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Jeschurun · 1883-02-08 · Heft 6 (8.2.1883) · p. 94

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 6 (8.2.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1883-02-08
Page
94 (sequence 2)
Language
German
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״Cs liegt ferne von mir, mich in Streitfragen einzulassen, deren Umfang und Heftigkeit ich innig bedaure, weil sie der ausländischen Presse Anlaß vielen zu schweren Anklagen gegen uns. die zu vermeiden in unserem Interesse gelegen wäre. Mir liegt eS blos ob, die Ehre Derjenigen zu wahren, die in den Jahren 1848 und 1849 tapfer an meiner Seite gcfochten und die zum Lohne dasür nun plötzlich als Feiglinge gebrandmarkt werden sollen. Diesen gegenüber fühle ich mich verpflichtet, Folgendes zu erklären: Gleich bei Errichtung der ersten zehn Honvcd-Bataillone eilten zahlreiche jüdische Jünglinge herbei, um sich freiwillig anwerben zu lassen. Beauftragt mit der Bildung des sechsten (Vezprimcr) Bataillons, zählte ich deren mehrere per Kompagnie. Während des ganzen Krieges fand ich nie auch nur den geringsten Unterschied in der Haltung vor dem Feinde zwischen Juden und Christen; Beide thaten ihre Schuldigkeit, Beide wußten, wofür sie ihr Blut vergossen. Gegen Ende des Krieges zählten wir zahlreiche jüdische Offiziere in unseren Reihen, ich selbst deren mehrere in meinem Generalstabe; jeder von ihnen tbat seine Pflicht. Mein General-Intendant in Komorn war der vortreffliche Leo Holländer, gleichfalls ein Jude, dessen unermüdlichem Eifer, Hingebung und Opferwilligkeit wir es hauptsächlich zu verdanken hatten, daß die Lcrpflegung der Besatzung selbst unter den schwierigsten Verhältnissen keine Unterbrechung erlitt. Hvlländcr'S Söhne dienten gleichfalls in der Armee. So viel zur Steuer der Wahrheit und um einigen meiner Landslente den alten Spruch in Erinnerung zu bringen: Qui dit trop dit rien." *|* Pest, 4. Februar. Die Iudcndcbatte tönt noch in allen Gemüthern nach. Die antisemitische Partei hat von der ungarischen Nation durch ihre berufcuftcn Vertreter eine gründliche und energische Zurückweisung erfahren. Die äußerste Linke lehnt jede Gemeinschaft mit derselben ab. Es ist zu hoffen, daß jetzt endlich dem wüsten Treiben dieser Hetzpartci nicht nur im Interesse der angefciudcten Juden, sondern des gesummten Vaterlands ein unüberwindlicher Damm entgegengesetzt ist und Frieden und Ruhe wieder in die Bevölkerung eiuzichm. Die Schädigung, welche der allgemeinen Wohlfahrt bereits bereitet ist, entzieht sich jeder Schätzung. Möchte doch auch die häßliche Tisza-Eszlarer Angelegenheit endlich von der Bildfläche der Ocffentlichkeit verschwinden! DaS wäre zunächst das dringendste Erforderniß. So lange noch dieses düstere Nachtgespenst umgeht, so lange wird sich die Aufregung nicht gänzlich beschwichtigen lassen. Die Ober-Staatsanwaltschaft beabsichtigt, der Pester mcdizinischen Fakultät folgende Fragen vorzulegen: Ob die Dadacr Leiche 14 und 17 Jahre oder über 18 Jahre alt, und der Tod durch Crtränkung oder durch äußere Verletzung herbeigesührt ist, sowie ob dieselbe nur wenige Tage oder länger im Wasser gelegen und ob die Haare ausgerissen oder ausgefallen sind; endlich, ob die Nägel am 19. Juni, dem Tage der Auffindüng, bereits verschwunden waren und ans welchen Ursachen die Feinheit der Haut zu erklären ist? Frau kreich. *** Paris, '27. Jan. (Schluß.) Der Talmud mit Hinweis aus den Psalm 128 räumt dem Arbeiter einen höheren Rang ein als Demjenigen, der nur fromm ist, und vindizirt für der Hände Arbeit eine höhere Würde als für die Geistesarbeit. (Talmud Bcrochoth Seite 17). Einige talmudische Sentenzen sind wunderbar: ״Groß ist die Arbeit, sic ernährt, sie erzieht, sie adelt Denjenigen, der sich ihr hingiebt. Nur Derjenige, der den Dienst der Erde pflegt, wird von ihr mit Sättigung belohnt. Thue lieber eine niedrige Arbeit, z. B. ziehe selbst lieber einem gefallenen Thierc auf offener Straße die Haut ab, als daß du der Wohlthätigkeit Anderer zur Last fallest. Wer seinem Sohne nicht ein Handwerk lehrt, erzieht ihn zu einem Dieb." Wir erlauben uns bei dieser Gelegenheit zu bemerken, daß diese Vercinigung von intensiver, angestrengter körperlicher Berussthätigkcit mit geistigem Streben und Studieren, namentlich auf talmudischem Gebiete, auch unter heutigen Glaubensgenossen, namentlich in Rußland häufig zu konstatircn ist. Wie die ״ArchiveS Jsraelites" nach einer von Herrn Peltyn redigirten polnischen Zeitung erwähnen, ergiebt z. V. die offizielle Statistik der Stadt Kiew den Nachweis, daß die Anzahl der jüdischen Arbeiter daselbst einem Prozentsätze von 15"/» gleichkommt, während von der nichtjüdischen Bevölkerung nur 3°,» dem Arbeitcrstande angchören. Andererseits läßt sich aus denjenigen Gegenden Rußlands, in denen eS den Juden bisher gestattet war, Grundbesitz zu erwerben, mehr als ein Beispiel anführen, daß ttnsere Glaubensgenossen es verstanden haben, durch Arbeitsamkeit, durch intelligente Anwendung von Kapital den Bodenwerth und den Ertrag der Güter um daS Vierfache zu erhöhen, welcher Umstand ein um so grelleres Licht auf die Unduldsamkeit Derjenigen wirft, welche unseren Brüdern in Rußland dieses für das Land ebenso wohlthärige als für die Arbeiter lohnende Gebiet der Erwcrbsthätigkcit gewaltsam zu entziehen suchen. — Es entgeht Niemandem, der den akademischen Vorträgen hier zu folgen gewohnt ist, die vortheilhafte Eigenthümlichkcit der französischen Professoren, daß sie bei der Lebhaftigkeit ihres Temperamentes, bei der sprudetnden Lebendigkeit ihrer Vortragsweise und bei der Methode, jeden Gedanken möglichst gleich durch Beispiele zu erläutern, im Stande sind, selbst Themata,

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