Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1883)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1883-01-25
- Page
- 59 (sequence 2)
- Language
- German
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59 Negierung augenblicklich aus kein geneigtes Ohr. Der Freund des Herrn Hapke, Herr Hofprediger Stöcker, mußte sich deshalb auch damit begnügen, in der Persammlung der christlich-sozialen Partei am 12. d. M. außer einem schaalcn Witze eine Resolution des Inhalts zu empfehlen, daß der Prediger Hapke sich um das christlich-deutsche Bewußtsein wohl verdient gemacht habe, indem derselbe der berechtigten Gewissensnot!) der Christen einen kräftigen Ansdruck verliehen. Herr Hapke nahm übrigens in der Bcrsammlung des konservativen ZcntralvcreinS des zweiten RcichStagS-WahlkrciseS Peranlassnng, selbst zu erklären, daß seine Forderung, nur in die Hand eines christlichen Richters den Eid abzulegen, zu denjenigen Rechten zähle, welche keine Gesetzgebung antasten dürfe und empfahl eine Erklärung dahin: daß auf gesetzlichem Wege Sorge zu tragen sei, daß bei Eidesleistungen ein Jeder nur vor einem Richter seiner Religion vereidigt werde. Einem konservativen Blatte zufolge soll übrigens ein Antrag seitens der konservativen Partei im Reichstage vorbereitet werden, durch welchen die Forderung dcS Herrn Hapke zum. Gesetze erhoben werden würde. Eventuell soll ein Jeder, auch der Jude, verlangen können, das zur EidcSabnahme ein Geistlicher seines Bekenntnisses hinzugczogen werde. — In ancrkenncnSwcrther Weise spricht sich übrigens der ״Evangct. Kirchl. Anzeiger" über Herrn Hapkc'S Verhalten aus. Er betont, daß eö sich nur 11111 eine private Angclcgenhcit dieses Herrn handelt und die Kirchenbehörden mit demselben nichts zu schaffen haben. Die Verbindlichkcit dcS christlichen EidcS werde nicht im geringsten tangirt, wenn ein Nichtchrist denselben im Namen dcS Königs fordert. Gegen diese würdige Haltung des KircheublattS sticht das leidenschaftliche Auftreten dcö ״Vereins ViSmark" wenig vortheilhaft ab. Nach der ״Köln. Volkszcitung" hat in demselben der bekannte Herr Otto Glagan über Börse und Börsenstcuer einen Bortrag gehalten, welchem ich folgenden bcmerkenSwcrthen PassuS entnehme: ״Die Machtcntwickelung der Börse sei gleichbedeutend mit derMachtcntwickelnng dcr Judcnschaft, die Börse sei ein großes Stück der sozialen Frage; mit dem Anwachsen der Börse laufe parallel das Anwachsen der Sozialdemokratie, deren ״Stifter" übrigens Inden seien. In den ״wissenschaftlichen" Werken von Marx und Lassalte werde das Wort ״Börse" kaum erwähnt." Der Vorsitzende machte bekannt, daß eine große Anzahl von Resolutionen zu dem Fall Hapke cingcgangen sei. (Stürmische Zustimmung). Er verliest eine der Resolutionen, die mit unendlichem Beifall ausgenommen wird. Sodann wurde beschlossen, daß der ״Verein BiSmar!" dem Prediger Hapke eine Dankabreffe übersende. Wie lange wird noch das wüste Gebühren der Herren Antisemiten andauern? * Hamburg. Die am 14. d. M. stattgehabtc Wahl eines Gemeindevorstehers hatte die Wiederwahl des Herrn Marcus ׳Nordheim zur Folge, welcher sein Interesse für unsere Gemeinde in der edelsten Weise bcthütigt. Vor kurzer Zeit schenkte er nämlich der Gemeinde dcn Betrag von l 00 000 Mark für die Errichtung eines Neubaues für eine Gemeiudemüdchenschule, und läßt außerdem gegenwärtig aus beut Terrain dcS früheren Lazarus-GumpelS-Stift, ein neues größeres Stift für Fciwohuungcn erbauen. Es ist wahrhaft erhebend, wenn die mit irdischen Gütern Gesegneten dieselben schon 1׳ci Lebzeiten, nicht erst beim Scheiden von dieser Welt, in verständiger Weise zum Wohle ihrer Mitmenschen verwenden. Ein derartiges Beispiel von edler Gesinnung regt zur Nachahmung an, und so ist es mir heute eine angenehme Pflicht, Ihnen auch über eine fernere am gestrigen Tage hier stattgehabtc größere Schenkiuig berichten zn können. Der hiesige Rentier Herrn E. Edwards stellte der Gemeinde den Betrag von 150000 Mark für ein zu errichtendes AlteuhauS zur Verfügung. Es sollen von diesen 150000 Mark 50000 Mark für den Neubau und 100 000 Mark stir die innere Einrichtung und ferneren Erhaltung des Stifts dienen. Mit dieser Schenkung ist einem lange gefühlten Bedürfnisse in unserer Gemeinde abgehelfen, und ist die bei der Schenkung ausgesprochene Grundbedingung, daß dieses Stift nur nach streng rituellen Bcstiminungcn geleitet werden soll, gewiß dazu angethan, um in allen streifen dieser hochherzigem Gabe den innigsten Dank entgegenzubringen. Möge es dem Herrn Edwards bcschiedeu sein, an dem Gedeihen dieses von ihm ins Leben gerufenen edlen Werkes noch recht lange Freude zu haben, und das Institut selbst seine Bestimmung, dem Alter eine sorglose Existenz zu bieten, nach allen׳ Richtungen erfüllen. Müllhcim. (Baden). Der ״Schw. Merk." bcrichtet, daß die Mörder der unglücklichen beiden Maier, Vater und 201)11, in den beiden Holzfällern Li ebener, ebenfalls Vater mid Sohn, aus Marzcll am Blauen entdvckt sind. Der Vater wurde auf dem Heimweg verhaftet, der Sohn, ein roher 30 jähriger Geselle, ist am folgenden Abend zu Basel dingfest gemacht worden. Die Mörder, durch liederliche Wtrthschaft herabgekommen, sollen uantentlich auf die Juden über- Haupt einen griurinigen Haß geworfen haben, obgleich diese an ihrer Bedürftigkeit völlig unschuldig sind. Man fand bei ihnen die Uhr des einen Ermordeten, einen an denselben adresjirlcn Brief und 30 Mark baares Geld; trotzdem leugnen sie die That. * Schwerin. (Mecklenburg.) Die Lorbeeren, welche die Prediger Stöcker und Hapke sich um das. Haupt winden, haben auch unseren Ober-Hofprcdiger Herrn Jahn nicht schlafen lassen. In beut ״christlichen £