Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1883)
- Article
- Rußland [Nachricht]
- Date
- 1883-02-01
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
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tränkegeschäft als ein so schädliches Element gezeigt haben, daß die legislative Gewalt, selbst auf die Gefahr hin, sich in diesem Punkt den Vorwurf der Inkonsequenz und der Verleugnung der von ihr selbst anerkannten Grundprinzipien bezüglich des EigcnthumSrechts und der GewerbebetriebSsreiheit zuzuziehen, dagegen einschreiten mußte? Vielleicht aus dem Grunde, weil sich die Juden als Verführer der Bevölkerung und als Zerstörer des allgemeinen Wohlstandes durch Erweiterung des AuSschankgeschäftcS gezeigt haben? — Zur Beantwortung dieser Fragen mögen uns die genauen statistischen Berechnungen bienen. Diese Berechnungen beweisen, daß sich nach dem neuen Aceisc- System die Quantität des Branntweins bis zum Jahre 1871 in den großrnßländischen, den Juden verschlossenen Gouvernements, um 60 pEt. vermehrt hat, während sie sich hingegen in den GouverncmentS, welche ״den Strich.der hebräischen Sitzungen" auSmachen, in demselben Zeitraum annähernd um 8 pEt. verringert hat. Der eigentliche Konsum aber des Branntweins hat sich in der vorerwähnten Zeit in den großrußländischen Gouvernements, nach Abzug der zu verschiedenen Zwecken und zur Bereitung des Branntweins selbst verbrauchten Quantitäten, .um das Zweifache verdoppelt, dagegen sich in den GouvcrnementS der jüdischen Besitzungen annähernd umkckpEt. vermindert. Endlich betrügt die Zahl der von 1808 bis 1802 durch Trunkenheit Verstorbenen in den Io Gouvernements der jüdischen Besitzungen 0,0178 auf Tausend, während sie für denselben Zeitraum in den 15 großrußlüudischen Gouvernements 0,0117־ auf Tausend beträgt, also ea. um 78 pEt. mehr. Kurz, die statistischen Berechnungen bezeugen, daß der Lorbeerkranz für Entwickelung des Gciräukehanoels nicht den Juden gebühre, imb daß aus eben diesem Grunde keine Veranlassung gegeben ist, die Grundprinzipien über das Eigenthum und die Gewerbcsreihcit zu erschlittern, um dadurch den Geschäftsbetrieb der Juden einzuschrünken. Möglich aber, daß diese Einschränkungen dem außerordentlichen Wohlwollen der Regierung gegen die Juden entstammen, die sic von einer Beschäftigung fcruhalten möchte, welche der Gesittung ihrer Nation zuwider ist? Aber abgesehen davon, daß eine solche Fürsorge gegen eine Klasse der Bevölkerung eine Ungerechtigkeit gegen die übrigen Schichten derselben gewesen wäre, so findet sic in diesem Falle bei der gegenwärtigen ökonomischen Lage der Juden in Rußland kaum eine Rechtfertigung. Dank der ununterbrochenen Kette früherer Beschränkungen derselben in ihren Rechten, vermochte der bedeutendste Theil von ihnen ihre armselige Existenz nur noch in dem Kleinhandel mit Getränken zu finden. Die furchtbare Armuth der russischen Juden in den Gegenden ihres gewöhnlichen Aufenthalts wird zur Genüge durch alle offiziellen statistischen Beschreidüngen der westrussischen Gouvernements bestätigt, und ein sehr bedeutender Theil der jüdischen Bevölkerung kann thatsächlich sein tägliches kümmerliches Brod nur durch den Ausschank von Getränken sinden. — Die Juden wären vielleicht selber sehr dankbar, wenn ihnen die Regierung andere Erwerbsquellen zeigen wollte, zum Ersatz für den weniger angemessenen Handel mit Getränken. So lauge cs aber keine Gleichheit für den Juden in Rußland auf allen Gebieten des Handels und (Gewerbes gicbt, so lange, sagen wir, bleibt die Entziehung des Geträukehandels für die Juden der Beraubung ihres letzten Stückchen Brodes gleich. Wohl werden möglicherweise diese Auswege und Mittel finden, wie die Gesetze umgangen tverden können, so z. B. durch Erwerbung von Patenten auf christliche '׳Namen u. a. m. Aber ist cs etwa billig mib den Interessen der Negierung entsprechend, ihre Unterthauen zur Umgehung von Gesetzen zu verleiten, wir möchten sagen zu zwingen? Außerdem aber ist selbst dies nur bemitteltcn Leuten möglich, dem größeren Theile der ärmeren Juden bleibt nichts Anderes, als — die Ar muth mit alten ihren traurigen Folgen. Inwiefern aber verträgt es sich mit den laudespolitischen Interessen, daß ein bedeutender Theil der Bevölkerung in den westlichen Landestheilen durch verschiedene Maßregeln in Armuth und Verzweiflung gestürzt werde?? Inserate werden die :Ispaltige Petitzcile oder deren Raum mit 2f> Psg. berechnet. M. Schweitzer, Lehrer Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. H | Ji •%־4 ״'• V|,,V׳ Inserationsaunahme für Frankfurt a. Ä. auch bei der Buchhandlung von I. Kanssmann daselbst, ohne Preiserhöhung. Knaben, die hiesige Schulen besuchen, . Bei Adolf (5ohn, Verlag und! Bei Unterzeichnetem erschien soeben: sinden Ausnahme, gewissenhastc Beaus. Antiquariat, Berlin, 14 Potsdamerstr.! 'Dl'üdN {£'&'"& ‘״**'״״'" *""■ ‘י' | «ichi.»: 1 «im dic rujüsch-jiidUch/ Mtntin. ' n olt, Rebekka, gcb. Hcincmanu, , Nach eigener Beobachtung erzählt von für israelitische Frauen. i Veo Golden stein. 7. vcrb. Ausl. Preis elegant gcb. 3 M. j 60 Pfennig. 80 Pf. Anerkannt praktisch, ökonomisch und sehr empfchlenswerth. Frankfurt a. M., Obermain-Anlage 20. Beste Referenzen. Frankfurt a. Main. I. Kauffmaurr.