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Jeschurun · 1883-02-22 · Heft 8 (22.2.1883) · p. 123

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 8 (22.2.1883)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1883-02-22
Page
123 (sequence 2)
Language
German
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123 Mitgliedern befinden sich anch die Herren Sigmund Hinrichsen, Dr. I Wolfsohn und Dr. May. * München, 11. Februar. Der Vermaltungsgcrichtshof hat folgenden Entscheid publizirt: Die Bestimmung in 8 1 des Indenedikts vom 1<>. Juni 1813, dag nur diejenigen jüdischen Glaubendgenossen, die in diesem Edikte ausgesprochenen bürgerlichen Rechte und Vorzüge erwerben, welche da? bayerische Jndigenat auf gesetzliche Weise erhalten haben, ist als durch die neuere Gesetzgebung aufgehoben zu erachten. Auch nicht bayerische Israeliten haben sich, sofern sie in Bayern Wohnsitz nehmen und so lange sic solchen Wohnort beibehalten, der Kultusgemeinde, welcher ihr Wohnort zugethcilt ist, anznschließen und zu den Bedürfnissen derselben zu lonkurriren. W. Wreschen, 14. Februar. In der am 11. d. M. hicrselbst stattgcfnndencn Repräsentanten- Sitzung der Synagogen-Gemeinde machte Herr Gemeindcvorstchcr Abraham.Iaffe die Mitthcilung, daß er ans der Gemcindckassc einen Betrag zur Ehrenslistnng gelegentlich der Silbernen Hochzeitsfeicr unsere? Kronpriuzlichcu Paares an das Zentral-Komite zu Berlin abgcsandt habe. Die Versammlung genehmigte einstimmig diese Ausgabe. Bei dieser Gelegenheit erbat sich das Mitglied der Repräsentanteu-Versammlung Herr Marens Köttner das Wort und hielt eine kurze Ansprache an die Versammelte!!. Der Redner gedachte in echt patriotischer Weise der hohen und!nichtigen Bedeutung des Silbernen Hochzcitssestcs und wies auf das ruhmrcichc Wirken unseres allverehrten Kronprinzen hin, sprach die innigsten Glückwünsche für das hohe Jubelpaar ans und forderte die Versammelten zu Ehren des Kronprinzen und der Kronprinzessin auf, von den Sitzen sich zu erheben. Oesterreich-Ungarn. * Prag, 11. Februar. Die ״Köln. Volksztg." meldet: Professor Nohling'S Broschüre: ״Meine Antworten an die Rabbiner" ist in der Prager ״Eyrillo-Method'schen Buchhandlung" erschienen. Ein Mitglied des juristischen Professoren -Kollegiums der deutschen Universität soll versucht haben, die theologische Fakultät zur Abgabe eines judeusrenndtichen Gutachtens über Tisza-Eszlar und den rituellen Mord zu bewegen. Die Gebetenen dürften dem Würzburger Beispiel folgen. — —t. Pest, 18. Februar. In der Freude über den Verlauf der Iudeudebatte dürfen wir ein weseutliches Moment nicht außer Acht lassen. Wohl gelangte die Stimme des Rechts zur Geltung — aber war es die volle Wahrheit, das unbedingte Recht? Zog nicht durch die Verhandlungen ein Ton, welcher den reinen Akkord der Siegcshymne über den Triumph der Wahrheit trübte? Was soll es heißen, wenn in Andeutnngen oder in klaren Anssprüchen ans der Reichswgshalle die Mahnung oder Erwartung in das Land hinansgeht: der Jude sei zwar in seiner vollen Gleichberechtignug zu schützen, aber — er müsse nach und nach seine Eigenthümlichkeit, sein Iudenthum, ansgeben?? Wahrlich, dazu hätte cs nicht unseres ״aufgeklärten" Jahrhunderts bedurft! Um solchen Preis hätte den Juden schon im finstern Mittclaltcr die Emanzipation gewinkt! Die Inden haben cs aber verschniäht, mit den! Heiligsten einen solchen Schacher zu treiben. Gleichheit, Freiheit, Besitz gelten ihnen als begehrcnswcrthc Güter — aber ihr religiöses Leben und ihre religiöse Ueverzcugung waren ihnen dafür nicht feil. Sie gaben Alles preis, verzichteten aus Alles, erdulbeten Alles — und bewahrten sich und ihren Nachkommen das kostbarste Gut: ihr Indcnthum. Uno sie haben cs im Laufe der Jahrhunderte gezeigt, daß sie mit ihrem Gesetze im Arme treue, hingcbendc Unterthanen und Bürger zu sein wußten und Niemandcm nachstanden in der Bethätigung eines echten Patriotisinns. Deß ist anch die ungarische Geschichte Zeuge bis in die Gegenwart hinein. Unsere freisinnigen Abgcordneten haben aber durch dergleichen '))Mahnungen und Erwartungen gezeigt, daß auch bei ihnen noch nicht das alte Vorurtheil gänzlich überwunden, daß sic sich zur Höhe einer Anschauung noch nicht cinporzuschwingen vermochten, welche auch die religiöse Eigenthümlichkeit Andersdenkender achten und ans derselben keinen Vorwnrf erheben will. — Ferdinand Horanszty hat sein Mandat als Verthcidiger von Adolph Junger und Genossen, den in der Tisza-Eszlarer Affaire Mitangeklagten, ans dem Grunde uiedergelegt, weil das Untersuchungs-Verfahren ״zu allem Andern Anlaß giebt", nur nicht dazu, den Thatbestaud aufzuhellen. — Die Frauen der schon seit zehn Monaten im Gefängniß schmachtenden Angeklagten hatten dieser Tage eine Audienz bei dem Iuslizmiuisler Pauler, welcher ihnen versprach, sein Möglichstes zur Herbeiführung eines Abschlusses dieser traurigen Angelegenheit zu thun. Wenn die gegen den Untersuchungsrichter Vary erhobenen Anschuldigungen sich bewahrheiten sollten, so würde er der Strafe nicht entgehen. — Der Ausschuß des Abgeordnetenhauses hat mit 4 gegen 3 Stimmer beschlossen, die von dem Oberstaatsanwalt nachgesuchte Erlanbniß zur strafrechtlichen Verfolgung dcS Abgeordneten Jstoezy wegen eines Aufsatzes ״Das vcrjudete Ungarn" int Plenum zu beantragen. — Szalay und Onobtj werden aus der Fraktion anstreten müssen, weil die Unabhängigkeitspartei die Antisciniten förmlich desavouirt hat. Wien, 1 o.Fcbr. Das hiesige״Frcmdenblatt" berichtet

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