Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1883)
- Article
- [Nachricht] / J.
- Date
- 1883-02-15
- Page
- 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ozar Agadoth die Lehren und Aussprüche wörtlich und ganz vor uns, und zwar in sorgfältigster Zusammenstellnng. Zu jedem Schlagwort als z. B. הידוז ,דאגת sind die betreffenden Stellen so geordnet und mit genauer Angabe der Seitenzahl so versehen, daß wir dem Führer sorglos vertrauen können. Der Alterthumsforscher, der Prediger und der Agadafrcund finden darin zwar nicht, wie in der Hamburger'schcn Ncal-Encyclopädie für Bibel und Talmud die gesuchten Themen bearbeitet und dargestellt, aber nichts desto weniger freut man sich, hier die Texte zusaunnengestellt zu haben, die dort zur Verarbeitung gekommen sind. Der Verfasser verspricht, dem zweiten Hefte bald das dritte folgen zu lassen. Wir empfehlen dieses sehr nützliche Buch zur baldigen Anschaffung. J. Bon eflmfoit Raphael Hirsch. (Fortsetzung.) IV. Rechter Gebranch des Reichthttttls. Mancher hält sich für reich und hat nicht das Geringste, Mancher sich für arm und hat großen Reicht hum. Ist doch des Mannes Seelen - Lösgeld sein Neichthum Und arm ist, wer auf keine Mahnung gehört. (13, 7. 8.) Mancher spendet Viel nnd erhält damit nur mehr, Sich aber selbst dem Pflichtgemäßen entziehen, gereicht nur zum Mangel. (11, 24.) Wer dem Armen das ihm Gebührende vorenthält, um sein Gut zu mehren, Der meint sich, dem Neichen, Etwas zn geben und cS gereicht ihm nur zum Verlust. (22, IO.) Wer dem Armen das ihm Gebührende vorenthalt, schmäht seinen Schöpfer, Und Ihn ehrt, wer dem Dürftigen Gewährung zuwendet. (14, 31.) Gierig nach Vermögen ist der Mißgünstige Und weiß nicht, daß damit Mangel ihn übcrkommt. (28, 22.) Wer dem Armen gicbt, hat damit nicht weniger, Wer seine Augen entzieht, wird au Uusegen reich. (W. 27.) * Die scgeusreudigc Seele gewinnt selbst Befriedigung, Und der Erquickende trügt selbst Erquickung in sich.- (II, 25.) Der Gütige läßt noch KindeS Kinder erben, Für bcn Pflichtgetrenen bleibt bewahrt des Sünders Vermögen. (13, 22.) * Ohne Rinder bleibt die Krippe rein, Reiche Ernten liegen doch in des Ochsen Kraft. (14, 4.) Wer Korn zurückhält, den verwünscht die Bevölkerung, Segen aber wird dem Haupt des Korn-VcrkäuferS. (II, 26.) * Nicht aufgespeichcrtcs Vermögen uiacht reich, gut; zu guten, Gott wohlgefälligen Zwecken aufgcwandtes Vermögen, darin besteht der wahre Neichthum. Gar Mancher hält sich daher für reich und ist doch bettetarm, und Mancher glaubt sich arm und hat doch reiche unvergängliche Schätze. Das höchste כופר נפשו, die Sühne für seine Seele, das Löscgcld für die Einzelexistenz soll mit dem Vermögen gewonnen werden, die Unnvandlung der vergänglichen Güter der Erde in geistig sittliche ewige Zwecke, das ist das Ziel, für welches Gott den Menschen auf Erden gesetzt und ihm seine Welt zu Füßen gelegt. Als sein Ebenbild soll er mit allen seinen Kräften und Mitteln und seinem ganzen hieuiedigen Sein die Wahrheit und die Sittlichfeit, das Recht und die Liebe auf Erden Pflanzen und pflegen. Nicht mit dem Besitze, mit der Verwendung der ihm verliehenen Kräfte und Mittel gewinnt sein Dasein Berechtigung, wird auch seine Selbsterhallung Gott zugcwandte Pslichtthat: mit dem, was er giebt, wird auch das, was er für sich behält und verwendet, geheiligt, wenn er es nur für sich behält und verweltdet, um dann um so tüchtiger und kräftiger für Gottes Welt schaffen und wirken zn können. Erst spendend genjiuut er ein Recht zu sein in Zeit und Ewigkeit und כופר נפש איש עשרו, und so wird der Neichthum des Mannes zum Lvsegeld für seine Seele, und das zum Lvsegeld für seine Seele verwandte Vermögen ist sein wahrer Neichthum. Was du aufspcicherst, geht dir verloren, was du pflichttreu verwendest, bleibt dein ewiges Gut. (Vgl. 2. Ä. M. 30, 12. Pf. 49, 7—9.) Der Besitzende aber, der die aus der Gottcslehre und den ihn treffenden Gottcsschickuugen :n ihn gelangenden Mahnungen zur pflichttreuen Verwendung seines ׳Vermögens überhört, der ist in Wahrheit der Arme. Er ist arm selbst so lange er noch im äußeren Besitz seines Vermögens sich befindet, nnd wenn, wie unsere Sprüche doch gewarnt, sein Neichthum sich Flügelmacht, dann hat er cs versäumt, mit den vergänglichen Gütern sich Schätze zu erwerben, die sich ״keine Flügel machen." Daher meint unsere Spruchwcishcit: gar Mancher dünkt sich reich unb ist doch blutarm, und Mancher hält sich für arm und weiß — in seiner bescheidenen, edeln