihe von Konversionen zur jüdischen Religion statt, und zwar sind 4 Katholiken (3 männ-!ich, 1 weiblich), 1 Protestant (weiblich), 2 Konfessionslose lmännlich) zum Judenthumc, welches sic vor Jahren aufgcgebcn haben, wieder zurückgekehrt. Endlich sind zum Judenthumc übergelreten: Katholiken: 11 männlich, 23 weiblich, zusammen 34; Evangelische: 1 männlich, 1 weiblich, zusammen 2; so dag demnach die Dumme sämmtlicher bei der Deelsorge der Innern Dladt zum Judenthumc übergegangener Personen im Jahre 18.82 die Zahl von 43 beträgt. \V. Amitai. 2111$ Siebenbürgen. (Forschung.) Duccessive bildeten sich auch faktisch durch Dislokationen mehr und mehr neue Gemeinden, die sväter zu Nabbinalen geworden, so dag die ans .30 000 Deelen bestehenden siebenbürger Judenheit gegenwärtig 13 Rabbiner hat *) Diese Rabbimuc unterstanden durch eine lange Reihe von Jahren der Oberleitung des Karlsburger Vandrabbinats. Doch im Jahre 1809 sollte eine neue Aera anbrechen. In Anbetracht dessen, daß Diebenbürgen in Ungarn seit mehreren Dezennien einvertcibt wurde, beantragte der im Jahre 1800 cinberufene und in Pest tagende israelitische Kongreß, damit Diebenbürgen vor Ungarn keine Prärogative habe, daß das Vandrabbinat seine Existenzberechtigung verlieren solle. 3m 'Jlckire 18:10 wohnten in den jcpt rcspeklnblen Heincindcn n׳ic .Ülnnscnbnrg, Muonft.ibt, .vceinnnswdt, Marcw Vi'isürhetn, Sz!'n';r׳'-gen tl)eii>> noch ijar keine,!heilnur sehr wenige Inden. Allmä'hlig enlsrnnden geößeec Kolonis.uionen, 1'iS endlich im 3.ihre 181)0 nnsehnliche Gemeinden nndiaatc in lüicheinnng getreten. L^o ivcis! heute D׳-cS 100, Herm.instadk 5,0. Ul.niscnhnrg 2—Nos), Nronftndt 70—80, sächsisch Aegcn .">8,!'taro^ Bnsnrhcü) 100 jüdische yamüicu auf, die zumeist ihre Rabbiner haben. wirkten. Diese Dchnle profperirte unter der unermüdlichen Opferwilligkeit und Ausdauer der Gemeinde- Vertretung derart, daß sic jetzt alle 3 Jahre ein ziem׳!ich gut vorbereitetes Dchülerkontingcnt für das Gymnasium liefert. Mit Bedauern!nuß ich es doch hier konstatircn, daß dieses gute Beispiel Karlsburgs auf dem Gebiete der Jngendbildnng bis auf den heutigen Tag nirgend zur Nachahmung -ansporntc und noch jetzt vereinzelt dasteht. Für den allgemeinen Dchulnnterricht geschieht in den meisten hierländischen Gemeinden gar nichts, und in den übrigen wenigen wird den Kindern nur durch privaten Unterricht einige Kenntnisse beigebracht. Das Gelehrte erreicht aber kaum den Grad der Mittelmäßigkeit, da es an solchen Orten an fachmännischer Kontrolle und sachverständiger Inspektion vollständig mangelt und gewissenhafte, verläßliche, treue, gesinnungstüchtige Lehrer, die keiner Kontrolle benothigen, überhaupt leider nur selten anzutreffen sind. Noch trauriger ist es aber in solchen Gemeinden bestellt, wo den Anforderungen des profanen Dchulivissens nur durch Actheilignng an den nichtjüdischen Orts- oder sogenannten Simultanschulen Rechnung getragen wird, während für den Unterricht der Religion, tut jüdischen Elementarnnd Fundamentalwissen in וז׳נ׳ך nur sehr spärlich oder gar nicht gesorgt wird. Jorcsttzung folgt.) S chweiz. * Basel, 12. Febrnar. Eine A ntiscmitcnbewegung im Kleinen zuckt auch in der Dchweiz, so meldet die ״Angsb. Postzlg.", in jenen Kantonen, die mit einer reichlicheren semitischen Bevölkerung gesegnet sind, von Zeit zu Zeit ans. Dem Bestreben, jüdischen Geldwncherern das Handwerk zu legen und sie zu vertreiben, verdanken mehrere kleinere Leihkassen, verbunden mit Dparkassen, ihr Dasein. Um den jüdischen Vieh- Händlern enrgegenznrreten, vereinigten sich die Gründer solcher Kassen znin Ankauf von Racenvieh, das sie unter den Bauern versteigerten und wofür der Preis mit mäßigem Zins in leidlichen Terminen an besagte Kassen zu zahlen war, — ein Bersahren, bei dem sich