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Jeschurun · 1883-02-08 · Heft 6 (8.2.1883) · p. 95

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 6 (8.2.1883)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1883-02-08
Page
95 (sequence 2)
Language
German
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95 die in Deutschland mehr für die Gelehrten von Fach reservirt bleiben, auch dem Laicnpublikum verständlich zu machen. Selbst bei rein philosophischen Vorträgen kann man häufig genug die Mannigfaltigkeit der Zuhörerschaft bewundern, die sich hier zusammenfinden: Greise, Jünglinge, Herren und Damen, Arme und Reiche. Selten sicht man wohl sonstwo auch eine solche Reihe mit hocharistokratischen Wappen geschmückte Karossen vor den Hörsälcn halten, wie cs hier vor der Sorbonne und namentlich vor dem wenige Schritte davon entfernten Kollege de France der Fall ist. Im letzteren hält auch der berühmte Ernest Dienern seine Vorträge über die Psalmen. In der Ansicht, die dieser Gelehrte in seinem Gutachten über die bekannte Blutbeschuldigungs-Ang'elegenheit ausgesprochen, nämlich, daß die Anschuldigung die absurdeste und eine monströse Albernheit sei, stimmt er ein Mal mit der Uebcrzcngung der Kirchenfürsten überein, von deren Meinung er sonst, himmelweit entfernt ist. Der Wortlaut seines Gutachtens ist ׳eigentlich erst spat öffentlich bekannt geworden und in hiesigen Zeitungen kaum erwähnt. Es sollte nämlich absichtlich vermieden werden, in einer französischen Zeitung einem französischem Publikum den Schimpf anzuthun, die Voraussetzung für möglich zu halten, als könnte cs in dieser zivilisirtcn Nation Jemanden geben, der erst von einer Autorität wie Neu au belehrt zu werden brauchte, daß die Juden keine Menschenfresser sind. Möge die Nation, die solche Gutachten nöthig hat, sich beeilen, die Urheber derartiger Ausgeburten des Hasses so empfindlich zu bestrafen, daß für die Zukunft die Wiederkehr einer solchen Beschnldigung zur Unmöglichkeit wird. Rußland. * Petersburg, 31. Januar. ES kam hier zu einem kleinen Judcnkrawall, welcher aber glücklicherweise keine weitere Ausdehnung fand. AuS einem Laden wurde ein betrunkener Bauer hinansgewiesen. In Folge dessen drang der Pöbel in das Lokal und schlug Alles kurz und klein. — Es soll ein UkaS erlassen sein, durch welchen sämmtlichcn ״Wnndcrrabbis" der Aufenthalt in Podolien, Volhynieu und der Ukraine verboten ist. P e r s i e n. * Der Schah hat, wie österreichische Zeitungen melden, ein Dekret erlassen, welches von dem Geiste der reinsten Duldung diktirt ist. Es hat den folgenden Wortlaut: ״In Anbetracht der vielen Gnaden, mit denen uns der Allmächtige fortwährend überhäuft, in Anbetracht der hohen Gunst, die uns zu Thekl ward, die Krone Persiens tragen zu dürfen, und in Anketracht der heiligen Pflichten, die uns als Regent obliegen, haben wir cs uns stets zum Grundsätze gemacht, allen unseren Untcrthanen, ohne Unterschied des Glaubens, des Stammes, der Sprache und des Standes gleichen Schutz und gleiches Recht angedeihen zu lassen und sic alle gleichmäßig mit dem Wasser unserer Gnade zu tränken. Wir verordnen daher, daß die in den beiden Städten Kermau und Jesd lebenden Feueranbeter, welche Nachkommen der alten Parsen sind und noch heute der Lehre Zoroasters huldigen, die von ihnen bisher entrichtete besondere Glaubenssteucr im Betrage von 845 Tomaus (4500 Mark) nicht mehr zu leisten brauchen, da sie von nun an gleiche Rechte mit den Muhamedancrn haben sollen. Dieses Dekret muß strengstens befolgt werden. Gegeben in unserem Palaste zu Teheran im Jahre des Pferdes und nach der Hcdschira 1289." Möchte sich die gleiche gerechte und humane Gesinnung auch gegen die Inden des persischen Reiches bcthütigcn. Inserate werden die Ispaltige Petitzcile EX Ä* cf Für den Inhalt derselben übernimmt bie oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. % •V 4־ H; V׳ Redaktion keinerlei Verantwortung. Jnscrationsannahmc für Frankfurt a. M. auch bei der Buchhandlung von I. Kanfsmann daselbst, ohne Preiserhöhung. Israelitische Heil- und Pflege-Anstalt für Zierden- und! Gemüthskranke I zu Sayn bei Koblenz a. Nh. \ in getrennten Abtheilnngcn und Gebäuden (Bäder, Elcctrotherapie, Heilgymnastik re.) , Ausnahme zu jeder Zeit bei mäßiger Pension. Abtheilung I. Die seit 12 Jahren bestehende und gegenwärtig wieder durch schöne und entsprechend eingerichtete Neubauten bedeutend vergrößerte Heil- und Pslcge-Anstall fnr GcmuthSkranke. Abtheilung H. Villa für Nervenkranke und Lcichtverstimmtc-, auch in Gesellschaft von Angehörigen. Abtheilung lll. Grziehungö- und Pstege-Jnstitnt für geistig und körperlich;nrüllgebliebcne Kinder. Prospekte und nähere Ansinnst durch die Unterzeichneten. Ai. Jaeoby. Dr. Behrendt. בשר MMMMUM Braunschweig Zicgeinnarkt Nr. 7 empfiehlt sich dem geehrten reisenden Publikum angelegentlichst. Auch sichen einige Zimmer zum Logiken bereit.

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