Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : S.-A.-Ujehely [Nachricht]
- Date
- 1883-02-01
- Page
- 77 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933002--11848-2951825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Redakteur des ״Egycnlösog" (d. h. ״Gleichheit") auf Grand statistischen Materials nach, daß diese berüchtigte Petition mit ihren 2174 Unterschriften doch nur von <>15 Wahlberechtigten unterzeichnet ist; und diese 015 gehören zumeist den: Bauernstände an und handeln unter dem Einflüsse des Klerus. Die sämmtlichen Unterzeichner eines Dorfes haben übrigens ihre Unterschriften zurückgezogen, ebenso auch zahlreiche Einzclncn ans anderen Ortschaften, so daß die stattlichen 2174 sehr znsammenschlnelzen. UeberdieS hat bereits eine große Mehrheit der äußersten sinken beschlossen, gegen die Petition zu stinlmcn. ״Wir waren es," so sagen sic, ״welche im Jahre 1848 den Inden die volle Gleichstellung gewährleistet haben, wie sollten wir sie jetzt derselben berauben! Das wäre eine Schmach für uns, ja für die ganze magyarische Nation, welche selbst im Mittelalter gegen die Juden tolerant gewesen!" So wird sich gewiß auch in dieser Angelegenheit das Bibelwort bewahrheiten- ״Fasset immerhin einen Plan, — er wird vereitelt; sprecht immerhin eure bösen Gedanken ans, - - eS wird nicht bestehen: Denn Gott ist mit uns!" *|* Pest, 26. Januar. Die Debatten im Reichstage nehmen das höchste Interesse in Anspruch; sic wirken klärend und tragen sicherlich dazu bei, der Wahrheit und de!n Rechte die Bahn zu ebnen. DaS hochherzige Magyarenvotk wird endlich sich gegen die Schmach erheben, welche diese Feinde der Humanität ihm anzulegen sich bemühen. Aus Tisza'S Rede gegen GöndöcS, welcher die Juden mit Hohn und Spott überschüttete, hebe ich nur den einen Passus hervor, in welchem er sagt: er wolle glauben, daß der Vorredner nicht die Absicht habe, den Fenerbrand unter die Konfessionen zu schleudern; aber auch daS Kind, welches mit dem Feuer spielt, beabsichtigt nicht, des Vaters HanS in Flammen zu setzen. Er mahne dringend alle Söhne des Vaterlandes, zu bedenken, daß cs leicht sei, den Stein ins Rollen zn bringen, daß eS aber schwer sei, die Stelle im Voraus zn bezeichnen, wo derselbe seine Wucht zur Geltttng bringen werde. — Bei Gelegenheit der Tapolzsacr Petition, um Beseitigung der Gleichberechtigung der Juden, stellte Bcrzcviczy den AntisentitismuS in schneidiger Rede an den Pranger und beantragte Verwerfung der Petition. Jstoczy, den auch sein bisheriger Genosse Verhovay anscheinend im Stich gelassen hat, mahnte fast vergebens in seiner bekannten Weise zu ernsten Maßregeln gegen die Inden. Der Klub der äußersten Linken erklärte den Grundsatz der Rechtsgleichheit als heilig und unverletzlich. Magyar, katholischer Priester, erklärte im Abgcordnetenhansc, daß gegen die Inden seines Wahlkreises nicht die miubfftc Klage vorlicge, sie verdienten vielmehr die höchste Ancrkennnng für ihr musterhaftes Verhalten. Ein Muster von Beredsamtcit ist des großen Dichter Moriz Jokai'S Rede voller Ironie und Satyre. Er meinte, die antisemitischen Führer wären tvcgen ihrer Unfähigkeit und Bedeutungslosigkeit niemals zur Geltung gelangt, wenn sic nicht sich des *Mittels der polnischen Brandstistnng bedient hätten. Tisza ivandle sich gegen Jftoezy und erhob gegen ihn die Anklage der Dernagogie; er, als Minister, werde das Handwerk der Volksaufwiegelung unter keinerlei Firma dulden. — In Folge dieser erregten Verhandlung ׳spricht man von einem bevorstehenden Duell zwischen Jstoczy und Daniel Jranyi. — Hofsentlich wird die Tisza - Eeztaer Assairc setzt auch einer günstigen Vösnng endlich entgegcngeführt werden. AnS K erstem et wird berichtet, daß sich dort ein antisemitischer Verein gebildet habe unter der Aegide von Jstöezy, Szalay, Onody n. A. Einer beabsichtigten Demonstration derselben war die Behörde energisch cntgcgengelicten. Der Stadrhanptmann hatte eine Proklanration erlassen, in welcher er die schärfsten Maßregeln für jeden Versuch zn Aufreizungen gegen die Inden androht. *I* Pest, 28. Januar. Nach dreitägiger heftiger Debatte nahm der Reichstag den Antrag seines PetitionSanSschusscs an und erledigte die gehässige Tapolezacr Petition durch Ilebergang zur Tagesordnung. Nur zehn Stimmen liehen den antisemitischen Gelüsten ihre Unterslützung. Frankreich. *4? Paris, 27. Jan. Bekanntlich ist die vollständige Gleichberechtigung der Inden mit allen übrigen Staatsbürgern in Frankreich selbst in Bezug ans den Kultus streng durchgcfnhrt. So tvcrdeu die Besoldungen der Rabbiner von den Abgeordneten votirt, die Synagogen von StaatSwcgcn gebaut, Schulen und nantentlich auch das Nabbinerscminar in Paris von der Staatskasse erhalten. ES ist in dieser Beziehung sogar der Beachtnng werlh, daß, da einerseits die Anzahl der französischen Israeliten eine vcrhältnißmüßig geringe ist, andererseits die .Kosten der Erhaltung eines derartigen Seminars für alle Kulten ziemlich dieselben sind, die Kreirnng eines Rabbiners daS Staatsbudget zehnmal so hoch belastet als die Ausbildung eines Pfarrers. Bor Kurzem fand hier die Einweihung des prächtigen neuen Nabbincrseminar-Gebäudes Nne Vangnelin statt. DaS Haus enthält eine herrliche Synagoge, die einem bisher vielfach in diesem Stadttheilc gefühlten Mangel eines cntfprccfjcnbcn Oratoriums abhilst. ES werden darin Morgens 1111 b Abends die rituellen Gebet- Versammlungen abgchaltcn, und eS wird den jungen Kandidaten hinreichend Gelegenheit zu ihrer homiletischen Ausbildung geboten. Das Unterrichtsministerium hat bei der Genehmigung dieses Baues dem Wunsche der