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Jeschurun · 1883-02-15 · Heft 7 (15.2.1883) · p. 106

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 7 (15.2.1883)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1883-02-15
Page
106 (sequence 1)
Language
German
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106 tugendhafte Hanna wäre für Jeden begehrenSwcrth gewesen. Ich hatte sie auswachscn gesehen, — fromm und hold, — aber niemals gewagt, die Augen zu ihr zu erheben. Dennoch — oder vielleicht deshalb — war ich ihr nicht mißfällig, und vertrauensvoll reichte sie mir ihre Hand. Der Pater beeilte die Hochzeit. Er wollte die Augen nicht schließen, ohne seine Tochter als meine Gattin zu wissen. Schon nach drei 'Tagen fand in dem Krankenzimmer die Trauung statt. Nach einer Woche ftmt&cit wir weinend an deS Paters Bahre. — Als Joseph heimkehrte und die Peränderung, welche in seiner Abwesenheit stattgesnuden hatte, erfuhr, raste er iu toller Wuth. Ich suchte ihm in Nutze zu begegnen, bot ihm die Theilhaberschaft am Geschäfte an, — vergebens! Je mehr ich ihm zurcdctc, desto heftiger wurden die Ausbrüche seines ZornS. -״Du hast den Alten umgarnt und die Tochter bestrickt, Elender," rief er; ״Du hast ntcine Entfernung auSgeuutzt, um Dich durch Dein scheinheiliges Gebühren hier einzuuisten! Mir gebührte die Tochter, mir das Geschäft! Ich habe für den Alten gearbeitet, mich abgeplagt — fünfzehn lange Jahre! Du saßest fein daheim — derweilen ich draußen schasste. Und jetzt kaperst Du mir den Lohn vor der Nase weg! — Hanna ist mein, und das Geschäft ist mein; ich sollte hier der Herr sein und Du müßtest Dich bedanken, wenn ich Dir das Gnadeltbrot reichte! Fluch über Dich! Ich werde es Dir gedenken!" Er raffte seine Habscligkeitciten .zusammen und verlies; daS HauS. Mein Weib klagte in banger Angst: ״Er lvird sich an uns rächen, wird uns iu'S Perdcrben stürzen!" Ich aber suchte sie zu trösten und verwies ihr dieses sltrchtsame Hinausschauen in die Zukunst. ״Gott wird uns beistehen;!vir sind uns keines Fehls bewußt;" war mein Gedanke. Und er war mir gnädig; sein Segen begleitete ntich in meinem Erwerbe, sein Segen ruhte auf meinem Hanse. In Glück und Frieden verrannen Jahre. Fünf liebe Kinder weilten im Hause, sorgsam behütet und mit ernster Milde erzogen von meinent trefflichen Weibe. Ich arbeitete rastlos, aber freudigen Sinnes, und sah die Frucht meiner Thätigleit in den! allmäligen Wachsen unseres bescheidenen Wohlstandes. Goetsctzuug folgt.) Korrcspo1ldc!l;cu und Nachrichten. Deutschland. * Hannover, 13. Februar. Der dritte Jahresbericht des PereiuS zur Unterstützung der Schüler der BilduugS-Austalt für jüdische Lehrer zu Hannover, welcher kürzlich erschienen ist, legt ein erfreuliches Zeichen von der Rührigkeit und Umsicht der Verwaltung ab, deren Streben dahin geht, mit der Zeit die Unterbring ung sämmtlicher Schüler in ein Internat zu ermöglichen. Der Anfang dazu ist im abgclaufcnen Rechnungsjahre 1881/82 mit 12 Schülern gemacht worden. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wird darin eine wahre WohUhat begrüßen. In dein Internat, welches unter Aussicht eines in deinselben wohnenden Lehrers steht, wird in gewissenhafter Weise für die religiose Lebenögewöhnung der Schülcrjowohl, wie für deren körperliche Pflege musterhaft gesorgt Trotz der schwierigen Verhältnisse ist eS dem rastlosen, hingebendcn Eifer des VereinSvorstandcS gelungen, die nicht unerheblichen Mittel anfzubriugcn und den eisernen Fonds zu vermehren. Der Verein zählt 247 hiesige und 273 auswärtige Beitragende. Er nahm von denselben 7314,05 Mark ein. Die Zuwendung anS Stipendien und Zuschüssen aus der Heiurath der Schüler beliefen sich auf 4180,02 Mark. 31 Schüler wurden möglichst ausreichend unterstützt. — Möge bei* Verein ans der bisherigen Grundlage in feinem Wirken fortfahren und recht bald durch die Hochherzigkeit seiner Freunde sich in den Stand gesetzt sehen, ein eigenes Grundstück zur Errichtung eines den Bedürfnissen entsprechenden Internats zu erwerben. —11. Altona, 9. Februar. Unser Gemeindebudgct pro 1883,4 balanzirt mit 90140,81 Mark. — Die Hauptuud Kasscnvcrwaltuug weist eine Mehrausgabe von 15370,40 Mark, die Schulverwaltuug eine solche von 4131.20 Mark, die StiftSver- Wallung eine solche von 1500 Mark nach; diese drei Kapitel ergeben also ein Defizit von zusammen 21007,00 Mark. Dagegen liefert die Einnahme einen Ucberschuß: anS Gruudstückerträgnissen 20192,80 Mark, aus der Shnagogenverwaltnng 844,80, ans den Begräbnißintraden 30 Mark, zusautnten 21007,00 Mark. W ׳Altona, 11. Februar. In Betress des in Nr. 6 dieser Zeitung crwühttten Prozesses, welcher dem AuSstattnngSverein droht, erlaube ich mir zur Richtigstellung den Thatbcstand ausführlich mitzutheilen. Drei Schwestern waren Mitglieder deS Vereins; die älteste gewann 1200 Mark, starb jedoch nach Verlauf von einigen Jahren. In einem solchen Falle geht laut Statut der Gewinnst an die nächste Schwester über; da aber die eine der beiden Ueberlebcnden zwei Jahre lang

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