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Jeschurun · 1883-02-15 · Heft 7 (15.2.1883) · p. 107

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 7 (15.2.1883)
Article
Deutschland : Altona [Nachricht]
Date
1883-02-15
Page
107 (sequence 2)
Language
German
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107 ihren Beitrag nicht mehr zahlte, daher auf Grund des Statuts dem Vereine nicht mehr angchörte, wurden die 1200 Mark der dritten Schwester zuerkannt. Diese ging in letzter Zeit eine Mischehe ein und erhob infolge dessen auch keinen Anspruch auf den Gewinnst, welcher dem Verein zu Gunsten einer Extraverloosuug .;»fiel. Hiergegen protestirte die zweite Schwester unter dem Vorwände, dem Vereine wieder bcitretcn, cvent. für die rcftircnden Jahre nachzahlen zu wollen und erhob daher ohne Verloosnng Anspruch an die 1200 Mark, worauf der Vorstand jedoch nicht einging. Jetzt will dieselbe mit dem Verein prozcssircn; der Vorstand läßt es darauf ankommen. Dies zur Klarstellung der Angclcgenheit. * —n— Berlin, 11. Februar. Die Juden sind doch an Allem Schuld! — möchten die wackeren Wächter an ’ des Landes Marken, die ״Grenzbotcn", glauben machen. Der ״zweite Pariser Krach", so doziren sie, kommt lediglich auf Rothschild's Schuldkouto. Er war im Jahre 1812 das ״zersetzende Element für das französische Finanzwesen". Er hatte ja seine Studien als ״Kipper und Wipper" gründlich in der Frankfurter Judcngasse betrieben! Der Erweis für diese Behauptung ist gar ergötzlich in der Nr. 4 zu lesen. Freilich gehört ein Glaube, welcher Berge versetzt, dazu. 11m das hier Zusammcngcstelltc als Beweismatcrial zu erachten. Das thut aber nichts; es giebt solche gläubige Gemüther — darauf rechnen eben die biedern ״Grcnzboten". — Herrn Hapke's Eidcsvcr- Weigerung spielt noch immer eine beliebte Nolle in konservativen Kreisen. Der würdige Herr Pastor hielt kürzlich in dem konservativen Bürgervcrein der Hamburger Vorstadt einen Vortrag ״von dem Rechte des deutschen Volkes auf Pflege seiner christlichen Jnstitlltionen" und meinte sehr naiv, er habe ja gar nicht den Eid verweigert, sondern nur verlangt, solchen, entsprechend seinem christlichen Bewußtsein, in die Hände eines Glaubensgenossen abzulcgen.- Rührende Einfalt, die dem Strafrichter in herabgeminderter Pön um 150 Mark verfällt! — In dein illüstrcu konservativen Zentralverein des zweiten Berliner Wahlbezirks wird cs von dem Herrn von Maltzahn als die Pflicht eines jeden Deutschen bezeichnet, zu erhalten und zu erkämpfen, was das christliche Bewußtsein erheische. Sein Antrag verlange nur ein Minimum in dieser Richtung. — Großes Leid bereiten auch die Ziffern der Schüler und Lehrer au den Berliner Schulen. Nach der ״Köln. Volksztg." soll das jüdische Element au höheren Lehranstalten 18,3 pCt. und nur 1,35 pEt. an den Elementarschulen betragen. Unter den 663 au städtischen Gcmeindeschulen wirkenden Lehrerinnen sollen 500 evangelischer, 41 katholischer und 33 mosaischer Religion sein. 33 ist viel zu hoch, meint die ״Köln. Volksztg.", cS dürften - höchstens 9 sein! Warunr wollen die Juden auch sich in solcher Menge eine höhere Bilduitg aneignen; warum sind auch die jüdischcn Lehrerinnen so tüchtig! Das muß anders werden! — wenn cs gewissen Leuten eine £11ft sein soll, im heiligen Deutschen Reich zu leben. — Auch in den entlegensten Theilcn des Vaterlandes treibt der hier gepflegte antisemitische Keim herrliche Früchte. Da berichtet das hiesige ״Tageblatt" aus Aurich einen Vorfall von dem uatioualliberalen Hrndtagsabgeordnetcn Tannen, welcher öffentlich erklärt haben soll: ״Den Juden müßte alle zehn Jahre das Geld abgcnommen werden," ״die. Juden seien gar leine Deutsche!" Die ״Germania" ergötzt sich natürlich an diesem Bekenutnissc eines Nationallibcralcn, was nran ihr cigentlich auch gar nicht verdenken kann. —e— Breme», 11. Februar. In unserer freisinnigen, auf den in ihrer Mitte herrschenden konfessionellcn Frieden mit Recht stolzen Stadt, waltet augenblicklich eine gewisse Aufregung, hervorgerufen durch eilte öffentliche Erklärung des Herrn Pastor O. Funcke. Derselbe hatte am 2. d. LN. in der ״Börse" einen Vortrag gehalten über welchen der ״Eonricr" ein eingehendes Referat brachte u!td hervorhob, daß sich der Redner als ein entschiedener Gegner der antisentilischen Bewegung bekannt habe. Herr Funcke fand sich aber gcnöthigt, gegen diese Supposition energisch Verwahrung eiuzulegen und die folgende Zuschrift an die 'Redaktion zu erlassen: ״In Betreff des so wohlwollenden und ausführlichen Referates über meinen am 2. Februar gehaltenen Vortrags, bitte ich folgcitde Berichtigung anfzuuehmen: Nachdent ich entwickelt hatte, daß laut göttlichen Wortes noch eine allgemeine Bekehrnng des Volkes Israel zu hosferi sei, sagte ich wörtlich: .Wir foiHcu uns durch den Antiscmitislnns, der uns Allen im Blute steckt und der in unserem Jahrhundert, auch unter wahren Ehristcn, so seltsame Blüthen treibt, den Hellen ehrlichen Blick in Gottes Wort nicht verdunkeln lassen/ Ich habe mich also nicht, wie das Referat sagt, als entschiedener Gegner alles Antisemitismus ausgesprochen, sondern weiter gesagt, daß die Juden jetzt nicht nur ncrslucht von der Welt, sondern auch aUcvmcift ein Fluch der Welt׳ seien, daß sic aber, nach ihrer Bekehrung, das große Missions- Volk (nicht ״Mustervolk") werden würden. O. Funcke, Pastor." Herr Funcke ist Pastor au der ״Friedenokirche" und sein geistlicher Beruf sollte ihn unseres Erachtens zur Erhaltung des Friedens,;nrPflcge der Liebe erinahncn. Kennt er denn nicht die Mahnung zur Liebe? ״Wenn ich mit Menschenuub mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich au tönendes Erz, oder eine klingende Schelle; und wenn ich weissagen könnte — und hätte allen Glauben, also, daß ich

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