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Jeschurun · 1883-01-25 · Heft 4 (25.1.1883) · p. 60

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 4 (25.1.1883)
Article
Deutschland : Schwerin [Nachricht]
Date
1883-01-25
Page
60 (sequence 2)
Language
German
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60 Männcrverein" nahm er sich seines rcichshauptstädtischcn cidesvcrweigerndei! Kollegen wacker an. Wir haben hierzulande bisjetzt Gottlob von dem Winde, der äugenblicklich an der Spree weht, nichts verspürt. Es sprechen j aber gewisse Anzeichen dafür, daß inan auch hier in; Antisemitismus gern cttvas ״machen" möchte. JRan hegt in gewissen Sphären den brüderlichen Wunsch, die Juden von allen obrigkeitlichen Stellungen auszuschlicßen. Wir vertrauen zuversichtlich zu dein gerechten 3iime unserer 'Behörden und insbesondere unseres Landesherr!!, daß sic dergleichen Bestrebungen, die sich gegen einen Theil von Bürgern richten, welcher au Loyalität, Vaterlandsliebe und Gemeinsinn Niemandem uachsieht, entgegenzntreten wissen; wir hegen aber auch zu dem gesunden Sinne unserer christlichen dRitbürgcr, mit welchen der mecklenburgische Jude .in freundlichsten! Einvernehmen lebt, die feste Hoffnung, das; sie ihr Thr den Aufreizungen verschließen werden. * AIsa 11. Würzbnrg. Der Wohlthätigkcitssinn, der von jeher unseren! Bolle mit Recht nachgcrühmt wird, hat auch in neuerer Zeit in hiesiger Gemeinde dadurch eine Bekundung gesunden, daß inan beabsichtigt, ein israelitisches Krankenhaus ins Leben zu rufen. Bedeutende Mittel, nahe an hunderttausend Mark, sind bereits durch freiwillige Gaben gesammelt, wovon der größte Theil den hiesigen Gemeindcmitgliedcrn zu vcrdanken ist. Die Borstandschast der Gemeinde sowie die Berwaltung der verschiedenen Vereine haben sich darum sehr verdient gemacht. Ganz besonders verdient der Sekretär, Herr Schuldirektor Stern, für seine rührige Thätigkeit in dieser Sache alle Anerkennung. Bereits in dieser Woche ist ein für diesen Zweck sehr geeigneter Bauplatz in freier, gesunder Lage augekauft worden. Möge, das wünschen!vir und mit uns wohl gewiß jedes jüdische Herz, diese Idee bald zur Vcrwirllichung gelangen, denn die Unannehmlichkeit und Widerwärtigkeit für einen israelitischen Kranken im allgemeinen Kranlenhausc hier zu schildern, würde der Raum wohl zu gemessen sein. Wir richten die herzliche inständige Bitte au Alle, für dieses schöne Werk reichlich zu spenden und mahnen, nicht zu säumen; — wer schnell gicbl, giebt doppelt; der Lohn des Himmels ist ihn! sicher. Oesterreich-Ungarn. ** Wien. Die Wogen der antisemitischen Strömung gehen immer höher; daß sic sich endlich brechen werden, daß das Gefühl für Recht und Wahrheit im Volke der Fels sein werde, an welchen! sic zerschellen, darauf bauen wir mit aller Zuversicht. Wir wissen cs, daß יושב בשטים ישחק, daß der im Himmel tront der ohinnächtigen Anstrengungen wahnbelhörtcr Menschen lächelt, die den! Prinzip des Sittlichen und des Wahren den Kampf zu verkünden sich erkühnen, die Gottes Weltenordnung zu vernichten drohen. Die kurzsichtigen Thoren gehen unter und Recht und Wahrheit feiern ihre Siege. Wann? — Das stellen wir getrost dem Allerhöchsten anheim. Inzwischen rührt man sich auch auf Seiten der Juden, welche sich in dem Heiligsten ihres Wesens augegrifscn fühlen; und wie auch sonst das Bewußtsein von der erhabenen Mission Israels in Mancher Herzen entschwunden gewesen war; sic ermannen sich doch und treten hinaus auf den Wahlplatz zur Bertheidigung ihres theuerftcn Guts: ihrer Religion, der wieder!!!!! geschändeten und geschmähten. Und auch aus anderen Kreisen gesellen sich zu ihnen Streiter für der Juden Sache; denn der ״Juden Sache" ist die Sache des Rechts und der Hiunanität. So macht die ״R. fr. Pr." aus das gelehrte und interessante Werk des Professors Dr. Filippo Zantboni aufmerksam,!velches über die Hausjklaven des Mittelalters in Italien handelt. Unter denselben befanden sich stets viele Juden, deren trauriges Loos in diesen! Buche sehr anschaulich geschildert wird. Ter Verfasser benutzt die Gelegenheit, un! auch des leider in!!!!seren Tagen ״durch die Beu!ühungcn der Antisemiten um Kulturfortschritt und Nächstenliebe wiederholt aufgetauchten albernen Mährchcns" von der Benutzung von Ehristcnblut zum jüdischen Passah zu gedenken. Er weist auf Grund historischen Materials die Lächerlichkeit und Bosheit derselben nach. Im Mittelalter fand cs nur bei den niedrigsten Bolksklassen Eingang und diente auch in Italien zum Vorwand, um die Juden zu quälen und ausznplündcrn. Am längsten dauerte ihre gedrückte Lage in! ehenlaligen Kirchenstaate. Zamboni hat als junger Mensch noch selbst der berüchtigten Ecreinonie bcigewohnt, die sich alljährlich ans dem Kapitol zu Nou! abspielte: da saß auf goldenen! Throne in! Konservatoren- (aal der Senator und setzte seinen Fuß auf den Racken eines vor ihm kniecndcn Juden, des Vertreters des Ghetto, und versprach ihn! gnädigst, seine Stammesgenossen noch für ein weiteres Jahr in der Ewigen Stadt zu dulden. Der Jude überreichte darauf dem (Gewaltigen einen Blumenstrauß, 3 Stücke Seidenstoff als Preise für das Rennen nebst einem Becken voll Seudi und ward dann mit einem Fußtritt entlassen. Zamboni beschreibt diese abscheuliche Szene mit der tiefsten Entrüstung eines edlen Poetenhcrzens. Derlei ist freilich!!!!!nöglich geworden, aber cs ist vielleicht gut, von Zeit zu Zeit der unnatürlichen, schmählichen Mißhandlung un! des Glaubens willen zu gedenken, welche man wieder hcrausbcschwören möchte, und die Ansichten aufgeklärter und begabter Männer über das Treiben zu zitiren. Lemberg. Die amtliche ״Gazcta Lwowska", von der totalen Räumung Brody's von den russischen Juden Akt nehmend, betont die glückliche

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