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Jeschurun · 1883-01-25 · Heft 4 (25.1.1883) · p. 63

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 4 (25.1.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
Date
1883-01-25
Page
63 (sequence 2)
Language
German
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63 und Kongreß - Gemeinden aber ganz und gar nicht. Die meisten Talmudjüuger rekrntiren sich aus Ober- Ungarn. Die Zahl der ישיבות hat wesentlich keine Acnderung erfahren. Wohl haben mehrere früher sehr angesehen gewesene Jeschiboth bedeutend an Zahl der Jünger abgenommen, dafür sind aber neue ישיבות erstanden, welche einer lebhaften Frequenz sich erfreuen und vortrefflich prosperiren. Jn Prcßburg und S. a. Ujhelh blühen die hervorragendsten Jcschiboth. Wir werden in einem unserer nächsten Berichte noch Gelegenheit finden, auf diese Institution zurückzu kommen. Bon dem Religionsunterricht an Volks- und Mittelschulen will ich gleichfalls heute blos einige Skizzen geben. DaS Laudesgesetz legt allerdings einen großen Werth aus religiöse Bildung und verleiht den! spczifisch-konsessionctten Unterrichte einen streng obligatorischen Karaktcr; doch wer darauf vertraut, der hat auf Sand gebaut. Wohl nimmt der Religions-Unterricht im Lehr- und Stundenpläne der Volks- und Mittelschulen den vornehmsten Platz ein, jedoch im Unterrichtsplane wird er ganz in den Hintergrund gedrängt. — Wo nicht die Kenutniß der hebräischen Sprache als oberstes Postulat gilt, wo die Schüler nicht in den Stand gesetzt werden, durch Vermittelung der hebräischen Sprache in das Wesen des Judenthums einzudriugen, wo die religiöse Bildung aus magern und erbärmlich zusammengeschweißtcn deutschen oder ungarischen Neligionsbüchern geschöpft wird und wo auch die Praxis der dürftigen Theorie nicht zu Hülfe kommt, wie kann man da von einem gedeihlichen Religionsunterrichte reden? Wem das Hebräische ein siebenfach versiegeltes Buch ist, dem bleibt die Religion ein verschlossener Quell. Viele kennen gar nicht die Unterrichts-Bedürfnisse für die Erzielung einer jüdischen Neligiösität, und Viele, die sie wohl kennen, gehen ihnen sorgfältig aus dem Wege, weil sie den Aufwand von Zeit und Kraft, welche diese erfordern, ängstlich scheuen. Die Religions-Lehrer werden von den autonomcn Kultusgemeiuden designirt. Ob der Aspirant zu diesem heiligen Berufe die nöthige Qualifikation hat, ob sein Karaktcr, sein Privatleben, seine Anschauung in Glaubenssachen ihn für denselben befähigen, mn solche Lappalien kümmern sich die Wenigsten. Und ach רבים חללים הפילה, dieser haarsträubende Jndisfercntismns hat bereits arge Verheerungen augcrichtet und leider grassirt diese Krankheit in Gemeinden aller Parteischattirungen. Und wo sind die wachsamen Augen der Rabbiner? Wie verhallen sich diese obersten Gesetzcslchrer solchen desolaten Zuständen gegenüber? Die Einen haben einen ohnmächtigen Willen, die Anderen eine Macht ohne Witten! Dies die Signatur, ein erschöpfender Kommentar dazu wird folgen. Auf gleichem Niveau steht die. ungar. - jüd. (?) Presse. Viele Blätter aber wenig Früchte! Nicht weniger als ein halb Dutzend deutsch und ungarisch schreibender Redakteure verbrauchen allwöchentlich ein ansehnliches Quantum Papier. Zur Karaktcristik dieser ung.-jüd. (?) Journale diene Folgendes. In der ״Szombati Nzsag" schreibt der Hauptmitarbeiter (in Abwesenheit des Redakteurs!) ״Die orthodoxen Juden verabscheuen die Nichtjudcn und halten diese für unrein, darum wollen sie den Wein nicht trinken, welchen Nichtjuden anrühren." — Ferner ״der Talmud enthält ,Dunkelheiten^ ,rappelköpfig^ Sentenzen".' — Kann es dann Wunder nehmen, daß Tisza Eözlar in Ungarn liegt! — Dieser Talmud- Verächter und Judenfeind ist aber nicht blos stcllvertretender Redakteur eines jüd. (?) Blattes, sondern auch ordentlichen Lehrer an der ung.-jüd. Landes-Lchrer-Präparändie, welche bekanntlich mit dem ung. Landes(!)- Rabbiner-Seminar unter einem Dache und unter gemeinsamem Protektorate existirt. Sapienti sat. Die Wochenschrift ״Ung. Jsr." fällt darauf über den Vize-Redakteur unbarmherzig her. (Wer erinnert sich nicht an die Worte, welche Horaz dem heidnischen Rom zugerufcn, als es im Bruderzwiste sich bekämpfte ״Noque hie lupis mos, nec fuit leonibus — Kumqiiam nisi in dispar feris!) — Wir gestehen, es hat uns ziemlich amüsirt, als wir gesehen, wie der ״Ung. Jsr." sich echauffirt, um seinen ebenbürtigen Kollegen an den Pranger zu stellen; doch nicht lange währte es, und wir haben voll tiefster Indignation das edle Blatt aus den Händen gelegt. Während dasselbe den Talmud und seine Lehren in seinen ״gnädigen Schutz" nimmt, schreibt cs zugleich ״der Schwindler Juda Assod, über den wir längst als Ignoranten und Unjudcn mit vollem Recht (sic!) den Stab gebrachen-" Es kostet mich viel Ueberwiudung, diese Worte zu reproduziren. R. Juda Assod, dieses ..Licht der Diaspora," das fortleuchten wird bis an das Ende aller Zeiten, dessen Response» ihn zum Lehrer von ganz Israel machen, — den großen 9t. Inda Assod. dessen Namen wir voll Ehrerbietung aussprechen, den wagt der ״Ung. Jsr." einen ״Schwindler," einen ״Jgnoranten," einen ״Unjuden" zu nennen, über den er längst schon mit vollem Liecht den Stab gebrochen!! Der unsterbliche N. Inda Assod steht zu hoch, als daß er solchen Angriffen gegenüber vertheidigt werden müßte. Aber an die öffentliche Meinung möchten wir appelliren, daß sie mit Unwillen dergleichen Angriffe auf ihr Ehrgefühl zurückweise und dagegen protcstirt, daß ihr solches geboten werden dürfe.

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