Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-02-15
- Page
- 101 (sequence 2)
- Language
- German
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101 Selbstlosigkeit, die mit allem guten Schassen und Wirken, nur seine Pflicht zu thun bemüht war, die heute schon nicht mehr daran denkt, was er gestern gethan und an jedem neuen Tage nur die erneute Pflichtaufgabe begrüßt — weis; gar nicht wie reich er ist, welche Schätze er für die Ewigkeit gesammelt. — ES kann daher Einer מפזר, mehr als es seine Pflicht ist, ausgcben, und mit jeder solchen Ausgabe nur reicher werden, wenn die Zwecke, für welche er es hingiebt, zu denen gehören, mit welcher בופר נפשו ge- Wonnen wird. Hinter den: יושר, hinter dem Pflichtgemäßen Zurückbleiben, weniger als recht ist geben, macht jedoch arm. צדקה nennen wir das Wohlthnn, es ist nicht Etwas, das in unserem Belieben steht. Es gehört zum צדק, ist unsere Pflicht. Dem Armen daher das versagen, was ihm von uns znkommt, wird geradezu עושק, Rechtsversagung, und עושק דל, und wer dein Armen das ihm Gebührende vorenthält, um das Seine damit mehr sein zu lassen, wer da meint, daß das so dem Armen Borenthaltcne, ihm, den! jedenfalls Reichern, zu Gute kommen werde, der irrt sich ganz gewaltig. Ja, dein Armen die ihm gebührende Spende vorenthalten, ist geradezu schmähende Nichtachtung seines Schöpfers In; Namen seines Schöpfers nnd Gestalters seines Geschickes kommt ein Armer vor uns, einen von Gott auf uns gezogenen Wechsel prüsmtirt er uns. Wer einen solchen Wechsel nicht honorirt, der spricht seine Nichtachtung dessen aus, der ihn mit seinem Anspruch an uns gewiesen, und Gott ehren heißt Gewährung des אפיק, der allerdings, wenn wir hart sein wollten, sich unserer Härte ״fügen" müßte und uns darob nicht vor einem menschlichen Gerichte belangen könnte. * נפש ברכה, wo aber nicht blos die Hand, ja nicht blos das Pslichtbewußtsein gicbt, wo die Seele fegenfreudig ist, Freude hat an dein Segen, den sie stiftet, ja keine größere Seligkeit kennt, als ״Gottes Almosenier" zu sein und Segen um sich zu verbreiten, die תדושן, die gewinnt im Augenblick des Wohlthnns unvergleichlich größeren Genuß, als der Arme und Unglückliche, der, wie groß auch immer, eine nach Menschenkrüftcn bcschränkte Wohlthat aus ihren Händen empfängt, .ומרור גם הוא יורא, eigentlich: wer wie der Regen eine lechzende Flur, so ein lechzendes Gemüth erfrischend tränkt, der fühlt in dem Augenblicke selbst eine noch höhere erquickende Frische, indem er sich ja als יורה Erfrischung bringender ״Regen" fühlt. Es ist aber mit א׳ geschrieben, um hier im Gipfel des Seligkeitbewußtseins mit ernster Scheu jede — alles Berdicnst tödtende — Selbstüberhebung znrückzudrängcn. Und, meint unsere Spruchweisheit, noch Kind und Kindes Kind wird von dem Gute zehren, was der Ahn gethan, während das in Sünden erworbene, in Sünden besessene Vermögen dem Sünder und den Scinigcn nicht bleibt, vielmehr, wenn gleich צפון, ans von uns nicht geschauten Wegen, zuletzt pflichtgetreueu Händen zu Gute kommt. KctrchtMgen Uber die Jiikiifnujc in MnWlind. VII. Mit dem Maße, mit welchem man Andere messen will, muß man auch sich messen; das Prinzip, nach welchem Anderer Verhältnisse bcnrtheilt werden sollen, muß auch für die eigenen zur Anwendung kommen; ״was Du nicht willst, das man Dir thu', das füg' auch keinem Andern zu!" Wer dieses nicht beherzigt, wer diesem zuwider handelt, verstößt gegen Recht und Moral — gegen christliches Recht nnd christliche Moral sowohl, wie gegen jüdische. Dieses Bewußtsein wurzelt tief in dem Herzen edler Deutscher. Wie auch immer die Zukunft die Judcufrage beantworten möge, — Eins steht fest: dem vor zwei Jahren beginnenden Sturm auf die Rechte der Inden haben sich fast auSnahmslos die Magistraturen der Städte entgegenstcllt; und wir verweilen gern bei jener berühmten Ansprache der geistig hervorragendsten Männer christlichen Glaubens ans allen Kreisen der Wissenschaft und des Gewerbes, welche ״au die Christen aller Parteien, denen die Religion die srohc Botschaft vom Frieden ist, an alle Deutschen, welchen das ideale Erbe ihrer großen Fürsten, Denker und Dichter am Herzen liegt," den Ruf ergehen ließen: ״verthcidigt in öffentlicher Erklärung imb ruhiger ״Belehr!! ug denAoden unseres gemeinsamen Vebens: ״Achtung jedes Bekenntnisses, gleiches Recht, gleiche ״Sonne in! Wettkampfe, gleiche Anerkennung ״tüchtigen Strebens für Christen und Inden;" und ein gefeierter Gelehrter, einer der bedeutendsten Geschichtsforscher der Gegenwart, (Mommsen) hat diesem Bewußtsein in dem Aussprache Ausdruck verliehen: ״Selbstverständlich ist unsere Nation durch ״Recht und Ehre verpflichtet, die Juden in ihrer ״Rechtsgleichheit zu schützen, sowohl vor offenem ״Rcchtsbruch, wie vor adminislrativcr Prellerei; ״und diese unsere Pflicht, die wir vor allein nnS ״selbst schnldcn, -hängt keineswegs ab von dem ״Wohlverhaltcn der Inden." Wohin sollte es auch führen, wenn in einem Staate, welcher sich aus verschiedenen Stämmen und NcligionSbekennern zusammensctzt wie der deutsche, der eine Stalnm