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Jeschurun · 1883-02-01 · Heft 5 (1.2.1883) · p. 76

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 5 (1.2.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-02-01
Page
76 (sequence 1)
Language
German
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KorrcsMdcllZttl unb Nachrichtell Deutschland. — a — Berlin, 28. 3nmmr. Herr Prediger Hapkc zählt jetzt zu den großen Männern; an seinen Namen knüpft sich der Antrag der Konservativen, eine gesetzliche Bestimmung herbeimführen, nach welcher fortan die von ihm geübte, mit Strafe belegte Eides Verweigerung statthaft sein soll. Wie schnell man doch berühmt werden kann, wenn man den in gewissen .Kreisen herrschenden Vorurtheilen in die Hände arbeitet! Dieser konservative Antrag, an dessen Annahme nicht geglaubt wird, ist aber nur der erste Zug, welcher gegen die gewährleistete Gleichstellung der Juden auf legislatorischem Gebiete unternontmen werden soll. Und als solcher ist er ziemlich schwach. Man fühlt sich augenscheinlich noch nicht sicher; man will erst das Terrain sondiren. In dem nachhiukcndcn Schlußsatz dieses Antrags soll auch den: jüdischen Schwörenden das Recht zustehcn, die Zuziehung eines Rabbiners beim Eide zu verlangen. Es schlt heute noch an Math, den wahren Zweck des Antrags völlig unverhüllt zu offen׳ baren; man versteckt sich noch hinter Gewisscnsskrupel und muß deshalb.diese auch bei den Juden berücksichtigen. Die wirkliche Absicht aber ist, die Misere dcS jüdischen Richters für das Deutsche Reich zu konstatireu - - Der Geist deS Vorurthcils herrscht leider in manchen Gemüthern mit allmächtiger Gewalt und bekundet sich nicht nur in .den GerichtssÜlen und den Hallen des politischen Lebens, sondern auch in der Klause des Gelehrten. Anstatt des nüchternen, nach Wahrheit forschenden Verstandes leitet er den ernsten Schriftsteller. Davon legt auch Dr. Wahrmund's ״Babylonierthum, Iudenthum und Ehristenthum" Zcugniß ab. Auch in diesem Buche wird die Fabel von den: auf dem Grunde des vom Judenthnme gelehrten Ausschließlichkeitspriuzip entstandenen Selbstvcrgötterung des jüdischen Volles und des von dentsclben gehegten Hasses gegen die übrige Menschheit auf's Neue vorgetragcn. In dem Judenthumc könne von einem weitherzigen Monotheismus gar keine Rede sein; cs sei zur Aneignung christlicher Kultur und Menschlichkeit unfähig. Als ob nicht jede Seite der rcligionsgesetzlichen Schriften des Judenthums diese Behauptungen Lügen strastc, als ob es nicht eines flüchtigen Einblicks -in die Quellen nur bedürfte, um darzuthun, daß die vom Iudenthum verbreitete Lehre die universellste und allumfassendste ist und gegen jede derartige partikularistischc Anschauung proteslirt! M. Berlin, 27. Januar. Ich höre von zuverlässiger Seite, daß der Antrag des Abgeordneten Maltzahn hinsichtlich der Eidesabnahme weder auf die Zustimmung der gcsammtcn Dcutschkonscvvativcn, noch 76 aller Zentrumsmitglicdee rechnen kann. Einsichtige Politiker, welche sich nicht ausschließlich von blindem Fanatismus leiten lassen, sind auch kaum im Stande einem Anträge Beifall zu zollen, welcher der Rechtssprcchnng die allergrößten Schwierigkeiten bereiten nmß. Wenn nun ein Richter von der Konfession des zur Eidesleistung Vorgeladcnen nicht an der Gcrichtsstclle vorhanden und auch ein Geistlicher der betreffenden Religionsgemeinschaft ebenfalls nicht zur Hand ist, — Fälle die sehr häufig cintrcten können — welche Berschleppung der anhängigen Sachen wird alsdann herbeigeführt? Der Maltzahn'schc Antrag ist nichts weiter als eine Demonstration, 11m die öffentliche Meinung gegen die jüdischen Richter einzunehmen und für die bekannte Förstcr'fche Petition an den Reichskanzler wegen Entziehung von autoritativer Aemternbertragung an Iltden Stimmung zu machen. — Der Rechtsanwalt Munkel, vom Schöffengericht zu 100 Mark oder eventuell 10 Tagen Gefänginß wegen angeblicher Beleidigung des Dr. Förster vernrtheilt, ist von dem Bcrufnngsfcnat des Landgerichts E freigesprochen worden. — In dem Berichte über die Thätigkeit des Reichskommissars für das Atlswanderungwesen währcrtd des Jahres 1682 heißt es: ״Unter den im Jahre 1682 beförderten Auswanderern befand sich eine große Anzahl aus Rußland ausgcwandcrter Israeliten, für welche ebenso wie für die 1881 ansgewaudertcn Israeliten besondere Einrichtungen bezüglich der Unterbringung und uautcntlich bezüglich des Proviants und der Zubereitung der Speisen getroffen werden mußten; allein über Hamburg wurden 10474 russische Israeliten nach Amerika befördert." * Köln, 27. Januar. Morgen Vormittag 11 Uhr veranstaltet das israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache in seinen Räumen die alljährliche Gedenkfeier seiner verstorbenen Gönner mtb Wohlthätcr. Bei diesem Anlässe wird die Einweihung des vor kttrzem vollendetctt schönen Neubaues der Anstalt, dessen Bedürfnis; sich bei der wachsenden Zahl von Atuncldtlngcn zur Aufnähme immer mehr heraitsgcstcllt hat, stattfindcn. * Müll heim. (Baden.) Wie das ״Fftr. Journ." hört, hat der eine der Inhaftirteu den an den beiden Israeliten begangenen Mord lind Raub cingestandcn. Oesterreich-Ungarn. 8.... r. S. A. Ujhely, 24.^Janaar. Ueber die auch in Ihrem Blatte erwähnte Tapolesaer Petition fanu ich Ihnen berichten, daß dieselbe wohl den von ihren Uukernchmern beabsichtigten Zweck, die Emanzipation der Juden anszuhebeu, schwerlich erreichen wird. Es ist doch Gottlob nur ein ganz geringer Vruchtheil der Bevölkerung/' welcher derartigen radikalen Maßregeln gegen die Juden das Wort' reden möchte. So weist

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